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Sport 55 Nationalitäten in der 1. und 2. Liga
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00:15 22.03.2015
Von Norbert Fettback
Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius und Stefan Kiefer, Vorstand der Bundesligastiftung, erklären im HAZ-Interview, warum das Thema Integration im Fußball von großer Bedeutung ist.
Niedersachsens Innen- und Sportminister Boris Pistorius und Stefan Kiefer, Vorstand der Bundesligastiftung, erklären im HAZ-Interview, warum das Thema Integration im Fußball von großer Bedeutung ist.
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Wenn am Sonnabend Hannover 96 in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund antritt, werden Fußballer aus nahezu 15 Nationen auf dem Platz stehen. Braucht der Fußball hierzulande überhaupt einen Integrationsspieltag, wie er jetzt von der Bundesliga-Stiftung, dem Profifußball und dem DFB unter dem Motto „Mach einen Strich durch Vorurteile“ veranstaltet wird?

Pistorius: Mit so einer Aktion kann die große Bedeutung des Fußballs für Integration einem sehr großen Kreis von Menschen veranschaulicht werden. Ich bin zum Beispiel im Osnabrücker Arbeiterstadtteil Schinkel groß geworden. Dort wohnten damals auch die ersten Gastarbeiterfamilien – aus Portugal, aus Italien, aus Spanien, aus Griechenland. Wenn uns Kinder etwas verbunden hat, dann war es u.a. das gemeinsame Fußballspielen auf der Straße und im Verein. Daraus sind zum Teil langjährige Freundschaften entstanden. Auch der Fußball lebt davon, dass die Mannschaft zusammensteht. Das vermittelt wichtige Werte, zum Beispiel dass es einfach ist, ein Teil eines Ganzen zu werden, wenn man sich einbringt.

Kiefer: Der Bundesliga-Stiftung und dem gesamten Profifußball ist es seit langer Zeit ein wichtiges Anliegen, sich im Bereich Integration nachhaltig zu engagieren. 1992 mit „Mein Freund ist Ausländer“ oder 2012 mit „Geh Deinen Weg“ hat die Bundesliga schon vergleichbare Aktionen initiiert. Deutschland ist längst ein Einwanderungsland, es ist wichtig, den Menschen, die zu uns kommen, die Hand zu reichen.

Wie ist das Echo bei den Proficlubs auf die neue Kampagne?

Kiefer: Die Resonanz und die Bereitschaft zur Unterstützung sind bei allen Beteiligten Clubs überaus positiv. Die Bundesliga-Stiftung bündelt die Bemühungen der 36 Clubs, die selbst mehr als 85 Projekte zum Thema Integration und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte unterstützen. In allen Bundesligastadien wird es am kommenden Spieltag der Bundesliga und der 2. Bundesliga von Freitag bis Montag die gleichen Aktionen geben wie Aktions-T-Shirts, die die Spieler beim Auflaufen tragen, Banner-Präsentationen oder Fähnchen für die Einlaufkinder, um die Vielfalt an Nationen auch bildlich zu veranschaulichen. 

Gegen welche Vorurteile kann so eine Aktion wirken?

Pistorius: Vorurteile gegenüber Fremden hat es schon immer gegeben. Manche Menschen neigen dazu, sich in Wagenburgen zurückzuziehen und nur zusammen mit denen wohlzufühlen, die sie schon kennen. So eine Form von Ablehnung, genau so wie die verschiedensten Formen von Fremdenfeindlichkeit müssen wir ernst nehmen – und etwas dagegen tun. Aber obwohl es so etwas gibt, teils Fremdenfeindlichkeit, teils Vorurteile, hat sich die deutsche Gesellschaft in den vergangenen 20 Jahren grundlegend gewandelt. Flüchtlingen zum Beispiel wird hier großes Mitgefühl entgegengebracht, das ist mit den Neunziger Jahren nicht mehr vergleichbar.

