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Hannover 96 Zwei Treffer mitten ins 96-Herz
Sportbuzzer Hannover 96 Zwei Treffer mitten ins 96-Herz
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00:22 29.04.2015
Von Jörg Grußendorf
Foto: Es muss weitergehen: Trainer Frontzeck am Sonntag beim Training.
Es muss weitergehen: Trainer Frontzeck am Sonntag beim Training. Quelle: Petrow
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Hannover

Oh weh, die 2. Liga rückt immer näher. Dabei schien es einen klitzekleinen Moment lang so, als kehre das Glück zurück zu den „Roten“. Der Ball landete am Innenpfosten, prallte dort ab, flog circa zehn Zentimeter parallel zur 96-Torlinie und landete im Toraus. Endlich überstanden die Hannoveraner solch eine Phase mal unbeschadet. Es lief die 33. Spielminute, es stand 1:1 gegen 1899 Hoffenheim – und die so geplagten 96er übernahmen immer mehr die Kontrolle.
Was sollte jetzt noch passieren? Besonders nach dem Start in dieses Spiel, der nicht schlimmer hätte kommen können. Mitten in die neue Aufbruchstimmung war nach nicht einmal einer Minute das 1:0 für die Hoffenheimer geplatzt. Ein klares Abseitstor schien frühzeitig alles Neue, alle guten Vorsätze, zunichte zu machen.

Dann folgte diese 33. Minute. Jetzt geht es endgültig wieder bergauf. Dachte man zumindest. Doch wie so oft in den vergangenen Wochen und Monaten sollte der nächste Tiefschlag bald folgen. Es setzte wieder einmal ein spätes Gegentor. Und das hat schlimme Auswirkungen: Die Abstiegsangst der „Roten“ wird durch das 1:2 gegen Hoffenheim immer größer – die Montagabendspiele rücken näher, und die Chancen, den Abwärtstrend zu stoppen, werden immer weniger. Nur noch vier Spiele ...

Dieses ernüchternde Ergebnis passte überhaupt nicht. Denn dieses Spiel sollte die Wende zum Besseren bringen. Auf dieses Spiel hatten sich alle und alles bei 96 fokussiert. Alle, Mannschaft, Fans und Vorstand, waren zusammengerückt; der neue Trainer Michael Frontzeck hatte in den wenigen Tagen, die er hier ist, akribisch an einem neuen Wir-Gefühl im Kader gearbeitet. Er schickte eine stark veränderte Mannschaft aufs Feld, die eine ganz andere Einstellung zeigte als in den Vorwochen. Die Stimmung war nach der Rückkehr der Ultras nahezu genial. „Es hat wehgetan ohne sie. Wir haben sie vermisst“, sagte 96-Profi Leon Andreasen. Die Fans, beileibe nicht nur die Ultras, hatten die Mannschaft schier nach vorn geschrien – und dann das. Dieses 1:2 hat noch größere Wirkung als ein Tiefschlag.

„Der Glaube ist ungebrochen“, sagte Trainer Frontzeck. „Ich bin frohen Mutes, dass wir in der Liga bleiben.“ Das hoffen zumindest alle in und um Hannover. Und dann sprach er aus, was wohl alle in der HDI-Arena auch bestätigten: „Ich glaube nicht, dass wir verdient verloren haben.“ Das hat seine Mannschaft mit Sicherheit nicht, aber auch für diesen Auftritt gibt es keine Punkte, und die sind das Einzige, was in dieser sich zuspitzenden Situation zählt.
Dabei hatte sich 96 ganz anders präsentiert als mittlerweile gewohnt. Es herrschte eine andere Körpersprache bei den Spielern. Es war fast allen anzumerken, dass sie endlich(!) bereit sind, sich mit aller Vehemenz gegen den drohenden Absturz zu wehren. Es wurde kein Ball verloren gegeben, die Spieler warfen sich in die Zweikämpfe, steckten das frühe und schlimme 0:1 nach einigem Schütteln weg. 96 war die überlegene Mannschaft – und stolperte am Ende wieder über einen unglaublichen individuellen Fehler. Diesmal war es Miiko Albornoz, der im entscheidenden Moment patzte. Er verlor ein von ihm höchst halbherzig geführtes Duell mit Adam Szalai. Der 1899-Stürmer zog locker an ihm vorbei, flankte – und Sven Schipplock sorgte für Katzenjammer bei den „Roten“. Er traf sie mitten ins Herz.

Frontzeck hatte seine Mannschaft unmittelbar nach dem Schlusspfiff im Kreis versammelt. „Das ist kein Grund, den Kopf zu senken“, verkündete er seinen Spielern. Die Zuschauer feierten das Team frenetisch. Dieses Miteinander gab es lange nicht. „Diesen Weg müssen wir weitergehen“, sagte Frontzeck.

Unterm Strich aber bleiben das 14. Spiel in Folge ohne Sieg, noch größere Selbstzweifel und Platz 15. Einen Punkt vor dem Relegationsrang, einen vor Platz 17, dem ersten Abstiegsrang. In den nächsten Wochen muss 96 noch um einiges zulegen, und das Glück darf nicht nur kurzzeitig zurückkehren. Sonst ...

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