Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sport Birgit Prinz nimmt Abschied
Sportbuzzer Sport Birgit Prinz nimmt Abschied
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:05 27.03.2012
Von Uwe Kranz
Abschied der Rekordnationalspielerin: Nach ihrer Auswechselung dreht Birgit Prinz noch eine Ehrenrunde durch das Frankfurter Stadion. Quelle: Carmen Jaspersen
Anzeige
Frankfurt

Frankfurt. Dieser Wechsel war endgültig: Als Birgit Prinz in der 86. Minute ihres Abschiedsspiels das Spielfeld im Frankfurter Volksbank-Stadion verließ, begann für die erfolgreichste Fußballerin der Welt unwiederbringlich das Privatleben. Noch einmal hatte die zweifache Weltmeisterin und fünffache Europameisterin das gemacht, was ihr all die Jahre am Herzen gelegen hatte: einfach nur Fußball spielen. Beim Treffen mit vielen alten Weggefährtinnen aus der Nationalelf und ihrem Klub 1. FFC Frankfurt zeigte sich die Rekordnationalspielerin beim Abschied von ihren Fans so, wie sie viele lange Zeit nicht sahen - offen, herzlich und mit vielen Emotionen.

„Ich weiß, dass ich mir manchmal selbst im Weg stehe“, hatte Prinz schon zu ihrer aktiven Zeit zugegeben. „Aber deswegen werde ich mich nicht ändern.“ Eisern stemmte sie sich gegen ihre öffentliche Vermarktung, schlug auch millionenschwere Werbeverträge aus. Vor allem aber, wenn es mal nicht so gut gelaufen war, wirkte die ehrgeizige Torjägerin oft mürrisch und knurrig. Häufig aus Selbstschutz, um ihre wahre Gefühlswelt nicht preisgeben zu müssen.

Anzeige

Diesen Schritt wählte sie in ihrer dunkelsten Stunde. Nach ihrer Auswechselung im Vorrundenspiel gegen Nigeria während der WM in Deutschland im vergangenen Jahr trat sie aufs Podium und gestand der versammelten Presse ihre Schwäche ein. „Ich konnte dem Druck nicht standhalten“, gab sie zu. Dass Prinz beim Viertelfinalaus gegen Japan danach 120 Minuten auf der Bank verfolgen musste, wie ihr großer Traum vom WM-Titel im eigenen Land zerplatzte, sahen viele trotz ihrer Formschwäche als Demütigung der großen Leitfigur im deutschen Frauenfußball. Es muss als Stärke der dreimaligen Weltfußballerin gewertet werden, dass sie anschließend nicht gegen Bundestrainerin Silvia Neid nachtrat.

Prinz war nicht nur in Deutschland eine „Ikone“ des Frauenfußballs. „Mit ihrer Schnelligkeit, Kraft, Technik und natürlich ihrem Torriecher hat sie Verteidigerinnen auf der ganzen Welt in Schrecken versetzt“, sagte die ehemalige schwedische Weltklassespielerin Hanna Ljungberg über ihre langjährige Kontrahentin. Der Name der 34-Jährigen stand in erster Linie für den Erfolg des deutschen Teams in den 17 Jahren ihrer Nationalmannschaftskarriere, der den landesweit anhaltenden Boom im Juniorinnen-Fußball initiiert hat. Prinz agierte dabei als sportlich faires Vorbild, dem es - ungeachtet aller Titel - am meisten Spaß gemacht hat, „wenn es gut und rund gelaufen ist, die Mannschaft funktioniert und man nur in diesem Moment gelebt hat“, wie sie sagt. Eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet ihr nach den vielen Erfolgen der krönende Abschluss versagt blieb.

Nach dem WM-Aus und ihrem Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach 214 Länderspielen suchte Prinz zunächst am anderen Ende der Welt nach Zerstreuung. Neuseeland und Indien waren ihre Ziele. Zwei Monate lang war sie unterwegs. Heute haben längst die positiven Erinnerungen an ihre Karriere die Oberhand gewonnen. „Ich habe dem Fußball sehr viel zu verdanken, habe tolle Menschen kennengelernt und mich als Persönlichkeit weiterentwickeln dürfen. Ich gucke zurück und denke, meine Karriere ist gut gelaufen. Auch wenn das Ende suboptimal war“, sagte sie.

Für ihre Zukunft sieht sich Prinz „noch in der Findungsphase“. Derzeit hospitiert die diplomierte Psychologin bei der TSG 1899 Hoffenheim. „Ich hätte natürlich nichts dagegen, dem Frauenfußball erhalten zu bleiben“, sagt sie.,

Sport Vertrag mit BVB bis 2016 - Mario Götze bleibt ein Schwarz-Gelber
27.03.2012
27.03.2012