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Hannover 96 Der Riss durch die Ränge geht tief
Sportbuzzer Hannover 96 Der Riss durch die Ränge geht tief
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20:53 11.03.2015
Applaus und Pfiffe: Der Brief der 96-Klubführung hat die Fanszene weiter gespalten. Die gute Stimmung in der Arena gehört der Vergangenheit an, und auch die sportliche Lage sorgtderzeit nicht für gute Laune.
Applaus und Pfiffe: Der Brief der 96-Klubführung hat die Fanszene weiter gespalten. Die gute Stimmung in der Arena gehört der Vergangenheit an, und auch die sportliche Lage sorgtderzeit nicht für gute Laune. Quelle: Treblin
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Politik gehört nicht ins Stadion

Alte Liebe, ewiges Leid! Liebe Fans von Hannover 96, was ich aktuell als Zuzügler der Region Hannover sowie als Dauerkarteninhaber, regelmäßiger Stadionbesucher und mittlerweile absoluter Fan von Hannover 96 in dieser Saison Woche für Woche erleben und ertragen muss, war nicht mein freier Wille und schon gar nicht mein Wunsch.

Ich möchte am Wochenende nach harter und pflichtbewusster Arbeit nur Freude und Spaß am Spiel erleben – und gerade die Anstrengungen der Woche beim Fußball ein wenig sacken lassen. Dass ich mich beim Bundesliga-Fußball jedoch noch mit Politik befassen und quasi neben dem leidlichen Weltgeschehen (Russland-Krise, Ukraine, Euro-Krise …) die Politik auch noch im Rahmen meiner Freizeitgestaltung im Stadion erleben und dulden muss, ist bitter. So war der Ansatz meiner Liebe zum Fußball und zum Verein nicht gedacht!

Wir wollen am Wochenende alle nur Spaß und enden mittlerweile in langweiliger Politik im Sandkasten. Das ist nicht die Region Hannover, die ich vor drei Jahren kennen- und lieben gelernt habe. Hier sind „Kind“-er am Werk, die sich darüber aufregen, dass ihnen das Spielzeug geklaut wurde. Damit meine ich nicht nur den Ultra-Bereich, sondern auch die Führung des Vereins. Reißt euch endlich mal alle am Riemen und gebt uns Zuschauern und der Mannschaft endlich wieder die Chance für einen Stadiongang mit Spaß und Freude. Politik können die Großen der Welt machen,

über die wir uns tagtäglich aufregen. In Hannover wollen wir Vergnügen, Zusammenhalt, ein Wochenende in Frieden und einen Sieg unseres HSV!

Ich würde mich freuen, wenn die Ultras (ohne Pyro und Prügel) wieder mitmachen und der Verein auf offene Briefe verzichtet! Begrüßt doch einfach wieder die Fans im Ultra-Block sowie alle anderen Zuschauer und Gäste zum Spiel und lasst uns loslegen wie früher. Es war mal traumhaft (Europapokal-Spiele, keine Punkte für Gästemannschaften im Stadion und so weiter) – und das Wochenende ein Vergnügen im Stadion. Jetzt ist es einfach nur eine Peinlichkeit und Langeweile unter Gleichgesinnten.

Schaut mal alle in den Spiegel, und dann macht euch klar, auf welcher Seite wir stehen. Wir gehören zusammen, und das sollten wir den anderen Mannschaften endlich mal wieder deutlich machen.

Michael Vesper aus Ronnenberg

Die ständigen Rufe beeinflussen Stimmung und Leistung

Ich sitze bei den Heimspielen im Block S10 – und was aus dem Bereich der Blöcke N4 und N5 an feindseliger Stimmung durchs Stadion bis zu meinem Block schwappt, macht mich regelmäßig fassungslos. Dass diese negative Haltung sich zwangsläufig auch auf die Stimmung im Stadion und die Leistung der Mannschaft auswirken muss, liegt eigentlich auf der Hand.

Hat denen denn noch niemand gesagt, dass die ständigen Rufe gegen den Clubchef nerven und keiner im Publikum dieses Gezänk hören will? Wenn ihnen die Mannschaft und deren sportliche Zukunft anscheinend so egal sind, dann sollen sie wenigstens zu Hause bleiben und nicht noch den gegnerischen Mannschaften mit ihren Sprechchören helfen. Ohne diese „Fans“ wäre die Stimmung im Stadion vermutlich auch nicht richtig gut, aber mit Sicherheit viel besser, als sie jetzt ist. Und wenn die unbedingt die Spiele der 2. Bundesliga sehen wollen, können sie auch nach Braunschweig fahren. Dort sind sie möglicherweise sowieso besser aufgehoben.

