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Hannover 96 Stolzer Spanier mit schlechter Laune
Sportbuzzer Hannover 96 Stolzer Spanier mit schlechter Laune
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00:19 14.03.2015
Von Heiko Rehberg
Foto: An Stürmer Joselu läuft das hannoversche Offensivspiel derzeit vorbei.
An Stürmer Joselu läuft das hannoversche Offensivspiel derzeit vorbei. Quelle: Petrow
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Hannover

Normalerweise ist Joselu ein Spaßvogel. Und normalerweise ein Torjäger, abzulesen an sieben Treffern für den Fußball-Bundesligisten Hannover 96 in der Hinrunde. Weil aber Joselu gerade kein Torjäger ist, hat er auch dem Spaßvogel freigegeben. Man konnte das am vergangenen Spieltag bei der 1:3-Niederlage gegen Bayern München nach seiner Einwechslung sehen – und in den vergangenen Tagen beim Training. José Luis Sanmartin Mato, genannt Joselu, hat schlechte Laune.

In allen 24 Spielen war Joselu diese Saison dabei, genau wie Torwart Ron-Robert Zieler und Verteidiger Marcelo. 23-mal stand er in der Startformation, nur dreimal wurde er ausgewechselt. Gegen die Bayern saß er zum ersten Mal beim Anpfiff auf der Ersatzbank, ausgerechnet gegen die Bayern und bei einem Spiel, bei dem die ganze Liga etwas genauer nach Hannover schaut. Joselu ist nämlich nicht nur Torjäger und Spaßmacher, sondern zuallererst auch ein stolzer Spanier. Und als solcher tut er sich schwer mit einer Nebenrolle im Hauptfilm. Und mit öffentlicher Kritik.

Für die 49.000 Zuschauer war die Joselu-Personalie die größte Überraschung in der Aufstellung von 96-Trainer Tayfun Korkut. Für Sportdirektor Dirk Dufner kam das dagegen alles andere als unerwartet. „Jeder muss beweisen, dass er der Mannschaft weiterhilft“, sagte er, „damit hat sich Joselu zuletzt schwergetan.“

Wenn ein Sportdirektor einen solchen Satz sagt, dann ahnt man: Er und der Trainer haben alle anderen Möglichkeiten des Wachrüttelns vorher ausgeschöpft. Korkut hatte Joselu nach dessen verschossenen Elfmeter bei der 1:2-Niederlage in Hamburg und vergebenen Torchancen in anderen Rückrundenspielen wiederholt in Schutz genommen.

Doch weil sich zuletzt beim 1:1 gegen den VfB Stuttgart eine gewisse Lustlosigkeit in Joselus Spiel eingeschlichen hatte, sah sich auch Korkut gezwungen, dem 24-Jährigen einen Denkzettel zu verpassen.

Sobiech hat nicht die Klasse von Joselu

„Wir erwarten mehr von Joselu“, sagte Dufner. Der Stürmer war sein „Königstransfer“, 5 Millionen Euro Ablösesumme hatte Hannover 96 zuvor noch nie für einen Profi bezahlt. Dass Joselu natürlich viel mehr kann, ist unstrittig. Wo aber sind seine Spiellaune und sein Torinstinkt – in der Rückrunde steht bislang lediglich ein Tor beim 1:1 in Köln in seiner Bilanz – geblieben?

Auch bei 1899 Hoffenheim und Eintracht Frankfurt hatte Joselu Phasen, in denen sein Hang, schnell die Lust zu verlieren, seine spielerische Klasse verdrängte. Man sieht das auch im 96-Trikot: Verliert er die ersten Zweikämpfe, pfeift der Schiedsrichter einen Freistoß nicht, den er gerne haben möchte, kommen Pässe seiner Mitspieler nicht an, dann lässt sich dieser großartige Kicker aus der Bahn werfen. Läuft es dagegen bei der Mannschaft, dann entdeckt auch Joselu seine Lust am Spiel und lässt sich mitnehmen.

Spannend wird sein, was Korkut am Sonntag in der Auswärtsbegegnung bei Borussia Mönchengladbach macht. War es wirklich nur ein Denkzettel, dann wird Joselu in die 96-Startelf zurückkehren. Artur Sobiech hat ihn gegen die Bayern mit viel Einsatz vertreten, aber in Sachen Technik und Schnelligkeit hat er nicht die Klasse eines Joselu.

Eine Klasse, die für 96 eine Art Lebensversicherung im Abstiegskampf sein könnte. Joselu, der stolze Spanier, muss sie nur wieder zeigen.

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