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Hannover 96 „Beide Seiten müssen Abmachungen ernst nehmen“
Sportbuzzer Hannover 96 „Beide Seiten müssen Abmachungen ernst nehmen“
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18:27 20.04.2015
Von Norbert Fettback
Fanforscher Gunter A. Pilz.
Fanforscher Gunter A. Pilz. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Herr Pilz, der harte Kern der aktiven Fanszene will zum 96-Spiel gegen Hoffenheim ins Stadion zurückkehren. Überrascht Sie diese Entwicklung?

So schnell hätte ich damit nicht gerechnet. Beide Seiten haben einen wichtigen Schritt aufeinander zu gemacht und Fehler zugegeben. Anscheinend haben alle begriffen, dass es nicht zum Segen des Vereins ist, wenn man so weitermacht wie bisher. Das stimmt mich sehr zuversichtlich.

Sind mit der Entschuldigung seitens Hannover 96 die Gräben zugeschüttet?

Das wird die Zukunft zeigen. Mit einer Erklärung allein lässt sich dieser Konflikt grundsätzlich nicht beilegen. Das, was darin steht, muss von beiden Seiten mit Leben gefüllt werden. Man darf in dem Zusammenhang auch nicht vergessen, dass jeder Bundesligaclub dazu verpflichtet ist, mit seinen Anhängern auf transparente Weise im Dialog zu stehen.

Die 96-Clubverantwortlichen haben eine Reihe von Zugeständnissen gemacht. Hätte das schon früher passieren müssen?

Schuldzuweisungen im Nachhinein sind nicht sinnvoll. Beide Seiten haben bekannt, dass sie Fehler gemacht haben. Wenn man aus Fehlern klug wird, ist es gut. Zugeständnisse sind ein wichtiger Vertrauensvorschuss, der jetzt gerechtfertigt werden muss.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Vereinbarung und der dramatischen sportlichen Situation der „Roten“?

Die Stimmung im Stadion war zuletzt nicht gerade förderlich für die Mannschaftsleistung. In den kommenden schweren Spielen könnte dies ein doppelter Segen sein, damit 96 auch mithilfe einer lebendigen, stimmungsgewaltigen Fankurve den Verbleib in der Bundesliga schafft.

Ein Teil der aktiven Fanszene, wozu nicht zuletzt die Ultras gehören, hat Martin Kind als Hauptschuldigen am Konflikt ausgemacht. Wie beurteilen Sie Rolle und Auftreten des Clubchefs in dieser Sache?

Schuld waren beide Seiten. Gäbe es den Geschäftsmann Martin Kind nicht, gäbe es 96 nicht mehr. Auf der anderen Seite sagt er selbst, er sei ein Einzelkämpfer und kein Teamplayer, der auch mal bauchgesteuert reagiert. Da ist nicht alles gut. Ich würde mir wünschen, dass er sich künftig aus diesem Themenkreis mehr heraushält. Er sollte sich auf das konzentrieren, wo er unschlagbar ist: auf das Wirtschaftliche und das Finanzielle.

In der Erklärung spricht 96 von einem Neubeginn. Wie belastbar ist die Absicht, es noch mal miteinander zu versuchen?

Das ist keine Einbahnstraße. Beide Seiten müssen sich an die Abmachungen halten und sie ernst nehmen. Wenn die Ultras zugeben, bei Pyrotechnik einen Fehler gemacht zu haben, dann aber beim nächsten Heimspiel wieder zündeln, dann wäre die Belastbarkeit eingeschränkt. Mit einer solchen Erklärung sind nicht alle Konflikte vom Tisch – wichtig ist zu wissen, dass es auch künftig das eine oder andere Fehlverhalten geben wird. In solchen Fällen braucht man einen langen Atem und darf nicht gleich sagen: Das macht ja doch keinen Sinn.

Sind Sie auch um Rat gefragt worden, als es um die Beendigung des Konflikts ging?

Selbst bin ich mit Martin Kind mal immer wieder im Gespräch. Zu dieser Geschichte bin ich nicht gefragt worden. Aber das ist auch nicht wichtig. Da ist in erster Linie der Verein gefragt. Meine Mitarbeiter der KoFaS (Kompetenzgruppe „Fankulturen und sportbezogene Soziale Arbeit“, d. Red.) an der Universität Hannover haben für Hannover 96 eine Situationssondierung der Rahmenbedingungen für einen Dialogentwicklungsprozess vorgenommen, in die auch organisierte Fans einbezogen waren, und entsprechende Empfehlungen gegeben. Ich denke, dass die eine oder andere dazu beigetragen hat, dass Verein und Fanszene jetzt aufeinander zu gegangen sind.

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