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Sport Ein Südafrikaner dreht auf
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07:27 03.09.2012
Von Norbert Fettback
„Phantastische Bedingungen“: Richard Murray feiert seinen Sieg im Sprintrennen. Quelle: Körner
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Hannover

Man musste am Sonntag lange Zeit Ausschau halten nach den Startnummern 1 und 2. Wer diese am Körper trägt, der zählt gemeinhin zu den Favoriten. So wie am Sonntag Steffen Justus und Maik Petzold, beim Bundesligarennen im Rahmen des Maschseetriathlons die vermeintlich Stärksten im Team des TV Buschhütten. Doch für beide – vor Kurzem noch in den deutschen Farben bei den Olympischen Spielen in London am Start – reichte es in der Einzelwertung nicht zu einem Platz auf dem Treppchen. Justus konnte sich im Sprintrennen nach 750 Metern Schwimmen, 21 Kilometern auf dem Rad und fünf Kilometern Laufen durch die beste Zeit in der letzten Disziplin zwar noch auf Rang 4 verbessern, zum Podium fehlten ihm aber 25 Sekunden. Petzold, nach dem Schwimmen noch Erster, musste sich gar mit dem 32. Platz zufriedengeben – er hatte ein Malheur auf der Radstrecke. Eine Panne kostete ihn so viel Zeit, dass er hoffnungslos zurückfiel und seinem Fünferteam, immerhin Spitzenreiter der Liga, nur das Streichergebnis lieferte.

Die Show stahl allen beim sportlichen Höhepunkt des Tages ein Südafrikaner. Richard Murray lag in 53:53 Minuten vorn, kassierte 1000 Euro Siegprämie und verteilte ein großes Kompliment an Hannover. „Das waren phantastische Bedingungen“, sagte der 23-Jährige, der schon im Juli den WM-Lauf in Hamburg gewonnen hatte. „Die Zuschauer haben mir sehr geholfen.“ Auf den Plätzen folgten mit Gregor Buchholz und Christian Prochnow zwei Asse aus Deutschland. Auch der Potsdamer Prochnow lobte diesen Wettkampf in den höchsten Tönen: „Hannover ist für den Triathlonsport ein großartiges Pflaster“, sagte er.

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Zufrieden sein durfte auch Jonas Schomburg aus Langenhagen, der mit seinem 9. Rang zum Tagessieg des Stadtwerke-Teams Witten beitrug. Beim Wechsel vom Rad- auf die Laufstrecke hatte der talentierte 18-Jährige sogar noch auf Rang 2 gelegen. Das verheißt noch einiges für die Zukunft. Vier Positionen hinter Schomburg lief Michael Murphy am Nordufer des Maschsees über die Ziellinie – dem Australier stand die Freude darüber ins Gesicht geschrieben, dass er damit ein klasse Resultat für sein Team von Hannover 96 beigesteuert hatte. „Er hat sein Versprechen eingelöst, einen guten Wettkampf hinzulegen“, sagte Mannschaftskapitän Lukas Kampkötter. Aufgrund der starken Konkurrenz mussten sich die 96er am Sonntag mit dem 8. Platz unter 15 Teams begnügen – insgeheim hatten sich die Gastgeber, bei denen Routinier Sören Binderup einen ganz schlechten Tag erwischt hatte, ein wenig mehr ausgerechnet.

Voll aufgegangen sind hingegen die Erwartungen der Veranstalter. Mit insgesamt 1677 Startern wurde ein neuer Teilnehmerrekord aufgestellt, bei Athleten und Zuschauern herrschte gute Stimmung. Nennenswerte Zwischenfälle habe es an der Strecke nicht gegeben, sagte ein Sprecher der Agentur eichels: Event. Dafür bekamen die Zuschauer bei sonnigem Wetter guten Sport präsentiert – und weitere klasse Leistungen auch von einheimischen Sportlern. Im Wettkampf über die olympische Distanz (1,5 km Schwimmen, 42,5 km Radfahren, 10 km Laufen) lagen mit Kerstin Jansen und Frank Leßmeister sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern zwei hannoversche Sportler vorn. „Das ist super gelaufen“, sagte Leßmeister, im Vorjahr noch Zweiter.

Hinter dem 44-Jährigen, der im Oktober bei der Ironman-WM auf Hawaii starten wird, sorgte mit Timo Kuhlmann ein weiterer Hannoveraner für ein Topergebnis. Der 21-Jährige war drei Stunden zuvor beim Regionalliga-Rennen in Oldenburg als 22. ins Ziel gekommen, dann mit dem Auto Richtung Hannover durchgestartet und hätte am frühen Nachmittag wegen eines Staus beinahe noch den Startschuss durch Triathlonprofi Jan Raphael verpasst. Über die zehn Kilometer kam Kuhlmann in 34:40 Minuten auf die schnellste Zeit – Leßmeisters Polster nach dem Schwimmen und Radfahren war aber zu groß, um ihn noch zu überflügeln.

„In Rio will ich alles viel besser machen"

Die gute Laune hatte er nicht verloren, obwohl es nicht mit dem Sieg geklappt hatte. Als Vierter blieb Steffen Justus, der als Favorit gehandelt worden war, am Sonntag beim Sprinttriathlon am Maschsee hinter den Erwartungen zurück. Der 30-Jährige richtet den Blick schon längst wieder nach vorne.

Herr Justus, als Olympia-16. sind Sie als Favorit an den Start gegangen. Warum hat es nicht zum Sieg gereicht?

Der 4. Platz, den ich noch herausgelaufen habe, war für mich heute das Optimum. Den Rückstand nach dem Schwimmen wollte ich beim Radfahren eigentlich wettmachen. Wir waren auch schon fast dran. Maik Petzold, der zu meiner Gruppe gehörte, hatte dann in der 1. Runde einen Platten und ist am Wendepunkt ein bisschen gestrauchelt. Da war der Zug abgefahren, denn die drei Jungs vorne haben richtig Alarm gemacht.

Sie sind 2012 bei Olympia, bei WM-Rennen und bei Weltcups gestartet. Welchen Stellenwert hat da die Bundesliga?

Es macht Spaß, mit dem Team ist das ein tolles Wochenende. Dass auch die Leistungen stimmen, hat man wieder gesehen.

Wie beurteilen Sie die Atmosphäre in Hannover?

Das ist eine sehr schöne Bundesliga-Veranstaltung mit insgesamt einer tollen Atmosphäre. 2001 war ich hier schon mal als Jungspund zum Reinschnuppern bei den Besten am Start, es war meine erste olympische Distanz überhaupt. Es war höchste Zeit, mal wiederzukommen.

Welche Ziele verfolgen Sie jetzt noch?

Im Oktober geht es zum WM-Finale nach Auckland. Zuvor steht noch der Weltcup in Cancun auf dem Programm.

Wie fällt Ihr Fazit für 2012 aus?

Mein Hauptziel war London. Der August ist allerdings ganz schön in die Hose gegangen. Die Ergebnisse zuvor waren nahezu einmalig, sie hatten auch eine sehr hohe Erwartungshaltung zur Folge. Der Sieg im WM-Rennen in Sydney und der 3. Platz in Hamburg waren schon tolle Resultate.

Denken Sie schon an die Spiele 2016?

Aber ja. Ich will in Rio alles viel besser machen, in London habe ich dazugelernt.

Interview: Norbert Fettback

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