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Hannover 96 „Rotes“ Herz, was willst du mehr?
Sportbuzzer Hannover 96 „Rotes“ Herz, was willst du mehr?
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22:03 20.01.2012
Foto: Erfolgsgarant: Mit seinen Toren hält Mohammed Abdellaoue Hannover 96 in der Bundesliga und in der Europa League auf Kurs. dpa, zur Nieden (3)
Erfolgsgarant: Mit seinen Toren hält Mohammed Abdellaoue Hannover 96 in der Bundesliga und in der Europa League auf Kurs. dpa, zur Nieden (3) Quelle: dpa
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Hannover

Geht’s noch einmal so toll wie 2011? Im abgelaufenen Kalenderjahr waren die „Roten“ saisonübergreifend in der Bundesliga das beste Team im Norden und erreichten 52 Punkte. Werder Bremen kam als Zweiter auf 51, der laut Liga-Folklore „große“ HSV aus Hamburg blieb zwölf Punkte hinter dem „kleinen“ aus Hannover, der Abstand des VfL Wolfsburg betrug gar 13 Zähler.
Was tun, damit die Rangfolge so bleibt? Elf Vorschläge für gute Vorsätze zum Rückrundestart.

1. Auswärts zulegen! In der Statistik, die nur Bundesligaspiele in der Fremde wertet, ist 96 auf Platz 15 mit sechs Punkten und nur sechs erzielten Toren. In einer 2. Halbzeit haben die „Roten“ auswärts noch gar nicht getroffen. Das ist schwach. Dabei haben sie in den Europa-League-Spielen in Kopenhagen und gegen Worskla Poltawa bewiesen, dass sie’s können.

2. Weniger Unentschieden! Zusammen mit Hertha BSC Berlin sind die „Roten“ bislang Remis-König der Liga. Achtmal nur einen Punkt, das ist zu wenig. Zumal 96 viermal in Führung lag und noch den Ausgleich hinnehmen musste (zweimal glich 96 aus, zweimal gab’s ein 0:0). Das Problem: Eine knappe Führung verwalten, das können sie nicht gut. Also, bei 1:0 weiter Vollgas geben!

3. Gegen die Großen glänzen! Ein Sieg gegen den FC Bayern oder den Meister BVB bringt auch nicht mehr als einer in Nürnberg oder in Hoffenheim. Doch während „Dreier“ in der Provinz bald vergessen sind, gebären Siege gegen Giganten magische Momente, manchmal sogar Legenden. Bis auf Mönchengladbach hat 96 allem, was in der Tabelle weiter vorne steht, in dieser Saison schon einmal zu Hause Punkte abgenommen. Klappt das auch auswärts (siehe oben) – „rotes“ Herz, was willst du mehr?

4. Europa genießen! Vollgas auf der internationalen Bühne. Trainer Mirko Slomka findet, der nächste Gegner
FC Brügge sei einer „auf Augenhöhe“. Viele 96-Fans, zumal die, die die düsteren Zeiten der Abstiege und des Führungschaos im Klub miterlebt haben, lesen daraus vielleicht einen bedrohlichen Subtext. Auf Augenhöhe tun sich die „Roten“ schwer, als Außenseiter indes (siehe FC Sevilla und beim FC Kopenhagen) beweisen sie Klasse. Egal, wie weit 96 noch kommt, Team und Fans dürfen auf jeden Fall jede Minute im Europapokal genießen.

5. Verletzungsmisere beenden! In der Rückrundenvorbereitung gab es so viele Ausfälle wie selten. 96 rätselt über die Ursache, weder das „Sex-Verhör“ noch der Besuch des offiziellen „Koordinators für Leistungsdiagnostik, Konditionstraining, Prävention und Rehabilitation“, Prof. Jürgen Freiwald, schafften da Abhilfe. Das Ergebnis: Bei 1899 Hoffenheim müssen die „Roten“ heute aufstellungsmäßig improvisieren. Das ist nicht gut, 96 hat eine starke erste Elf, dahinter wird’s dünn.

