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Hannover 96 Die Zeit von Tayfun Korkut scheint abgelaufen
Sportbuzzer Hannover 96 Die Zeit von Tayfun Korkut scheint abgelaufen
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00:15 22.04.2015
Von Christian Purbs
Hat am Sonntag das Training der Reservisten geleitet: Tayfun Korkut.
Hat am Sonntag das Training der Reservisten geleitet: Tayfun Korkut. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Als 96-Trainer Tayfun Korkut sich gestern Nachmittag auf den Weg von der HDI-Arena nach Hause machte, deutete nichts darauf hin, dass der 41-Jährige vielleicht seinen letzten Arbeitstag als Coach von Hannover 96 beendet hatte. Am Vormittag hatte er in der Arena das Training mit den Reservespielern geleitet, und auch heute Vormittag soll alles seinen normalen Gang gehen. „Training morgen um 10 Uhr“, sagte Korkut bei seinem Abgang.

Doch so wie immer wird es nach dem 0:4-Debakel in Leverkusen bei den „Roten“ nicht weitergehen. Dafür ist die Lage viel zu kritisch. Vieles spricht deshalb dafür, dass 96 spätestens morgen einen neuen Trainer präsentieren wird. Allerdings scheint die Suche nach einem Nachfolger für den glücklosen Coach nicht einfach zu sein. Hinter den Kulissen suchte 96-Clubchef Martin Kind gestern fieberhaft einen geeigneten Kandidaten. 

Es ist Zeit zum Handeln, denn spätestens das Spiel in Leverkusen hat gezeigt, dass das mutige Experiment mit Korkut gescheitert ist. Was hatte der 41-Jährige bei den Trainingseinheiten und Besprechungen in der vergangenen Woche nicht alles versucht, um seinen Spielern deutlich zu machen, wie ernst die Lage ist. Der leblose Auftritt beim 0:4 lässt keinen anderen Schluss zu, als dass Korkut die Spieler nicht mehr erreicht. Und auch sonst ist unter Korkut vieles falsch gelaufen.

Die Mär vom Zusammenhalt: Wie es um den Teamgeist in der Mannschaft wirklich bestellt ist, zeigte sich in Leverkusen nach dem Abpfiff. Die 96-Profis bildeten einen Kreis, um nach dieser Blamage zumindest den Anschein von Einheit zu demonstrieren.

Doch davon wollte Manuel Schmiedebach nichts wissen. Der Mittelfeldspieler schimpfte mit seinen Kollegen, winkte ab, verließ den Kreis und geriet daraufhin mit Leon Andreasen aneinander, der Schmiedebach zur Rede stellte. Und das alles vor laufenden Kameras. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag gaben die „Roten“ ein erschreckendes Bild ab. Vom Zusammenhalt, von dem Korkut oftmals gesprochen hat und den er von den 96-Profis immer wieder einforderte, war nichts zu sehen. Das Verhalten der Mannschaft lässt darauf schließen, dass der Trainer es nicht geschafft hat, den Profis zu vermitteln, wie wichtig es ist, im Abstiegskampf als geschlossene Gemeinschaft aufzutreten. 

Die gleichen Fehler: Es ist gerade einmal einen Monat her, da war die Stimmung schon einmal so miserabel wie jetzt nach der Pleite in Leverkusen. 96 unterlag damals mit 0:2 bei Borussia Mönchengladbach und hatte dabei nicht den Hauch einer Chance. Gegen die spielstarken Borussen hatte Korkut voll auf Defensive gesetzt und dafür die Quittung bekommen. Doch gelernt scheint der 96-Trainer daraus nichts zu haben. Auch gegen Bayer versuchte er es mit der gleichen Taktik.

Wieder igelte sich sein Team rund um den eigenen Strafraum ein und drosch den Ball einfach nur möglichst weit nach vorne. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Bayer zum Erfolg kommen würde. Einen vernünftigen Spielaufbau gab es nicht, die einzige Torchance hatte Hiroshi Kiyotake in der 84. Minute – beim Stand von 0:4. Wenn etwas einmal gehörig in die Hose geht, warum macht man den gleichen Fehler dann noch einmal? 

Und wenn Korkut von der Qualität seiner Mannschaft überzeugt ist, was er immer wieder betont hat, warum vertraut er ihr dann nicht und lässt sie nicht mutiger spielen? Viel schlimmer als in Gladbach und Leverkusen kann es schließlich nicht werden.

Die Tendenz: 96 ist auch nach dem 29. Spieltag in der Rückrunde noch ohne Sieg und liegt nur aufgrund der Niederlagen von Stuttgart, Paderborn und Hamburg weiterhin auf dem 15. Platz. Im Gegensatz zur Konkurrenz im Kampf um den Klassenerhalt zeigt die Tendenz der „Roten“ jedoch klar in Richtung 
2. Liga. 96 hat zwar alles noch selbst in der Hand, doch mit der Negativserie sind auch berechtigte Zweifel verbunden. Wenn es mit Korkut nicht gelungen ist, in 13 Spielen mehr als fünf Punkte zu sammeln, wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass eine verunsicherte Mannschaft in den verbleibenden fünf Spielen noch zweimal gewinnt und damit die nötigen sechs Punkte holt, die wohl für die Rettung reichen würden? 

Die Sturheit: Mit der Aufstellung von Ceyhun Gülselam in Leverkusen sorgte Korkut nicht zum ersten Mal für Kopfschütteln bei den 96-Fans. Auch das Festhalten an Jimmy Briand und die Beharrlichkeit, mit der er Jan Schlaudraff ignoriert, sind nicht nachvollziehbar. Korkuts Problem: Er kann und will nicht aus seiner Haut. Der 41-Jährige hat Vorstellungen im Kopf, von denen er nicht abweicht. Er wäre nicht der erste Trainer, der von seiner Art, die Dinge anzupacken, so sehr überzeugt ist, dass er die Grenze zur Sturheit überschreitet. Und dafür die Quittung erhält.

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