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Sport Abwehr der Nationalelf auf dem Prüfstand
Sportbuzzer Sport Abwehr der Nationalelf auf dem Prüfstand
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06:15 08.09.2012
Von Heiko Rehberg
Bundestrainer Jogi Löw legt in Barsinghausen die Aufstellung für das WM-Qualifikation-Spiel am Freitag fest. Quelle: Florian Petrow
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Barsinghausen

Kahn ist normalerweise ein ziemlicher Langweiler als Experte, aber einmal wollte er wohl wie Mehmet Scholl in der ARD auch mal richtig dazwischenhauen, also knüpfte er sich die deutsche Defensive vor, die in der Vergangenheit den Gegnern recht großzügig Torchancen ermöglicht hatte. Weil Kahn daraus eine Grundsatzdebatte machte, zog er sich den Unmut von Bundestrainer Joachim Löw zu, der es offensiv und riskant liebt.

Löw wird daran nichts ändern, für die WM-Qualifikation hat er bereits die Marschroute festgelegt: „Wir wollen weiterhin begeisternden und erfolgreichen Fußball spielen.“ Doch der Bundestrainer weiß längst, dass er in den großen Spielen eine bessere Balance zwischen Offensive und Defensive finden muss, und deswegen kommt in den nächsten Wochen die Viererkette in der Abwehr noch einmal auf den Prüfstand.

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Bei der EM bildeten Mats Hummels und Holger Badstuber die Innenverteidigung, Philipp Lahm spielte links hinten, Jerome Boateng rechts. Lahm spielte das schlechteste seiner großen Turniere (nicht zu verwechseln mit schlecht). Hummels trumpfte teilweise überragend auf, Badstuber machte bis zum Halbfinale wenig Fehler, und Boateng spielte wie Boateng: solide, aber mit folgenreichen Aussetzern.

Weil Löw es immer noch nicht geschafft hat, dass Lahm gleichzeitig auf beiden Flügeln spielen kann, wird der Nationalelfkapitän gegen die Färöer und in den kommenden Wochen wieder die Seiten wechseln. Von links geht es wieder nach rechts, damit Marcel Schmelzer endlich zeigen darf, dass er nicht nur bei Borussia Dortmund die linke Seite beleben kann. „Marcel hat bei der EM einiges gelernt, das kann er nun einbringen“, sagte Löw. Man darf gespannt sein, was man vom Zuschauen so alles lernen kann ...

Bei den Innenverteidigern sieht Löw einen „guten Konkurrenzkampf. Die nächsten Monate zeigen, in welcher Formation wir dann spielen.“ Mit Hummels, Badstuber, Per Mertesacker, Boateng und Benedikt Höwedes kämpfen fünf Innenverteidiger um zwei Positionen.
Vor allem Mertesacker drängt zurück in die Startelf, die Analyse der EM dürfte ihm dabei helfen: Beide Gegentore im Halbfinale gegen Italien resultierten aus Stellungsfehlern. Und was macht Mertesacker so gut wie nie? Genau: Stellungsfehler.

Dass das Spiel gegen die Färöer-Amateure kein ernsthafter Test für die Abwehr sein kann, ist im deutschen Team allen klar. Aber Dienstag geht es gegen Österreich. Da droht mehr Arbeit. Nicht nur Oliver Kahn wird genau hinschauen.

05.09.2012
Heiko Rehberg 04.09.2012