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Hannover 96 96 holt sich Geldstrafen von Fans zurück
Sportbuzzer Hannover 96 96 holt sich Geldstrafen von Fans zurück
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00:15 27.01.2014
Von Michael Zgoll
Einer der beiden Beschuldigten mit seinem Anwalt vor Gericht. Quelle: Hagemann
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Hannover

Zwei Fußballrowdys müssen nach Ausschreitungen bei einem Europa-League-Spiel in Kopenhagen vor zwei Jahren insgesamt 8500 Euro an Hannover 96 zahlen. Das ist das Ergebnis eines Zivilprozesses am Landgericht Hannover, den der Bundesligaverein angestrengt hatte. Der Klub hatte von den beiden jungen Männern sogar 15.000 Euro Schadenersatz gefordert – jene Summe, die der europäische Fußballverband UEFA dem Verein wegen des unsportlichen Verhaltens etlicher Fans aufgedrückt hatte.

Die beiden Männer waren beim Auswärtsspiel von 96 in Kopenhagen aus der Rolle gefallen. Ein 27-Jähriger aus der Region Hannover muss nun 6000 Euro Schadenersatz leisten, weil er bei dem Spiel im November 2011 ein bengalisches Feuer entzündet und in die Zuschauerränge geworfen hatte. Ein 22-Jähriger erklärte sich nach gutem Zureden bereit, 2500 Euro zu berappen – er war kurz vor Spielende auf den Platz gelaufen.

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Zu dem für die beiden Beklagten so teuren Vergleich kam es nicht von ungefähr: Peter Bordt, Vorsitzender Richter der 9. Zivilkammer, hatte früh signalisiert, dass er an der Schuld der Männer keinen Zweifel hege. Auf juristische Streitereien – ob etwa dänisches Recht gelten müsse oder ob 96 überhaupt zum Weiterreichen der Geldbuße berechtigt sei – ließ sich die Kammer nicht ein. Sie verwies schlicht auf Paragraf 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches, in dem es heißt: „Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersatz des Schadens verpflichtet.“

Auf einem Videofilm, der im Gerichtssaal gezeigt wurde, war die Bengalo-Attacke des 27-Jährigen bestens zu erkennen. Nach einem Tor für die Niedersachsen, die das Spiel in Kopenhagen mit 2:1 gewannen, zog der stark alkoholisierte Mann den Feuerwerkskörper aus seiner Jacke, zündete ihn, hielt die grell leuchtende Fackel noch ein paar Sekunden in der Hand und schleuderte sie dann weg. Das Wurfgeschoss, mehr als 2000 Grad heiß, landete nur wenige Zentimeter vor den Füßen von Zuschauern im Unterrang. Anschließend beschimpften mehrere Fans aus Hannover, die diese Aktion nicht billigten, den Werfer. Aufgrund der Hinweise von 96-Anhängern wurde der Täter schließlich auch festgenommen. 22 Bengalo-Feuer und vier Fackelwürfe registrierte die UEFA an jenem Abend im 96-Block, doch nur der 27-Jährige konnte dingfest gemacht werden. Die 6000 Euro, die der Täter nun zahlen muss, kann er in Monatsraten von 100 Euro abstottern – das wird fünf Jahre dauern.

Mit 2500 Euro kam der sogenannte Flitzer deutlich günstiger davon. Der ebenfalls angetrunkene Mann war auf den Platz gelaufen, 15 Meter neben der Außenlinie stehengeblieben und hatte sich schließlich von einem Ordner vom Spielfeld ziehen lassen. Den Vorschlag des Polsterers aus Garbsen, die Strafe als Ordner beim Bundesligisten abzuarbeiten, kommentierte 96-Anwalt Joachim Rudo mit dem Satz: „Wir wollen doch nicht den Bock zum Gärtner machen.“ Zusätzlich musste der 22-Jährige in Dänemark auch noch ein Bußgeld in Höhe von 1350 Euro zahlen.

Nach Angaben von Rudo hat 96 schon mehrfach von unliebsamen Zuschauern Geldbußen im vierstelligen Bereich eingetrieben, die der Verein nach Ausschreitungen an den DFB zahlen musste. Meist werden diese Schadenersatzforderungen außergerichtlich geklärt. Die gestern erzielten 6000 Euro stellen den bislang höchsten Einzelbetrag dar. 96-Verwaltungsleiter Björn Bremer zeigte sich mit dem Ergebnis des Vergleichs „vollumfänglich zufrieden“: Jeder Krawallmacher solle wissen, dass er auch zivilrechtlich belangt werden könne. Eine wichtige Rolle wird dabei künftig die rund 300.000 Euro teure neue Videoüberwachung in der HDI-Arena spielen. „Es gibt jetzt so gute Bilder, dass man trotz Vermummung und Pyrotechnik Personen erkennen kann“, sagte 96-Klubchef Martin Kind.

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