 Astrid Nagel aus Hannover

Es gibt keinen echten Dialog zwischen Fans und Verein

Vielen Dank für den offenen Brief an die Anhänger von Hannover 96. Ehrlich gesagt, verursacht dieser Brief bei mir noch mehr Fragezeichen als zuvor. Was genau hat Hannover 96 denn verstanden? Was wird der Verein konkret unternehmen, um die Situation zu verbessern?

Uns Fans muss niemand erklären, worum es geht – uns geht es um 96 und das damit verbundene Lebensgefühl! Wir Fans möchten aber auch gehört und ernst genommen werden. Aus meiner Sicht krankt es genau daran! Es gibt keinen echten Dialog zwischen Verein und Fans, und mit Fans meine ich nicht nur die Ultras. Zu diesem Thema fallen mir einige Dinge ein, die ich hier nicht hierarchieren möchte: Neu-/Wiedergründung eines Fanverbandes zum Beispiel, regelmäßige Fangespräche, Einrichtung eines Fanparlaments, Erlaubnis für den Vertrieb von Merchandisingprodukten des Fanverbandes auf dem Stadiongelände, Einrichtung eines Fanhauses. Dies alles muss natürlich innerhalb von klaren Spielregeln passieren, die für alle Partner gelten müssen.

Zum Thema Ernstgenommenwerden  gehören aber auch weitere Dinge. Erstens: Wenn ich durch den Fanshop am Stadion gehe, finde ich mittlerweile kaum noch Textilprodukte, die in Qualität und Anmutung einen hochwertigen Eindruck machen. Zweitens: die Verkündung von sportlichen Zielen. Da wird vollmundig der Angriff auf die Europacup-Plätze angekündigt, dann werden aber zum großen Teil Spieler verpflichtet, die vertragslos, nicht fit sind und/oder bei ihren Vereinen nicht gespielt haben. Da fühle ich mich veralbert. Hier wird offensichtlich, dass 96 bei den sportlichen Entscheidern nicht mit Topleuten besetzt ist. Drittens: Die Zustände im Nachwuchsleistungszentrum stehen auch nicht zum Besten – hier werden Werte wie Anstand, Respekt und Fair Play mit Füßen getreten. Alles in allem macht 96 keine glückliche Figur – und der Gipfel am vorigen Sonnabend war die vergessene Schweigeminute für Hannes Baldauf. Das war peinlich und eines Traditionsvereins unwürdig. An der Stelle habe ich mich geschämt.

Ich bin sehr gespannt, ob ich auf diese Mail eine Antwort erhalte. Ich würde mich sehr freuen, denn ich bin ein glühender Fan der „Roten“. Bei all diesen Dingen übersehe ich nicht die Verdienste von Herrn Kind für diesen Verein. Ohne Martin Kind würde es 96 in der Bundesliga nicht geben – da gibt es keine zwei Meinungen.

Marco Weiss aus Bad Nenndorf

Ohne Fans führt der Weg überallhin – aber garantiert nicht nach Europa

Liebe Klubführung von Hannover 96, ich habe verstanden! Nach fast 35 Jahren als 96-Fan und langjähriger Mitgliedschaft fühle ich mich als Teil von Hannover 96 und möchte mich daher vom offenen Brief der Vereinsführung distanzieren! Nach den ersten Sätzen hatte ich die Hoffnung, dass die Vereinsführung tatsächlich einen Schritt auf die Fans zugehen möchte. Leider musste ich im weiteren Verlauf feststellen, dass – abgesehen von der Kenntnisnahme der miesen Stimmung – nur sehr wenig verstanden wurde.

Es wird auch in vielen Jahren nicht gelingen, eine halbwegs passable Stimmung im Stadion zu schaffen, ohne dass man auf die „Ehemaligen“ unter dem Dachverband der Roten Kurve zugeht. Wie sollen „sich neue Gruppen finden“? Wie soll die Unterstützung – Zitat: „Und für diese Anhänger werden wir werben und diese unterstützen. Hand drauf!“ – konkret aussehen? Sollen wir auf der Westtribüne Lieder singen – und ihr haltet uns im Osten die Noten hoch? Wer ist der Ansprechpartner, wer legt hier seine „Hand drauf“? Hier ein Vorschlag, wie echte Unterstützung aussehen könnte. Wie wär’s, wenn ihr dafür sorgt, dass …

  • … eine Mannschaft auf dem Platz steht, die Unterstützung verdient und nicht nur ein lebloser Haufen ohne jede Spielidee ist.
  • … ein Trainer an der Seite steht, der jedem Spieler eine faire Chance gibt und nicht stur auf zugekaufte Kicker unter Regionalliganiveau setzt.
  • … ein Manager da ist, der ab und zu einen guten Transfer landet und sich nicht nach Übersee verdrückt, wenn es mal brenzlig wird.
  • … ein Präsident nicht gleich lospoltert, wenn er einen „Bild“-Journalisten aus der Ferne erspäht, und der mal einen Blick über seinen „Osttribünen-Tellerrand“ wagt.
  • … die gesamte Vereinsführung versteht (!), dass man eine über Jahrzehnte gewachsene Fankultur nicht einfach austauschen und am nächsten Kiosk nachkaufen kann!