6. Toptransfers: Sportdirektor Jörg Schmadtke hat zweimal erfolgreich Norweger an die Leine gelegt. Didier Ya Konan (in seiner ersten Saison bei 96) und Mohammed Abdellaoue (in seiner zweiten) sind die Erfolgsgaranten – und haben Schmadtke zudem den Titel „Manager des Jahres“ („11 Freunde“) eingebracht. Mehr davon! Und am liebsten noch einen wie Schlaudraff, obwohl der auf seine Art natürlich einmalig ist. Klappt das, redet garantiert keiner mehr darüber, dass bei den Neuen in dieser Saison außer Christian Pander noch keiner steil geht.

7. Verträge verlängern! Nicht nur an Neuverpflichtungen denken, auch an die zur Verlängerung anstehenden Verträge. Pander wird wohl der Erste sein, der seinen Namen unter ein Papier setzen wird, auf dem weiter oben die Zahl 2014 und eine gefällige Gehaltserhöhung notiert sind. Steve Cherundolo ruft ebenfalls die 2014 auf, das wird spannend. Manuel Schmiedebach, der sich noch ziert, pokert wohl auf die 2015, das ist ein hoher Einsatz (siehe unten).

8. Zieler und Sobiech in EM-Form bringen! Torwart Ron-Robert Zieler für Deutschland und Artur Sobiech für Polen – das sind nach aktuellem Stand die EM-Kandidaten bei 96. Bringt Slomka Zieler und Sobiech in EM-Form, ist das nicht nur gut für die Nationalteams, sondern auch für 96. Für Sobiech gilt dabei auch der gute Vorsatz …

9. Endlich ein Bundesliga-Tor! Das muss der feste Vorsatz für eine ganze Reihe von 96ern sein. Sobiech hat bislang nur gegen Poltawa in der Europa League getroffen, von einem Stürmer wünscht sich das Publikum aber mehr. Das Gleiche gilt auch für Testspieltorjäger Moritz Stoppelkamp und Daniel Royer. Und nicht zuletzt für Schmiedebach, dem die HAZ das auch schon vor einem Jahr auf den Weihnachtswunschzettel geschrieben hat. Wer vom Wechsel zu einem besseren Klub träumt, sollte ein bisschen mehr Torgefahr mitbringen. Andererseits: Kein Tor zu schießen und den auslaufenden Vertrag bei 96 zu verlängern – das klingt auch irgendwie attraktiv.

10. Mehr Contenance! 96-Boss Martin Kind hatte wahrlich nicht unrecht, dass die Zusammenarbeit des Duos Schmadtke/Slomka verbessert werden kann. Sie ist zwar schon okay, aber noch ein bisschen besser geht immer. Indessen waren auch Kinds Verbalgrätschen „für die Galerie“ … na, sagen wir mal: unkonventionell unterhaltsam. Nun haben sich ja alle – zumindest nach den Maßstäben im Profifußball – wieder richtig lieb. Gut so.

11. Ein würdiger Abschied! Altin Lala beendet im Sommer seine Karriere nach unglaublichen 14 Jahren bei den „Roten“ – der müsste vor lauter Nestwärme eigentlich nachts draußen bei Frost noch schwitzen. Als 36-Jähriger noch einmal in der Europa League gegen den Ball zu treten, ist wie so vieles in der Karriere des Albaners nicht selbstverständlich. Noch ein Tor in der Rückrunde? Es wäre sein zweites in der Bundesliga überhaupt und ein großes Geschenk. 96 hat bisher beim Versuch, Spieler in Würde zu verabschieden, noch selten Klasse bewiesen. Es wäre schön, wenn der Klub für Altin einmal über sich selbst hinauswächst.

Volker Wiedersheim und Christian Purbs

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