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Sport Heike Kemmer bei den German-Classics
Sportbuzzer Sport Heike Kemmer bei den German-Classics
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08:10 25.10.2012
Von Jörg Grußendorf
 Dressur-Olympiasiegerin Heike Kemmer freut sich auf die German Classics in Hannover. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Frau Kemmer, am Donnerstag beginnen für die Pferdesportfans die vier tollen Tage von Hannover. Haben die German Classics für Sie als Reiterin den gleichen Stellenwert?

Auf jeden Fall. Es ist einfach ein tolles Turnier, das uns geboten wird.

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Was macht dieses Turnier für Sie so besonders?

Die meisten Prüfungen sind ausverkauft, es herrscht eine sagenhafte Stimmung im Publikum, da geht wirklich die Post ab – und das überträgt sich auf die Reiter.

Diese Lobeshymnen gibt es Jahr für Jahr. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Es gibt ein feststehendes Programm - und dadurch zieht man seine Zuschauer. Es gibt eine ähnliche Veranstaltung in Bremen, da variiert der Veranstalter immer wieder mit seinem Programm, und so gibt es keine Routine. In Hannover wissen Dressurinteressierte sofort, dass Sonnabendnachmittag und Sonntagmorgen die wichtigen Prüfungen anstehen. Das ist verlässlich, darauf kann man sich lange vorher einstellen.

Sie gehörten dennoch zu den Kritikerndes Programms, forderten stets mehr Dressurprüfungen.

Das tue ich immer noch. Doch es ist schwer durchzusetzen, weil die bezahlten SML-Springprüfungen sehr viel Platz wegnehmen. Hannover hätte aber die Möglichkeit, immer wieder die besten Dressurreiter anzulocken, weil die gesamten Bedingungen mit Abreiteplatz und Viereck stimmen. Aber der Veranstalter (gemeint ist der frühere Weltklassespringreiter Paul Schockemöhle, d. Red.) ist ja leider sehr Springsport-lastig (lacht).

Sie waren in den vergangenen Jahren als Zuschauerin, nicht aber als Reiterin dabei. Wie sieht es diesmal aus?

Ich kann leider wieder nicht mitmachen. Zum einen bin ich für den Hannoveraner-Verband in einer Kommission die von Mittwoch bis Freitag in Verden Hengste kört. Das schränkt mich zeitlich sehr ein. Ein Start wäre dennoch zu schaffen...

Aber?

Die bedauerlichere Seite ist, dass ich derzeit kein Pferd habe, das auf Grand-Prix-Niveau, das auf den German Classics verlangt wird, läuft.

Ist denn eines Ihrer Nachwuchspferde so gut, dass Sie in den nächsten Jahren wieder auf dem Niveau starten könnten?

Es sind auf jeden Fall zwei Pferde dabei, die infrage kommen. Zeitlich festlegen möchte ich mich aber nicht.

Sie wollen aber schon – als ehemalige Olympiasiegerin – noch einmal ganz oben angreifen?

Natürlich will ich Pferde noch einmal so weit ausbilden, dass sie ganz oben in die erste Reihe reindrängen. Ob das zu erreichen ist, das steht in den Sternen. Das ist von so vielen Faktoren abhängig. Gesundheit der Pferde, eigene Gesundheit, Glück...

Neben der Ausbildung der Pferde tun Sie sich auch bei der Ausbildung von Reitern hervor. Haben Sie ein großes Talent in Ihren Reihen?

Ja, die Pia Fortmüller, der traue ich einiges zu. Sie startet allerdings für Kanada.

Ihre gute Arbeit auf diesem Gebiet hat sich auch beim deutschen Verband FN herumgesprochen. Sie waren auch als Nachfolgerin des verstorbenen Holger Schmezer als Dressur-Bundestrainerin im Gespräch.

Ich wurde hier in Niedersachsen und überhaupt in Reiterkreisen ganz, ganz oft angesprochen. Ich wurde wohl auch hoch gehandelt. Für mich stand aber sofort fest: Mein Ziel ist es, noch einmal den Versuch zu starten, als Reiterin oben anzugreifen. Ein weiteres Problem ist: Mein Hof und mein Ausbildungsstall laufen nur, wenn ich auch Präsenz zeige. Ich wohne auch auf dem Hof und will mir nicht meine Heimat unter den Füßen wegziehen. Mein Traum wäre es nicht, in einer Mobilwohnung in Warendorf (Sitz der deutschen Reiterlichen Vereinigung FN, d. Red.) zu campieren und nur noch von einem Turnier zum anderen zu ziehen.

Monica Theodorescu hat das auf sich genommen...

Monica hat ihr Standbein in der Nähe von Warendorf, für sie ist das machbar. Sie behält ihre Heimat, ich hätte meine nicht mehr. Wir alle wissen, was Holger Schmezer geleistet hat. Da ist man echt viel unterwegs. Und ich habe mir hier gerade so viel aufgebaut auf meinem Amselhof.

Also wird es nie eine Bundestrainerin Heike Kemmer geben?

Das will ich so nicht sagen. Zumindest in den nächsten vier, fünf Jahren kommt es für mich nicht infrage.

Die Erwartungshaltung und der ständige Druck des Gewinnenmüssens hätte Sie nicht abgeschreckt?

Nein. Ich bin schon zig Jahre im Dressurausschuss, bin nahe dran und kenne das Ganze gut genug. Ich habe sehr eng mit Holger Schmezer zusammengearbeitet und habe seine Ängste und Sorgen mitbekommen. Das ist mir nicht fremd, aber das ist natürlich auch der Monica Theodorescu nicht fremd.

Am Wochenende gucken Sie sich als Zuschauerin in der Messehalle 2 die Dressurprüfungen bei den German Classics an. Wer ist Favorit?

Ich kenne das genaue Teilnehmerfeld noch nicht. Aber Isabell Werth ist dabei – und Isabell muss erst einmal geschlagen werden.

Jörg Grußendorf 24.10.2012
24.10.2012