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Sport Eine kleine deutsche Viertelfinalkunde
Sportbuzzer Sport Eine kleine deutsche Viertelfinalkunde
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09:53 02.07.2010
So sieht das aus, wenn man alles richtig macht: Die Nationalelf bejubelt den sommermärchenhaften Viertelfinalsieg 2006 gegen Argentinien.
So sieht das aus, wenn man alles richtig macht: Die Nationalelf bejubelt den sommermärchenhaften Viertelfinalsieg 2006 gegen Argentinien. Quelle: ap (Archiv)
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Alle Fußballfans, die gerne Zuversicht aus der Geschichte ziehen, konnten bislang bei der Weltmeisterschaft in Südafrika immer beruhigt auf die nächste Aufgabe schauen. Das entscheidende Gruppenspiel gegen Ghana? Kein Problem, in der Vorrunde einer WM war Deutschland noch nie gescheitert! Das Achtelfinale gegen England? Bloß keine Sorgen machen, lediglich beim Turnier 1938 hatte es im Wiederholungsspiel gegen die Schweiz (2:4) eine Niederlage gegeben, bei 17 WM-Teilnahmen kam Deutschland 16-mal unter die besten acht.

Und wie sind die Aussichten für das Viertelfinale? Ein Meteorologe würde sagen: Es wird sonnig, aber Gewitter sind nicht ganz auszuschließen. Das Duell morgen in Kapstadt gegen Argentinien ist das 13. echte Viertelfinale für eine deutsche Nationalmannschaft. Für alle, die über das Wort „echt“ jetzt gerade gestolpert sind: Der WM-Modus verhinderte 1974, 1978 und 1982 durch eine zweite Gruppenrunde mit acht beziehungsweise zwölf Teams Viertelfinalspiele. Die „Schmach von Cordoba“, das 2:3 gegen Österreich, passierte in einer solchen Zwischenrunde.

In zwölf „richtigen“ Viertelfinalspielen verlor die deutsche Mannschaft nur dreimal: bei der WM 1962 in Chile gegen Jugoslawien (0:1), bei der WM 1994 in den USA gegen Bulgarien (1:2) und vier Jahre später in Frankreich gegen Kroatien (0:3). Ein Rückblick auf fünf Mutmacher-Spiele – und zwei bittere Begegnungen.

Die schmerzhaften Niederlagen:

10. Juli 1994 in New York: Deutschland – Bulgarien 1:2

Bis eine Viertelstunde vor Schluss sieht alles gut aus für Deutschland. Die Mannschaft spielt kein gutes Turnier, Stefan Effenberg ist nach der „Stinkefinger“-Affäre bereits wieder zu Hause, sein alter Kumpel Lothar Matthäus verwandelt allerdings in der 49. Minute einen Foulelfmeter zum 1:0. Doch dann kommen vier schlimme Minuten, und danach ist alles vorbei. Christo Stoitschkov (76.) und Jordan Letschkov (79.) schicken auch den Rest der Mannschaft auf die Heimreise.

4. Juli 1998 in Lyon: Deutschland – Kroatien 0:3

Er wird daran nichts mehr ändern können: Das Viertelfinal-Aus in Frankreich ist für immer mit dem Namen von Christian Wörns verbunden – und seiner Roten Karte in der 40. Minute beim Stand von 0:0. „Wir waren die bessere Mannschaft, aber vorne haben wir es einfach nicht geschafft, ein Tor zu schießen“, erzählt Wörns im Rückblick. Und die entscheidende Szene? „Lothar Matthäus spielte mir den Ball etwas zu kurz zu. Ich wollte Davor Suker den Ball weggrätschen, leider kam ich etwas zu spät und traf ihn am Knöchel. Der Schiedsrichter zeigte mir sofort Rot.“ Noch in der Nachspielzeit der 1. Halbzeit trifft Kroatien das erste Mal, zwei Kontertore folgen.

Die schönsten Siege:

14. Juni 1970 in Leon: Deutschland – England 3:2 n.V.

Falls es morgen gegen Argentinien einen 0:2-Rückstand geben sollte: auf gar keinen Fall aus der Ruhe bringen lassen! Vor 40 Jahren bleiben Franz Beckenbauer, Uwe Seeler und Gerd Müller in Mexiko trotz brütender Hitze ganz cool und drehen mit ihren Toren die Partie gegen England.

21. Juni 1986 in Monterrey: Deutschland – Mexiko 4:1 i.E.

Die Deutschen sind Elfmeterspezialisten, auch Mexiko bekommt das zu spüren. Torwart Harald Schumacher hält zwei Elfmeter, Klaus Allofs, Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Pierre Littbarski treffen. Erst im Finale wird die Mannschaft gestoppt – von Argentinien.

1. Juli 1990 in Mailand: Deutschland – CSFR 1:0

Wer Weltmeister werden will, muss es im Viertelfinale auch mal schmucklos hinkriegen. 25. Minute, Elfmetertor von Matthäus, und ab geht‘s ins Halbfinale. Am 8. Juli wird Deutschland Weltmeister – gegen Argentinien (1:0).

21. Juni 2002 in Ulsan: Deutschland – USA 1:0

Und noch ein Sieg aus der Reihe „Hauptsache gewonnen“: In Südkorea reichen gegen die Amerikaner ein Tor von Michael Ballack und fünf Weltklasseparaden von Oliver Kahn.

30. Juni 2006 in Berlin: Deutschland – Argentinien 4:2 i.E. (1:1)

Zwei der Torschützen der Partie stehen auch morgen in Kapstadt in der deutschen Startelf. Miroslav Kloses Tor bringt sein Team in die Verlängerung, Lukas Podolski verwandelt im Elfmeterschießen – genau wie Ballack, Oliver Neuville und Tim Borowski. Torwart Jens Lehmann hält zwei Strafstöße. Für morgen in Kapstadt tippt Lehmann ein 1:0 für Deutschland – nach 90 Minuten.

Heiko Rehberg berichtet aus Pretoria