Aktuell sehe ich von diesen fünf Punkten leider keinen erfüllt und habe verstanden, dass ihr nichts verstanden habt! Den Fans ist es egal, ob die Bayern kommen oder ob es gegen Fortuna Hoppenstedt geht – Kunden kommen wegen Bayern & Co., Fans gehen ins Stadion wegen 96! Hier muss doch eine Balance zu finden sein; ganz ohne Fans führt der Weg überallhin, aber garantiert nicht nach Europa!

PS: Wollen wir zusammen hoffen, dass uns der letzte Absatz des Briefes („andere Traditionsvereine in unteren Ligen wären froh …“) nicht irgendwann um die Ohren fliegt. Zum einen sind wir nicht weit von einer unteren Liga entfernt, zum anderen dürfte es schwerfallen, in den Ligen 2 bis 4 einen Verein zu finden, der mit dem von Hannover 96 aktuell angebotenen Fußball-Gesamtpaket tauschen möchte.

Michael Seibert aus Hannover

Eher Leichenschauhaus denn Fußballstadion

Mich erinnert der offene Brief eher an eine Todesanzeige als an einen Aufruf zur Wiedergeburt. Ich kenne frühere Jahre, da war die Stimmung im Stadion recht mau und man blickte neidvoll nach Dortmund. Nach und nach legte sich das aber und fand seinen Höhepunkt in der Saison vor der Europapokal-Teilnahme und entsprechend auch in den nächsten Spielzeiten. Das Temperament wurde in Hannover nicht gerade erfunden, und ich gehe davon aus, dass ohne das Zutun der verschiedenen Ultra-Bewegungen diese damals wirklich gute Stimmung nie zustande gekommen wäre.

Geschichtlich gesehen ist der Fußballsport eher etwas für Underdogs und nicht für die Upper-Class. In der letzten Zeit wurde etwa durch Preiserhöhungen und die Integration des VIP-Bereiches eine Umgliederung der Besucher vorgenommen. Das Problem ist nur, dass mit Nadelstreifen keine Spiele gewonnen werden. Genau hier setzt die Borniertheit der Klubführung ein. Ohne die Ultras verherrlichen zu wollen: Warum wurden sie so vehement aus dem Stadion geekelt? Die logische Folge war, dass sie die Spiele der 1. Mannschaft von 96 mieden. Genau das aber brachte eine Stimmung, die eher an ein Leichenschauhaus erinnerte denn an ein Fußballstadion.

Mich erinnert der Inhalt des Briefes an den Sachverhalt, dass jemand einem Huhn den Kopf abschlägt und sich morgens wundert, dass er kein frisches Frühstücksei bekommt. Martin Kind möchte den Modellfan neu erfinden, der die reservierten Besucher auf der Westtribüne genauso mitreißt wie die High Society auf der Osttribüne. Das Problem ist nur, dass das „Projekt“ scheitern wird. So sehr es Herrn Kind gelungen ist, aus einem hochverschuldeten Verein ein florierendes Unternehmen zu machen, so sehr muss man ihm vorwerfen, dass er sich mit persönlicher Eitelkeit als Stimmungskiller auf den Rängen verdient gemacht hat.

Ulrich Tunisch aus Hannover

Einseitige Berichterstattung nicht erwünscht

Ich habe nur eine Bitte an Sie: Können Sie im Fanzwist das Wort „Ultras“ durch „aktive Fanszene“ ersetzen? Sie scheinen immer noch nicht verstanden zu haben, dass dieses kein Problem mit 200 Ultras ist, sondern dass es sich um eine komplette Fanszene dreht. Dazu gehören etwa 2000 Menschen, die keine Lust auf Gewalt und Pyrotechnik haben, sondern einfach nur einen Club über alles lieb(t)en. Ich fahre seit 1996 regelmäßig zu allen Auswärtsspielen, habe mir noch nie etwas zuschulden kommen lassen – und leide trotzdem unter der Sippenhaft, da ich auch immer im Gästeblock bin. Ich wünsche mir eine nicht nur einseitig kritische Berichterstattung.

 Christoph Ege aus Hannover

Veröffentlichungen in dieser Rubrik sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Damit möglichst viele Leser zu Wort kommen, müssen wir Leserbriefe gelegentlich kürzen. Bei allen Einsendungen bitten wir um Angabe der vollständigen Absender­adresse.

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