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20:09 24.09.2013
Pendlerin zwischen München und Hannover: Tina Evers – hier beim Fototermin am Pferdeturm – liebt den Eishockeysport. Dafür nimmt sie einige Mühen auf sich. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Kommandos, Trillerpfeifentöne und ein lautes Knallen schallen durch die Halle, wenn der Puck mal wieder gegen den Schläger oder die Bande kommt. Die Kleinschüler der Hannover Indians trainieren im fast leeren Eisstadion am Pferdeturm. Auf den Rängen haben sich einige Eltern versammelt, um ihren Kindern zuzusehen – wenn nicht gerade der Nebel auf dem Eis die Sicht blockiert. Drei Übungsleiter erklären den Zehn- bis Zwölfjährigen, was zu tun ist. Eine davon ist Deutschlands Rekord-Nationalspielerin Tina Evers, sozusagen im Frauen-Eishockey das, was Lothar Matthäus im Männer-Fußball ist.

Mit der Pfeife um den Hals ruft die 32-Jährige die jungen Talente am Bullykreis zusammen, feuert an, wo es Anfeuerung braucht, und erklärt, wo es nötig ist. Mädchen gibt es übrigens keine in der Mannschaft, die auf dem Eis ist. Und wenn Mädchen dabei sind, dann spielen sie mit den Jungs zusammen. „Bei Kleinschülern ist das nicht so wichtig“, sagt Evers. „Das habe ich ja früher genauso gemacht.“

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Und damit sind wir bei ihrer eigenen, spannenden Sportgeschichte. Die Hannoveranerin spielte in ihrer Jugend meistens bei den Jungen mit. „Man findet es ja auch cool, nebenbei noch ein bisschen mit den Jungs abzuhängen“, sagt sie und lacht.
Der Weg zur Rekordnationalspielerin begann mit fünf Jahren unter schwierigeren Umständen, als das heute für Mädchen der Fall ist. „Als ich damals angefangen habe, gab es weder eine ,U 15‘- noch eine ,U 18‘-Mannschaft. Ich bin quasi mit 15 gleich in die Nationalmannschaft reingerutscht“, erzählt Evers. 

Selbst heute noch spielen zwei Torfrauen bei den Männern in der Bayernliga. Allerdings sei es im Tor leichter. „Als Frau hat man da weniger ein körperliches Problem“, sagt Stürmerin Evers. „Manchmal trainiere ich auch als Feldspielerin bei den Männern der Indians mit, das geht schon. Aber wenn man dann spielt und man einen mitbekommt, dann fliegt man halt übers halbe Eis. Da kann man nicht gegenhalten“, sagt sie.

Im sächsischen Crimmitschau absolvierte die gebürtige Hannoveranerin 1996 ihr erstes Länderspiel und nahm seitdem  sowohl 2002 in Salt Lake City als auch 2006 in Turin mit den deutschen Frauen an den Olympischen Spielen teil. Ende August absolvierte Evers ihr
300. Länderspiel für Deutschland beim Vier-Nationen-Cup in Finnland. Im vergangenen Februar knackte sie die Rekordmarke von 288 Länderspielen und wird kommenden Februar mit ihren Mannschaftskameradinnen für den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) bei den Olympischen Spielen antreten. Eine Hannoveranerin in Sotschi.

In Russland werden Evers und das Frauen-Eishockey mehr im Blickpunkt stehen, als das normalerweise üblich ist. „Wir spielen fast immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit“, sagt sie. Zwar interessierten sich Menschen generell für das, was sie sportlich mache, aber „es wird selten etwas darüber geschrieben oder erzählt. Die Leute, die sich dafür interessieren, müssen dann im Internet recherchieren“, sagt Evers.

Trotz Olympia glaubt sie nicht an einen Boom im Frauen-Eishockey. „Wenn mal ein großes Highlight ansteht, dann interessiert sich mal jemand. Aber das beläuft sich dann auf zwei Minuten im Fernsehen und ein paar Zeitungsartikel, und dann war es das auch meistens schon wieder.“ Trotzdem ist die Vorfreude auf die Winterspiele schon jetzt riesengroß. „Alle sind dort offen, und Sportler sind ja sowieso immer lockerer drauf. Man geht da essen und guckt dann rum, sieht eine deutsche Jacke, und dann setzt man sich einfach dazu“, sagt die Berufssoldatin, die in München in der Sportfördergruppe der Bundeswehr tätig ist.

In der bayerischen Landeshauptstadt ist sie aktuell in der Frauen-Bundesliga beim ESC Planegg aktiv. Daher sei sie viel unterwegs und pendelt jede Woche die knapp 700 Kilometer zwischen Hannover und München. Der Weg scheint sich aber zu lohnen, den bereits dreimal in Folge gewann Evers mit ihrem Team die deutsche Meisterschaft.

320. Das ist die Zahl, die sie im Blick hat. Es ist die letzte Rekordmarke, die es für die Hannoveranerin zu knacken gilt. So häufig schnürte nämlich die deutsche Eishockeylegende Udo Kießling die Schlittschuhe bei Länderspielen. „Wir haben schon mal nachgerechnet, eigentlich kann ich es nicht mehr schaffen.“ Inklusive Olympia kommt Evers bei ihrer Rechnung auf 318 Spiele. „Meistens machen wir vor Olympia aber noch ein paar Vorbereitungsspiele“, sagt sie.
Evers hätte nichts dagegen, wenn es exakt drei wären ...

Von Kevin Bieler

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