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11:45 15.10.2010
Die Nummer 1 … heißt Mainz! Alle, die es vergessen haben, erinnern die Rheinhessen noch einmal mit einer riesigen Pappnummer.
Die Nummer 1 … heißt Mainz! Alle, die es vergessen haben, erinnern die Rheinhessen noch einmal mit einer riesigen Pappnummer. Quelle: dpa
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Frankfurt. Als hätte einer die Tabelle kräftig durchgeschüttelt: Die Fußball-Bundesliga „steht Kopf“, wie auch Bundestrainer Joachim Löw staunend feststellt. Der FSV Mainz ganz oben, Borussia Dortmund knapp dahinter, Hannover 96, der SC Freiburg und 1899 Hoffenheim in Sichtweite; Schalke 04 und der VfB Stuttgart hingegen ganz unten. Bayern München als Zwölfter und Werder Bremen als 13. nur Mittelmaß. Wo sind nur grauen Mäuse geblieben? „Das zeigt die Ausgeglichenheit der Liga. Schauen Sie doch mal die Tabelle der Premier League an: Da steht Chelsea vor Manchester City, Manchester United und Arsenal“, sagt Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball-Liga (DFL), vor dem 8. Spieltag.

Spaß und Spannung: Die DFL-Verantwortlichen können sich die Hände reiben. Zumal der Name des neuen einheitlichen Balls, Torfabrik, bislang hält, was er verspricht: Schon an den beiden ersten Spieltagen fielen 67 Tore – ein Spitzenwert für die vergangenen 24 Jahre. Ganz vorne mit dabei: die Mainzer. Sie siegen und siegen und siegen und siegen und siegen und siegen und siegen. Mit sieben Siegen haben sie den Startrekord des 1. FC Kaiserslautern und der Bayern eingestellt; nach dem 4:2 gegen Hoffenheim stand Trainer Thomas Tuchel mit dem Megafon auf dem Zaun vor den tanzenden Fans, und die Beobachter fragen sich, was da bloß los ist in Mainz – und wie lange die Mannschaft das wohl noch durchhalten kann.

„Die schwimmen auf einer absoluten Euphoriewelle, die sie sich selbst erarbeitet haben. Sie haben es geschafft, mit ihrem Konzeptfußball durchzukommen. Sehr stark macht sie, dass sie über die mannschaftliche und taktische Geschlossenheit kommen“, sagt Hanno Balitsch, der einst selbst in Mainz gespielt hat und vor dieser Saison von 96 zu Bayer Leverkusen gewechselt ist. „Sie bestreiten ihre Spiele sehr aggressiv und taktisch diszipliniert. Damit kann man es in der Bundesliga mit den Siegen und der Euphorie sehr weit bringen.“ Der derzeit verletzte Mainzer Torwart Heinz Müller betont: „Wir sind hier alle noch sehr klar im Kopf.“

André Schürrle und Lewis Holtby haben es schon bis ins Notizbuch von Bundestrainer Löw gebracht, Mario Götze von Borussia Dortmund ebenfalls. Doch die neue Spaßgeneration ruft auch umgehend die Neider auf den Plan. Christian Nerlinger, der Sportdirektor der Bayern, lästerte im „kicker“: „Ich habe Herrn Tuchel nach dem Sieg gegen Hoffenheim auf dem Fanzaun gesehen und mir gedacht, dass es um den auch noch ruhiger wird. So etwas macht man nicht: Als Trainer gehe ich nicht in die Kurve und singe.“

Bemerkenswert, dass dieser Kommentar ausgerechnet aus München kommt. Die meisten Zuschauer fühlen sich bestens unterhalten und strömen weiter in Massen in die Stadien. Dabei profitiert die Liga auch von den starken Auftritten der Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Südafrika und jetzt in der EM-Qualifikation. Nicht nur national, sondern auch international, denn auch im Ausland wächst das Interesse an der Bundesliga. Die DFL berichtet von einem verstärkten Medieninteresse aus England und Japan – nicht zuletzt wegen des neuen Wolfsburger Trainers Steve McClaren und Dortmunds Offensiventdeckung Shinji Kagawa.

Selten hatte die Bundesliga so viele internationale Stars zu bieten wie in dieser Saison. Franck Ribery, Arjen Robben und Ruud van Nistelrooy haben Unterstützung bekommen von Raul, Klaas-Jan Huntelaar und Mauro Camoranesi; doch große Namen machen noch keine große Mannschaft. Dass nun ausgerechnet die Bayern und der FC Schalke, der seinen Kader vor der Saison mit viel Getöse für 37 Millionen Euro runderneuert hatte, in der Krise stecken, nehmen die Anhänger der anderen Vereine mit Genugtuung zur Kenntnis. Denn die Schadenfreude gehört zur Bundesliga wie die Tore und die Punkte.

dpa