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Sport Deutschland stürmt mit berauschendem 4:0 ins Halbfinale
Sportbuzzer Sport Deutschland stürmt mit berauschendem 4:0 ins Halbfinale
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21:18 04.07.2010
Von Heiko Rehberg
Der nächste Rausch: Mesut Özil, Per Mertesacker und Manuel Neuer (von links) bejubeln den Sieg gegen Argentinien.
Der nächste Rausch: Mesut Özil, Per Mertesacker und Manuel Neuer (von links) bejubeln den Sieg gegen Argentinien. Quelle: afp
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Was in der Kabine der Fußball-Nationalmannschaft passiert, ist normalerweise streng geheim und dringt nicht an die Öffentlichkeit. Doch wenn man gerade Argentinien bei der Weltmeisterschaft in Südafrika nach einer rauschenden Gala mit 4:0 geschlagen hat und am kommenden Mittwoch im Halbfinale gegen Spanien steht (20.30 Uhr, live in der ARD), wenn die Glücksgefühle einen noch überwältigen und sich die Stimmen überschlagen vor Aufgeregtheit, dann machen die deutschen Spieler schon mal eine Ausnahme und verraten ein paar Geheimnisse.

Nach mehreren übereinstimmenden und glaubwürdigen Augenzeugenberichten hat sich am Sonnabend um kurz nach 18 Uhr in der deutschen Kabine im Kapstädter Green-Point-Stadion folgendes abgespielt: Die Spieler sind wieder in der Kabine, sie haben zuvor den Jubel und die Freude und die Gratulationen – auch von den Argentiniern – auf dem Rasen genossen. Auch Michael Ballack ist da, der verletzte Kapitän. Die Tür geht auf, und die Bundeskanzlerin kommt herein: Angela Merkel, die den Sieg auf der Haupttribüne gemeinsam mit Südafrikas Staatspräsidenten Jacob Zuma verfolgt und bei den Toren mit einer Mischung aus Begeisterung und Staunen geklatscht hat, wie das nur Angela Merkel kann, macht eine Runde von Spieler zu Spieler, beglückwünscht jeden Einzelnen, während diese rufen: „Rede, Rede, Rede!“

Von dieser Rede sind nur der erste Satz und der letzte Satz überliefert. Sie lauten: „Es war ein Traum.“ Und: „Es ist so nah!“ Die Spieler stehen im großen Kreis, singen und tanzen. Ganz Deutschland tanzt. In Kapstadt auf den Tribünen. Zu Hause im Garten, vor den Fernsehgeräten, vor den Bildschirmen. Deutschland feiert eine riesige Fußballparty und freut sich mit dem Schlusspfiff in Kapstadt bereits auf die nächste: Mittwochabend beim Halbfinale gegen Spanien.

25,95 Millionen Menschen haben den großartigen Sieg gegen Argentinien im Fernsehen gesehen, das ist ein Marktanteil von 89,2 Prozent und wohl nur deshalb kein TV-Rekord, weil die Millionen beim sogenannten Public Viewing nicht mitzählen. In Südafrika denkt Thomas Müller, der Torschütze zum 1:0, an die Heimat und sagt: „Ich denke, Deutschland bebt gerade – und das zu Recht. Das ist natürlich Wahnsinn, was hier abgelaufen ist.“
Wahnsinn! Das ist das Wort, das an diesem Abend nach einem der besten deutschen Länderspiele aller Zeiten – so dick darf nach einem solchen Auftritt ruhig mal aufgetragen werden – immer wieder fällt. Von den Fans, von den Journalisten und von den Spielern. Wahnsinn! Es ist das Wort des Tages. Wenn es so weitergeht mit der deutschen Mannschaft, dann wird es das Wort der WM. Italien draußen, Frankreich, England, Brasilien, Argentinien, die afrikanischen Mannschaften, alle draußen. Und Deutschland ist in Südafrika immer noch dabei – und wie. Wahnsinn!

Joachim Löw, der Bundestrainer, hat noch ein anderes Wort für sich entdeckt. Während er erzählt von dem 4:0 gegen die Argentinier, während er fast alles erklärt, was andere noch staunen lässt („Wir haben gewusst, dass Argentinien hinten nicht seriös arbeitet“), benutzt er selbst mehrfach ein Wort, das seine eigene Überraschung verrät. Es ist das Wort „unglaublich“.

Löw spricht vom „unglaublichen Ehrgeiz“, vom „unglaublichen Willen“ der Spieler. Von der „unglaublichen Laufleistung“ der Offensivabteilung. Und von der „unglaublichen Defensivleistung“. Die Vermutung liegt nahe: Löw, der gelassen tut, weiß natürlich, dass dies alles in seiner Mannschaft steckt. Aber ob sie es wirklich abrufen kann in einem WM-Viertelfinale gegen einen großen Gegner mit dem besten Spieler der Welt in den Reihen (Lionel Messi), da war sich Löw nicht hundertprozentig sicher. Und dass eine junge Mannschaft wie die deutsche zweimal hintereinander beim wichtigsten aller Turniere überragend spielt – erst im Achtelfinale gegen England (4:1), jetzt gegen Argentinien –, ist auch alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Aber diese deutsche Mannschaft überrascht – ab und zu sogar mal ihren Trainer wie zum Beispiel mit dem 1:0 gegen Argentinien nach drei Minuten, einem Tor nach einer Standardsituation. Freistoß Bastian Schweinsteiger, Kopfball Thomas Müller. Wenn es darauf ankommt, dann klappt selbst dieses selten benutzte Stilmittel perfekt. Die anderen Tore, das 2:0 und das 4:0 von Miroslav Klose (68. und 84. Minute), das 3:0 von Arne Friedrich (74.), sind dann wieder Treffer aus Löws geliebtem Kombinationsbuch.

Am Tag nach dem Argentinien-Spiel ist der Bundestrainer dann bereits in Gedanken bei Mittwoch und bei Spanien. „Es ist wichtig, dass wir emotional nicht überdrehen“, sagt er. „Es ist wichtig, dass wir uns wieder auf die nächste Aufgabe konzentrieren und besinnen. Wir haben noch zwei Spiele vor uns, und wir haben es jetzt in der Hand, etwas ganz Großes zu erreichen.“ Die feine Unterscheidung von Löw ist kein Zufall. Großes ist schon geschafft. Ganz Großes soll noch folgen.

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