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Sport Bayern München vor richtungsweisendem Spiel gegen 96
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09:52 04.03.2011
Philipp Lahm spricht vor der Partie gegen Hannover 96 vom "vielleicht wichtigsten Spiel der Saison".
Philipp Lahm spricht vor der Partie gegen Hannover 96 vom "vielleicht wichtigsten Spiel der Saison". Quelle: dpa
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Philipp Lahm sagte nach der 0:1-Niederlage im Halbfinale des DFB-Pokalwettbewerbs gegen Schalke 04 einen Satz, der die ganze Saison des FC Bayern auf den Punkt bringt. Die Partie Nachmittag bei Hannover 96 sei für die Münchener „das vielleicht wichtigste Spiel in der Saison“. Wohlgemerkt: Das Spiel in der AWD-Arena ist kein Finale, es geht auch um keinen Titel, es ist eine Partie am 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Und trotzdem ist das Spiel für die Bayern richtungweisend. „Es geht da um alles“, sagte Lahm, „um Platz 2, da müssen wir unbedingt gewinnen.“

Die „Roten“ aus Hannover können den „Roten“ aus München am Samstag gehörig die Saison verhageln; die Niederlagen und vor allem die Leistungen gegen Borussia Dortmund am Sonnabend (1:3) und am Mittwoch gegen Schalke haben den Bayern die Illusion geraubt, dass sie sich wie selbstverständlich für die Champions League qualifizieren könnten. Eine Niederlage in Hannover würden bereits fünf Punkte Rückstand auf 96 bedeuten, gewinnt Bayer Leverkusen obendrein gegen den VfL Wolfsburg, wäre die Werkself sogar mit sieben Punkten enteilt. Und um das Szenario noch um einen Punkt zu erweitern: Schlägt der FSV Mainz dann auch den Hamburger SV, käme als weiterer psychologischer Tiefschlag der Sturz auf den 5. Tabellenplatz dazu.

„Ich will jetzt keine Szenarien aufstellen, was wäre wenn …“, sagte Christian Nerlinger am Donnerstag, am Tag nach dem Pokalaus. Aber damit konnte der Bayern-Sportdirektor die Spekulationen darüber, ob Trainer Louis van Gaal in Hannover bereits um seinen Job spielt, auch nicht beenden. „Was soll dann passieren? Sollen wir die Spieler rausschmeißen? Den Trainer? Den Sportdirektor? Den Medienchef? Ich kann mich nicht als Bayern München damit beschäftigen, was passiert, wenn wir in Hannover verlieren“, sagte Nerlinger. Das hatte ja ohnehin längst Bayern-Präsident Uli Hoeneß an seiner Stelle getan; nicht aktuell mit Blick auf das Spitzenspiel am Samstag, aber doch bereits vor einigen Monaten, als Hoeneß festgestellt hatte, dass er „unruhig“ werde, wenn die Champions-League-Qualifikation akut in Gefahr gerate. „Das war ja auch bei Jürgen Klinsmann so.“

Inzwischen dürfte sich mancher in München an das Frühjahr 2009 erinnert fühlen, als die Bayern das Experiment Klinsmann nach dem 29. Spieltag beendeten. Da waren die Bayern nach einem 0:1 gegen Schalke gerade vom 2. auf den 3. Platz gerutscht, einen Punkt hinter Hertha BSC Berlin und vergleichsweise knappe drei Zähler hinter Tabellenführer Wolfsburg. Verglichen mit diesen Maßstäben hätten die Münchener derzeit alle Gründe, die Reißleine zu ziehen, zumal das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg sowie der Einzug ins Champions-League-Finale in der vergangenen Saison überstrahlen, dass van Gaal immer wieder in die Kritik geraten ist, seit er in München arbeitet. Insbesondere im Herbst 2009, als die Bayern so schlecht wie nie in die Bundesliga gestartet waren.

Doch die Kehrtwende, die die Mannschaft damals schaffte, lässt diesmal auf sich warten. Und so ist es ausgerechnet der Fall Klinsmann, der van Gaal bislang den Job rettet: Eine vorzeitige Trennung von dem Niederländer, der vor knapp zwei Jahren als gefeierter „Fußballfachmann“ in München vorgestellt worden war und dessen Vertrag noch in dieser Hinrunde verlängert wurde, wäre auch ein Eingeständnis des Bayern-Vorstands, bei der Trainersuche erneut gescheitert zu sein.

So reagierte van Gaal gewohnt knurrig auf die Debatten um seine Person. „Wenn man zweimal hintereinander sehr wichtige Spiele verliert, dann wird immer diese Frage gestellt. Das muss der Vorstand entscheiden – nicht ich“, sagte der Niederländer und rührte die Werbetrommel in eigener Sache: „Ich mache meine Arbeit, und ich denke, ich mache sie gut.“

dpa