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Hannover 96 Sehnsucht nach dem „Diamantenauge“
Sportbuzzer Hannover 96 Sehnsucht nach dem „Diamantenauge“
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00:22 27.03.2015
Von Heiko Rehberg
Manager auf Abruf? Dirk Dufner hat das Vertrauen von 96-Clubchef Martin Kind verloren.   Foto: Treblin
Manager auf Abruf? Dirk Dufner hat das Vertrauen von 96-Clubchef Martin Kind verloren. Quelle: Nigel Treblin
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„Bei Hannover 96 anzufangen ist etwas Großartiges für mich.“ Der Satz stammt aus dem April 2013 und ist von Dirk Dufner, der ein paar Stunden zuvor einen Dreijahresvertrag als neuer Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten unterschrieben hatte. Knapp zwei Jahre später ist aus dem großartigen Job ein Krisenjob geworden. Zum zweiten Mal hintereinander befindet sich Hannover 96 in einer Saison in Abstiegsgefahr, und anders als vor einem Jahr geht es diesmal nicht nur um Trainer Tayfun Korkut, sondern auch um die Rolle von Dufner.

Ob Korkut eine Zukunft bei 96 hat, wird von den nächsten beiden Spielen bei Eintracht Frankfurt (4. April) und gegen Hertha BSC (10. April) abhängen. Dufners Zeit dagegen scheint unabhängig von Siegen, die die „Roten“ dringend brauchen, abzulaufen. „Zum Saisonende gilt die Trennung als sicher“, schrieb am Dienstag die „Neue Presse“. „Dufner muss zittern“, titelte die „Bild“-Zeitung. Für das Fachmagazin „kicker“ ist der 47-Jährige ein „Manager auf Abruf“.

Ausgerechnet in einer schwierigen sportlichen Situation fehlt dem Verein das, was er jetzt brauchen könnte wie Punkte: ein starker Manager.

96 und seine Manager – eine Leidensgeschichte

Es ist ja einer der größten Irrtümer des Bundesligageschäfts, dass der Trainer der wichtigste Mann ist. Natürlich macht es einen Unterschied, ob der Trainer Pep Guardiola oder Joe Zinnbauer heißt, um ein Beispiel fern von 96 zu nehmen. Dauerhaft Erfolg haben aber nur Clubs, die einen kompetenten und einflussreichen Manager besitzen, der die sportliche Entwicklung und Ausrichtung einer Mannschaft mit Transfers lenkt.

96 und seine Manager: Das war in der Vergangenheit in den meisten Fällen eine Leidensgeschichte voller Missverständnisse und Fehlgriffe - und zwar bereits vor der Ära von Clubchef Martin Kind. Aber auch Kind lag dramatisch oft daneben bei der Managerwahl. Mal fehlte der wirtschaftliche Durchblick (Franz Gerber), mal das Engagement (Thomas von Heesen), bei Wolfgang Levin oder Ricardo Moar musste man sich fragen, wie ein Verein ernsthaft auf solche Ideen kommen konnte.

Es ist heute schwer zu sagen, ob 96 sportlich besser dastehen würde, wenn der Sportdirektor noch Jörg Schmadtke hieße, Kinds Glücksgriff im Jahr 2009. Doch unstrittig ist, dass der Verein einen wie Schmadtke, den der „kicker“ in seiner jüngsten Ausgabe wegen seines glücklichen Händchens für gute Transfers als „Diamantenauge“ adelte, gut gebrauchen könnte.

Schmadtke ging freiwillig

Kind hätte sich vor zwei Jahren entscheiden müssen zwischen Trainer Mirko Slomka und Schmadtke, deren Zusammenarbeit nicht mehr funktionierte. Er tat es nicht - und musste zusehen, wie der beste Manager der Vereinsgeschichte von sich aus ging. Von diesem Fehler hat sich Hannover 96 bis heute nicht erholt.

Schmadtkes Nachfolger Dufner wurde von Kind bei dessen Vorstellung als „entscheidungsfähig, sehr selbstbewusst und mit starker Persönlichkeit“ beschrieben. Doch wirklich zu entscheiden hat Dufner nichts mehr, wie es aus dem Club-umfeld heißt.

Sollte 96-Kapitän Lars Stindl diese oder nächste Woche seinen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach bekannt geben, stünde Dufner blamiert da, denn im Trainingslager in der Türkei hatte er signalisiert, die wichtigste Spielerpersonalie im Griff zu haben. „Ich kann deutlich sagen, dass 96 große Chancen hat, dass der Lars bleibt.“ Diesen Satz wird Kind seinem Sportdirektor um die Ohren hauen, wenn Stindl geht. Zumal Kind ohnehin nicht gut auf den Mann mit Juraabschluss zu sprechen ist. Nach dem umstrittenen offenen Brief von 96 an die Fans hatte sich Dufner öffentlich davon distanziert. Unterschrieben war der Brief aber von der Clubführung - und zu der zählt der Sportdirektor. Dufner distanzierte sich quasi von sich selbst - ein bemerkenswertes Kunststück.

Der Bezahlfernsehsender „Sky“ hat mit dem scheidenden DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig und dem früheren HSV-Manager Oliver Kreuzer bereits Nachfolgekandidaten ins Gespräch gebracht. Rettig genießt einen glänzenden Ruf und wäre mit Blick auf die Zeit nach Kinds Ausscheiden aus dem operativen Geschäft ein interessanter Mann für 96. Bei Kreuzer dagegen müssen sich die „Sky“-Reporter einen vorgezogenen Aprilscherz erlaubt haben ...

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