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Sport Beerbaum zeigt sich als Taktik-Fuchs
Sportbuzzer Sport Beerbaum zeigt sich als Taktik-Fuchs
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20:53 28.10.2012
Von Jörg Grußendorf
„Ich konnte noch einmal richtig angreifen“: Ludger Beerbaum hat mit einem fulminanten Ritt mit Chaman den Großen Preis gewonnen. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Der Altmeister hat es allen gezeigt. Ludger Beerbaum hat sich seine riesengroße Erfahrung zunutze gemacht und ganz, ganz tief in die Taktikkiste gegriffen. Und damit am Sonntag die gesamte Konkurrenz verblüfft. Der 49-jährige Springreiter hatte alles auf die Karte Großer Preis bei den German Classics in Hannover gesetzt - und mit seinem Chaman vor etwa 6000 begeisterten Zuschauern alles gewonnen. Selten wurde ein Sieger derart enthusiastisch gefeiert. „Es war toll, mit welcher Konsequenz Ludger sein Ziel verfolgt hat“, sagte Veranstalter Paul Schockemöhle.

Der mehrfache Olympiasieger Beerbaum wurde hinterher nicht müde, die Geschichte von den drei Bullen auf dem Hügel - Großvater, Vater und Sohn - zu erzählen. Immer wieder in abgewandelter Form und auf sich bezogen, aber dadurch passte sie auch erst so richtig. „Ich habe den Jüngeren und den Mittelalten vorgeschickt“, sagte er, „dann bin ich vorbeigeprescht.“ Das ist er - und wie. Am Tag zuvor, bei der Qualifikation, da hatte er sich im Stechen vornehm zurückgehalten. „Da haben einige wohl gedacht: Na, wird er jetzt alt?“, sagte er schmunzelnd. Dabei war es alles nur Kalkül. Christian Ahlmann auf Codex One und Marcus Ehning mit Copin van de Broy - die beiden Reiter wurden von Beerbaum als jung und mittelalt bezeichnet - hatten ein höllisches Tempo hingelegt und landeten am Ende ganz vorn. „Dieses Stechen war absolute Weltklasse“, sagte Beerbaum. „Doch meine Konkurrenten scheinen ihre Körner verschossen zu haben.“ Im Gegensatz zum Gewinner des Großen Preises. „Ich konnte noch einmal richtig angreifen“, sagte der 49-Jährige. „Chaman ist frisch gesprungen.“ Der 13-jährige Hengst sorgte dafür, dass sowohl sein Reiter als auch seine Besitzerin, Madeleine Winter-Schulze aus Mellendorf, rundum glücklich waren - und 18000Euro Siegprämie einstrichen.

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Noch wichtiger als diese Prämie aber war, dass Beerbaum für seinen Bravourritt 20 Punkte in der Riders-Cup-Wertung einstrich. Damit rückte er im Gesamtklassement dieses Wettbewerbs mit 40 Zählern auf Rang 2 vor, unmittelbar hinter der Portugiesin Luciana Diniz, die mit Bluebuster Fünfte wurde (46).

Die ersten drei der Qualifikation am Sonnabend, die in der Riders-Tour ganz vorn lagen, Katrin Eckermann (1.), Ehning (2.) und Ahlmann (5.), gingen dagegen in Hannover komplett leer aus. Sie hatten sich bei der vorletzten Etappe dieses Wettbewerbs so viel vorgenommen. Statt vorzulegen, zeigten sie aber Nerven, verpassten das Stechen im Großen Preis und müssen nun am nächsten Sonntag beim Finale in München auf einen Ausrutscher der beiden Führenden hoffen.

Beerbaum ist sich allerdings noch nicht 100-prozentig sicher, ob er in München starten wird. „Hannover war erst meine zweite Station in der Riders-Tour“, sagte er, „mit diesem Ausgang konnte ich nicht rechnen. Eigentlich wollte ich beim Weltcup in Lyon starten.“ Es ist aber davon auszugehen, dass er in der bayerischen Metropole dabei sein wird, schließlich muss er seinen Titel vom vorigen Jahr verteidigen - 2011 hatte er im Finale noch die führende Eckermann abgefangen.

Schockemöhle, Gesellschafter des Wettbewerbs, ist natürlich froh über die enge Konstellation im Finale. Der Veranstalter der German Classics war aber auch hochzufrieden mit den vier Tagen von Hannover. „Knapp 43000Besucher, davon 14000 am Sonntag“, sagte der 67-Jährige, „dazu super Sport und ein Großer Preis, der alle mitgerissen hat: Viel besser geht es nicht. Das heißt aber nicht, dass wir uns nicht noch verbessern können.“ Es wird schwer.

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