Hannover ist am Sonnabend als Hauptspielort der Aktion ausgewählt worden. Sind untere Spielklassen ausgespart?

Kiefer: Der Aktionsspieltag ist Teil der Integrationsinitiative, die dem Engagement der Bundesliga-Stiftung entstammt und gemeinsam mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) umgesetzt wird. Unterstuützt wird die Initiative von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoguz, die als Schirmherrin fungiert. Neben der Bundesliga und der 2. Bundesliga stellen auch die 3. Liga und die Allianz Frauen-Bundesliga je einen ihrer Spieltage ins Zeichen der Integration; gleiches gilt für das DFB-Laänderspiel am 25. März 2015 gegen Australien. Wir erhoffen uns einen nachhaltigen Effekt, auch aufgrund der öffentlichen Strahlkraft, die von der Bundesliga ausgeht.

Pistorius: Dass die Bundesliga sich stark engagiert, hat natürlich auch einen Vorbildeffekt. Gerade im Fußball, der so viele und vor alle auch junge Menschen erreicht,ist das wichtig.
Was können derartige Appelle und Aktionen überhaupt bewirken?

Pistorius: Sie haben Signalwirkung, das sind wichtige Impulse. Denn diese Aktionen rufen in Erinnerung, was nicht immer selbstverständlich erscheint. Unsere Welt wird immer globaler, das gilt besonders für die heranwachsende Generation. Darunter sind viele Kinder, die einen Migrationshintergrund haben. Sie sind ein Gewinn, wenn man nicht das Trennende betont, sondern das Verbindende. In dem Fall ist das die Freude am Sport, das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Mannschaft und die Erfahrung zu spüren, dass es keine Rolle spielt, an diesen und jenen Gott zu glauben oder dass man diese oder jene Sprache spricht.

Kiefer: Der Fußball nutzt seine integrative Kraft. Im Grunde genommen ist eine Mannschaft ein Abbild der Gesellschaft. In der Bundesliga und 2.  Bundesliga sind 55 Nationalitäten vertreten. In den Vereinen spielen 6,8 Millionen Menschen Fußball. So ein Mannschaftssport funktioniert nur dann, wenn alle zusammenhalten. Auch deshalb sind alle 36 Proficlubs bei dieser Aktion dabei, und das weit über diesen Spieltag hinaus. In dem von der Bundesliga-Stiftung initiierten Projekt, das sich an den Spieltag anschließt und von der Deutschen Kinder- und Jugend-Stiftung umgesetzt wird, soll an 15 Standorten in Deutschland mit vereinten Kräften versucht werden, Flüchtlinge über den Fußball „spielend“ in die Gesellschaft zu integrieren.

Wie äußert sich Fremdenfeindlichkeit im Stadion?

Pistorius: Der Fußballsport ist auch  keine Insel der Glückseligen. Die Menschen, die in ein Stadion gehen, um sich Spiele anzuschauen, haben ihren  jeweiligen Platz in der Gesellschaft. Deshalb  finden sich im Stadion auch viele unterschiedliche Meinungen und eben auch Vorurteile wieder. Hinzu kommt, dass man sich hier leichter in der Anonymität der Masse verstecken kann. Erfreulicherweise sind die Stadien hierzulande überwiegend frei von Fremdenfeindlichkeit, gerade im Vergleich zu Italien oder Spanien.

Bei Hannover 96 ist Didier Ya Konan, der aus der Elfenbeinküste stammt, bei den Fans besonders beliebt, Ceyhun Gülselam, der einen türkischen Pass besitzt, steht in der Hinsicht eher im Abseits.

Pistorius: Ich kann nur dringend davor warnen, Sympathie oder Antipathie in einen Zusammenhang mit der jeweiligen Herkunft zu stellen. Es gibt einfach Spielertypen, die auf ihre Weise polarisieren. Das hat aber sicher nichts mit Nationalitäten zu tun.

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