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20:19 12.01.2012
Von Björn Franz
Zupackendes Talent: Jonas Langmann musste bei seinen wenigen Einsätzen im Scorpions-Trikot nur selten hinter sich greifen.
Zupackendes Talent: Jonas Langmann musste bei seinen wenigen Einsätzen im Scorpions-Trikot nur selten hinter sich greifen. Quelle: zur Nieden
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Hannover

Meist verfolgte er von der Reservebank aus, wie Dimitri Pätzold auf dem Eis versuchte, seiner im Tabellenkeller der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) feststeckenden Mannschaft eine Siegchance zu erhalten. Doch als der Nationalkeeper zehn Minuten vor Ende der Partie gegen die Eisbären Berlin (2:3) wegen einer Muskelverhärtung nicht mehr weitermachen konnte, durfte Langmann unverhofft doch noch ran. Und am Freitag, wenn die Scorpions in der TUI Arena die Iserlohn Roosters empfangen (19.30 Uhr), steht der 20-Jährige gegen seinen ehemaligen Klub sogar von Beginn an zwischen den Pfosten, obwohl Pätzold längst wieder fit ist.

Für Langmann ist es so etwas wie eine Belohnung. Für seine überragende Leistung vor einer Woche in Köln, wo er den 3:2-Sieg der Hannoveraner fast im Alleingang festhielt. Und vor allem für etliche Sonderschichten im Training. Denn viel Gelegenheit, sein Können im Spiel zu zeigen hatte er in dieser Saison noch nicht. Die Partie am Rhein war im 35. Saisonspiel erst der dritte Start für den gebürtigen Bad Kissinger. Und einer dieser drei Einsätze endete zu allem Überfluss bereits nach sieben Minuten auf kuriose Art: Der Gegner aus München monierte einen Herstellerfehler an Langmanns Beinschonern – und der musste deshalb schon nach drei abgewehrten Schüssen wieder vom Eis.

Doch ungeduldig wurde er trotz seiner Rolle als Teilzeittorwart nicht. „Natürlich will jeder spielen. Aber es war ja schon vor der Saison klar, dass ,Dimi‘ die klare Nummer 1 ist“, sagt der „U 20“-Nationalspieler. „Und ich kann unglaublich viel von ihm lernen, weil er nicht nur ein toller Typ ist, sondern auch ein sehr guter Torwart.“ Überhaupt begreift Langmann diese Saison als Chance. Und zwar als unverhoffte. Denn als er Iserlohn im Sommer 2010 nach drei Jahren und einem 20-minütigen DEL-Intermezzo verließ, war nicht an solch eine Entwicklung zu denken. Langmanns Traum vom Wechsel nach Nordamerika platzte, und er schloss sich dem Zweitligisten EC Hannover Indians an. Am Pferdeturm lief er zwar nur für die Braves in der Oberliga auf, doch als bei den Scorpions nach dem Abgang von Travis Scott auch noch Youri Ziffzer verletzt ausfiel, half das schlaksige Talent aus – und überraschte bei seinen 13 Einsätzen die gesamte Liga mit starken Leistungen sowie seiner abgeklärten Spielweise.

Inzwischen ist es um Langmann im Schatten von Pätzold zwar wieder ein bisschen ruhiger geworden. Aber gegenüber dem 19-jährigen Lukas Steinhauer, mit dem er seit eineinhalb Jahren eine Wohngemeinschaft bildet, hat er die Nase derzeit klar vorn. Während Steinhauer zumeist beim drittklassigen Kooperationspartner in Halle spielt und für die kommende Saison mit dem EHC München in Verbindung gebracht wird, darf Langmann gegen Iserlohn wieder Werbung in eigener Sache machen. Denn sein Vertrag läuft im Sommer aus. „Ich werde demnächst sicherlich einmal nachfragen, wie bei den Scorpions mit mir geplant wird“, sagt der Keeper, vor dessen Gehäuse Sascha Goc nach ausgeheilter Verletzung wieder aufräumen wird. „Aber eigentlich bin ich nicht der Typ, der oft wechselt.“

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