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Hannover 96 Eine rätselhafte Mannschaft
Sportbuzzer Hannover 96 Eine rätselhafte Mannschaft
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00:37 01.11.2014
Ratloses Trio: Ceyhun Gülselam, Leonardo Bittencourt und Felipe (von links) nach dem Schlusspfiff in Aalen.
Ratloses Trio: Ceyhun Gülselam, Leonardo Bittencourt und Felipe (von links) nach dem Schlusspfiff in Aalen. Quelle: imago
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Aalen

Ron-Robert Zieler war sauer. Richtig sauer sogar. Und diesem Gefühl ließ der Torhüter von Hannover 96 nach dem peinlichen Pokalaus durch die 0:2-Niederlage beim abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten VfR Aalen auch freien Lauf. Der Nationaltorwart war wie schon drei Tage zuvor beim überraschenden 1:0-Sieg in der Bundesliga bei Borussia Dortmund der stärkste 96er gewesen. Doch im Gegensatz zum Sonnabend ließen sich seine Vorderleute am Dienstagabend am Rande der Schwäbischen Alb nicht von der Leistung ihres Schlussmannes mitreißen, der entsprechend bedient war.

„Es ist extrem frustrierend, schon wieder so früh aus dem Pokal ausgeschieden zu sein“, sagte Zieler. „Und es ist schade, dass die ganze Euphorie vom Dortmund-Spiel schon wieder zunichte gemacht wurde.“ Tatsächlich geben neben dem erneuten frühen Aus im Pokalwettbewerb, in dem die „Roten“ in den vergangenen acht Jahren nur einmal die 2. Runde überstanden haben, vor allem die Nachwirkungen für die Bundesliga zu denken. Der Überraschungserfolg in Dortmund hatte eine drei Spiele andauernde Niederlagenserie beendet, in der 96 gegen den VfB Stuttgart (0:1), Bayern München (0:4) und Borussia Mönchengladbach (0:3) nicht nur ohne Punkt, sondern auch ohne erzieltes Tor geblieben war. Doch die erhoffte Sogwirkung blieb aus. Auch in Aalen präsentierten sich die Hannoveraner wieder ähnlich ungefährlich und ideenlos wie schon in den Wochen zuvor. „Wir wollten den Schwung mitnehmen, aber so haben wir uns schon auch etwas kaputt gemacht“, gestand der sichtlich ernüchterte Trainer Tayfun Korkut ein.

Dass sich die Mannschaft dennoch durch einen Heimsieg am Sonnabend (15.30 Uhr) über Eintracht Frankfurt im oberen Drittel der Bundesligatabelle festbeißen könnte, gehört zu den Kuriositäten des bisherigen Saisonverlaufs. Und zugleich diente diese Tatsache den Verantwortlichen auch ein bisschen als Rettungsring angesichts der erschreckend schwachen Leistung ihrer Mannschaft, die gegen einen keineswegs starken Zweitligisten nach ordentlichem Start sang- und klanglos untergegangen war. „Wenn wir die letzten zwei Spiele vor der Länderspielpause positiv bestreiten“, sagte Sportdirektor Dirk Dufner mit Blick auf die Aufgaben gegen Frankfurt und sechs Tage danach bei Hertha BSC Berlin, „dann stehen wir in der Liga sehr gut da.“ Und Korkut fügte ausdrücklich hinzu, dass er von seiner Mannschaft jetzt eine Wiedergutmachung erwartet.

Doch daran zu glauben fällt nach dem Auftritt in Aalen ziemlich schwer. „Es ist alles zusammengebrochen wie ein Kartenhaus“, sagte Dufner, der wie der restlos bediente Klubchef Martin Kind („Ich bin fast sprachlos“) in aller Offenheit die Einstellung und damit auch ein Stück weit den Charakter der Mannschaft infrage stellte. Und dass er erwarte, dass die Mannschaft gegen Frankfurt „wieder ein anderes Gesicht“ zeige, um sich dort „den Schwung“ wiederzuholen, darf man durchaus als leise Drohung des Sportdirektors in Richtung der Spieler verstehen.

So blieb als einziger kleiner Hoffnungsschimmer an einem aus 96-Sicht völlig verkorksten Pokalabend die Rückkehr von Edgar Prib. Der Mittelfeldspieler, der nach seinem starken Auftritt im ersten Saisonspiel gegen Schalke 04 (2:1) neuneinhalb Wochen lang wegen einer Meniskusverletzung im rechten Knie ausgefallen war, zeigte nach seiner Einwechslung in der 57. Minute zumindest Einsatz und Siegeswillen. Und damit etwas, das in Aalen nicht allzu viele 96-Profis zu bieten hatten.

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