Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sport lokal Teutonia West Stadthagen: Fußball bei jedem Wetter
Sportbuzzer Sport lokal Teutonia West Stadthagen: Fußball bei jedem Wetter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:24 26.07.2019
Derartige Frisuren trug man nun mal in den neunziger Jahren - zum Beispiel bei Teutonia West, einem Stadthäger Fußball-Thekenteam, das seinen 50. Jahrestag im Visier hat. Quelle: pr.
Stadthagen

In den Ferien geht das so von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Dort dürften an einem Tag mehr Jungs aufgelaufen sein als heute in einem ganzen Jahr. Bevor sie müde und dreckig nach Hause schlichen, gingen sie bei Heini Junker vorbei, dem Höker in der Schachtstraße, um Brause zu süppeln und Schaumerdbeeren zu schnabulieren.

Junge Riege wird richtige Mannschaft: Vom FC Jahnstraße zu Teutonia West

1979, vor 40 Jahren, war die junge Riege dann so weit, dass sie eine richtige Mannschaft, ein seriöser Verein sein wollte, so mit Trikots und eigener Pokalsammlung (wenn auch auf jeden Fall ohne das e.V.). Zunächst trat man unter der – eher unspannenden – Bezeichnung FC Jahnstraße an. Holger Burba, Franz Beutel, Andreas Hartmann, Uwe Becker darf man getrost zu diesen Pionieren des Stadthäger Thekenfußballs zählen, dazu kamen komplette Familien wie der männliche Zweig der Dreschers und der Sonntags sowie die Padbergs.

Irgendwer kam irgendwann auf die Bezeichnung Teutonia, das West ist schon leichter erklärbar: Das Jahnstadion liegt in Stadthagens Westen.

„Eine Stadt spielt Fußball“: Thekenteams im Sportstadion

Gründung und Aufstieg der Teutonen wären nicht möglich gewesen, wenn der FC Stadthagen nicht das Thekenteam-Turnier „Eine Stadt spielt Fußball“ ins Leben gerufen hätte. Zur Hochzeit des Turniers wurde an der Vornhäger Straße (gefühlt) eine kleine Weltmeisterschaft ausgespielt, mit Teams wie Hedwigs Elfe (Hedwigstraße), Rückwärts Heuerßen oder den Roten Krokodilen (Lehrer des Ratsgymmnasiums). Und das mitunter bei vierstelligen Zuschauerzahlen.

Bundesligaspieler und Bürgermeister kommen aus den Reihen von Teutonia

Wie bei allen Fußballmannschaften, die sich als klein, aber oho verstehen, kommt auch bei Teutonia West die Geselligkeit nicht zu kurz. Zu jedem Heiligabend und an jedem Silvester strömten früher bis zu 30 aktuelle wie ehemalige Spieler zur Jahnstraße, um bei jedem Wetter zu spielen und hinterher Glühwein zu trinken. Als Faustregel galt: Besinnlich durfte es an Heiligabend erst werden, wenn man sich vorher nochmal so richtig eingeschlammt hatte. Immer wieder erlagen Jungs der Anziehungskraft von Teutonia West, die sich später einen Namen gemacht haben, wie Detlev Dammeier (Bundesliga) oder Oliver Theiß (Bürgermeister).

Bei Teutonia West war man immer schon stolz auf einen gewissen Unernst, eine leicht ironische Distanz zum großen Fußballbusiness. Nur so konnten Albernheiten entstehen (und sich über Jahre halten) wie „Klotzball“, ausgetragen auf dem Schulhof des Neuen Gymnasiums. Dabei wurde mit einem Tennisball gespielt, als Tor diente die Querseite der steinernen Tischtennisplatte. Mehr Liebe zum (Fuß-)Ball kann man nicht beweisen, als sich beim Klotzball völlig zu verausgaben.

Über vier Jahrzehnte wurde es natürlich weniger mit Teutonia West, so wie es ja auch „Eine Stadt spielt Fußball“ schon lange nicht mehr gibt. Spieler zogen aus Stadthagen weg, heirateten und bekamen Kinder.

Dank eisenhartem Manager: Der Verein lebt noch - und peilt das 50. Jubiläum an

Bei Teutonia freut man sich allerdings über die schlichte Tatsache, dass es die Truppe auch nach 40 Jahren noch gibt. Ein- bis zweimal im Jahr reist man zu Turnieren an. So belegte Teutonia vor zwei Wochen in beim TSV Hespe einen sehr, sehr ehrenvollen achten Platz, umgeben von Teams, deren Kicker im Schnitt halb so alt waren.

Zur Wahrheit über Teutonia West 2019 gehört aber auch, dass es das Team schon lange nicht mehr gäbe, wenn sich nicht mit Mark Rippel ein eisenharter Manager gefunden hätte, der nicht zulässt, dass die Geschichte von Teutonia vor 2029, dem 50. Jahrestag, endet. Mit psychologisch geschickt formulierten Mails, die Zuckerbrot versprechen, aber auch mal die Peitsche andeuten, gelingt es ihm irgendwie immer wieder, eine Mannschaft zusammenzukratzen. Und vielleicht trifft man sich ja auch mal wieder an Silvester?

(Nachtrag: Am Turnier des TSV Hespe haben exakt acht Mannschaften teilgenommen – aber das war ja klar, oder?)

Von Arne Boecker