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Sport DFB zeichnet FIFA-Präsident Blatter als Ehrenmitglied aus
Sportbuzzer Sport DFB zeichnet FIFA-Präsident Blatter als Ehrenmitglied aus
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18:25 21.10.2010
Theo Zwanziger (re.) ernennt Joesph Blatter zum neuen Ehrenmitglied des DFB.
Theo Zwanziger (re.) ernennt Joesph Blatter zum neuen Ehrenmitglied des DFB. Quelle: ap
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Angela Merkel setzte einen Seitenhieb gegen Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes feierte die Bundeskanzlerin: Nach dem Gezeter um den Kabinenbesuch der Regierungschefin nach dem Türkei-Länderspiel schwelgten die beiden beim Festakt des DFB-Bundestages in der Essener Philharmonie in Harmonie. „Ein Bild hat gefehlt“, meinte Merkel am Donnerstagabend aber schmunzelnd, nachdem auf der Großleinwand Fotos von ihr als Begleiterin und Zuschauerin des Fußballs eingeblendet wurden. Eine Anspielung auf das Nachspiel zum Kabinenfoto der CDU-Politikerin mit Mesut Özil.

„Herr Präsident, dass Sie das alles immer wieder so in der Balance halten, dafür habe ich ein großes Stück Ehrfurcht“, sagte Merkel angesichts von 26.000 Vereinen im DFB. „Dafür, dass sich der DFB immer auf ihre große Unterstützung verlassen kann, möchte ich Ihnen ganz, ganz herzlich danken“, sagte Zwanziger.

Von diplomatischen Verwicklungen wollten Merkel und Zwanziger nichts mehr wissen, der DFB-Chef erwähnte den Vorfall bei seiner Begrüßungsrede mit keinem Wort. „So gravierend war das alles nicht. Die Abläufe nach der Partie waren sicherlich nicht optimal, aber in einem Telefonat mit dem Innenminister und der Kanzlerin am Tag nach dem Spiel haben wir das schnell aus der Welt räumen können“, hatte er auf der DFB-Homepage zuvor erklärt.

Nach dem 3:0-Sieg gegen die Türkei am 8. Oktober in Berlin hatte Merkel und ihre Entourage ohne Zwanzigers Beisein der Nationalmannschaft in deren „Heiligtum“ gratuliert. Das Foto, wie die Kanzlerin dem deutsch-türkischen Jungstar Mesut Özil die Hand schüttelte, ging durch die Republik. Zwanziger fühlte sich einerseits übergangen, andererseits sah er den DFB in der Debatte um Migranten ausgenützt. „Es gab nichts, wofür sie sich hätte entschuldigen müssen“, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch betont und von einem „klärendes Gespräch“ Merkels mit Zwanziger gesprochen.

Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), bei dem sich Zwanziger nach Merkels Kabinengang beschwert hatte, gehörte zu den Festgästen des Bundestages. Ebenso wie Bundestrainer Joachim Löw und FIFA-Präsident Joseph Blatter. Trotz des Korruptionsskandals um die WM-Bewerbungen 2018 und 2022 wurde der Schweizer Blatter unter dem Beifall der 260 Delegierten zum DFB-Ehrenmitglied ernannt. Von den unrühmlichen Vorgängen sprach er in seiner Rede nicht.

Zwanziger stellte vor allem die Idee der Kanzlerin von 2005 heraus, sich für die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 zu bewerben. „Man muss nur in den Saal hier schauen: Alles Männer, alles nur Machos. Wir wollen versuchen, den Fußball auch den Frauen zugänglich zu machen“, meinte Blatter angesichts der Großereignisses nächstes Jahr in Deutschland.

Bei der parlamentarischen Sitzung an diesem Freitag (10.30 Uhr) will Zwanziger seine dritte Amtszeit als DFB-Präsident antreten. Der 65-Jährige aus Altendiez ist einziger Kandidat. Er hatte im Sommer wegen einer „gewissen Amtsmüdigkeit“ gezaudert, ob er noch einmal antritt.

Die Vertragsverlängerung von Löw nach der Weltmeisterschaft gab letztendlich den Ausschlag, sich zur Wiederwahl zu stellen. Zwanziger hatte seinen Posten einmal in Anlehnung an ein Zitat des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering als „das schönste Amt neben Papst“ bezeichnet. In diesem Jahr aber war der Jurist bei seinem Krisenmanagement in der Schiedsrichter-Affäre Manfred Amerell/Michael Kempter und bei den zunächst gescheiterten Verhandlungen mit Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff im Frühjahr in die Kritik geraten.

Zwanziger hatte das Amt von 2004 bis 2006 zunächst gemeinsam mit Gerhard Mayer-Vorfelder (Stuttgart) ausgeübt. In seiner zweiten Solo-Dienstzeit will er vor allem das gesellschaftliche Engagement des mit 6,7 Millionen Mitglieder größten Sportfachverbandes der Welt stärken. Der 40. ordentliche Bundestag steht deshalb unter dem Motto „Fußball ist Zukunft. Emotional, sozial, nachhaltig.“

dpa