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Sport Deutschland ist bereit für den Vergleich mit dem Original
Sportbuzzer Sport Deutschland ist bereit für den Vergleich mit dem Original
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21:52 06.07.2010
Bastian Schweinsteiger (linkes Bild, links) und Sami Khedira wollen an ihre bislang klasse Leistungen anknüpfen.
Bastian Schweinsteiger (linkes Bild, links) und Sami Khedira wollen an ihre bislang klasse Leistungen anknüpfen. Quelle: afp
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In der Einschätzung des 29. Juni 2008 sind sich Joachim Löw und Bastian Schweinsteiger einig. Was das für die Gegenwart bedeutet, beurteilen der Bundestrainer und sein Chefstratege im Mittelfeld unterschiedlich. Am 29. Juni 2008 verlor die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Wien das Europameisterschafts-Endspiel gegen Spanien mit 0:1. Im Weltmeisterschafts-Halbfinale in Durban sehen sich beide Nationen wieder. „Ich habe keine Revanchegelüste“, sagt Löw. „Das Revanchegefühl ist schon da“, sagt Schweinsteiger, „wir wollen zeigen, dass wir diesmal besser sind als damals.“

Vor zwei Jahren waren die Spanier besser, da macht Schweinsteiger keinen Hehl daraus. „Das Ergebnis von 1:0 drückt das nicht richtig aus“, sagt er, „Spanien hätte das Spiel bei den Torchancen schon viel vorher beenden können.“ Vorher beenden können bedeutet: Die in allen Belangen überlegenen Iberer hätten lange vor dem Abpfiff auf 2:0 oder 3:0 davonziehen können – Möglichkeiten dazu hatten sie genug.

„2008 bei der EM war Spanien die beste Mannschaft des Turniers“, sagt Löw. „Jetzt in Südafrika sind wir bislang stabiler aufgetreten als im Finale vor zwei Jahren. Deshalb können wir uns berechtigte Chancen ausrechnen zu gewinnen.“

Löw weiß, dass eine Leistung wie in Wien in Durban nicht reichen würde. Damals in Wien ... Bereits in der 15. Minute hatte Deutschland großes Glück, als Christoph Metzelder einen Schuss von Andres Iniesta abfälschte und so fast ein Eigentor verschuldete. In der 23. Minute traf Fernando Torres mit einem Kopfball nur den Pfosten, in der 33. Minute gelang ihm dann mit dem Fuß das 1:0, das zu diesem Zeitpunkt überfällig war. Deutsche Torchancen gab es nicht, auch nach der Pause blieb Spanien, angetrieben vom überragenden Xavi, überlegen, aber verschwenderisch mit den Torchancen.

Die Deutschen hatten nur noch eine Szene mit Erinnerungswert, und zwar nach dem Schlusspfiff: Als Manager Oliver Bierhoff die Spieler aufforderte, mit einem Transparent zu den mitgereisten deutschen Fans zu gehen, legte sich Kapitän Michael Ballack mit ihm an, es kam zu einem kurzen, aber heftigen Streit.

Von der Startelf in Wien werden in Durban Arne Friedrich (damals Rechtsverteidiger), Per Mertesacker, Philipp Lahm (Linksverteidiger), Schweinsteiger, Lukas Podolski und Miroslav Klose wieder von Beginn an spielen. Bei den Spaniern blieb der Kader in den vergangenen zwei Jahren fast unverändert. In der Abwehr mit Sergio Ramos, Carles Puyol und Joan Capdevila hat lediglich Gerard Pique den Platz von Carlos Marchena übernommen. Im defensiven Mittelfeld wurde Marco Senna nicht mehr berufen, für ihn spielt jetzt Sergio Busquets vom FC Barcelona; Xabi Alonso hat Cesc Fabregas verdrängt. David Villa, der 43 Treffer in 63 Länderspielen erzielt hat, fehlte damals: Er hatte sich vor dem Finale verletzt.

Joachim Löw sagte vor zwei Jahren nach dem verlorenen Finale einen interessanten Satz. Der 50-Jährige formulierte: „Wir dürfen nicht die Kraft verlieren, an manchen Dingen zu feilen.“ In zwei Jahren Feinarbeit hat der Bundestrainer seine Mannschaft nach dem Muster des spanischen Vorbilds verändert. In Durban fühlen sich der Bundestrainer und seine Spieler bereit für den Vergleich mit dem Original.

Heiko Rehberg