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Sport Hingucker und Wegschauer - die etwas andere WM-Bilanz
Sportbuzzer Sport Hingucker und Wegschauer - die etwas andere WM-Bilanz
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10:42 13.07.2010
Zakumi auf Jobsuche - was wird jetzt nur aus dem WM-Maskottchen.
Zakumi auf Jobsuche - was wird jetzt nur aus dem WM-Maskottchen. Quelle: dpa
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Am Ende einer Fußball-Weltmeisterschaft, nach 64 Begegnungen in 31 Tagen, nach einem Turnier mit 32 Mannschaften und 736 Spielern, gibt es einen Sieger – sowie viele Gewinner und Verlierer. Ein persönlicher Rückblick auf Glücksritter und Pechvögel, auf Überraschte und Enttäuschte.

Die Gewinner

Der Gastgeber: Den Südafrikanern hatte die Fußballwelt vor der WM nicht viel zugetraut. Sie kriegen die Stadien nicht fertig! Überall wird Chaos herrschen! Und überhaupt wird das keine schöne WM, ist doch Winter dort und kalt und dunkel! Die Vorurteilsliste war lang, aber Südafrika hat alle überrascht und vielleicht ein bisschen auch sich selbst: mit wunderschönen Stadien. Mit einer Organisation, die im Notfall mit dem afrikanischen Improvisationstalent und der Gelassenheit fast alles hinbekam; chaotische Verhältnisse wie am Flughafen „King Shaka“ in Durban vor und nach dem deutschen Halbfinale blieben die Ausnahme. Südafrika punktete mit freundlichen Menschen, die mit einem großen Stolz sich freuten, der Welt ihr wunderschönes Land präsentieren zu können. Es waren am Ende viel weniger Fußballtouristen, als die erhoffte halbe Million: Diejenigen aber, die von Südafrika wieder nach Hause fliegen, werden das Land am Kap anders betrachten als vor ihrer Reise. Ohne Angst und ohne Häme. Ob die WM Südafrika verändert? Vielleicht ein bisschen. Das Bild von Südafrika wird auf jeden Fall anders aussehen. Freundlicher. Bunter. Optimistischer.

Die Bundesliga: In Südafrika können die Menschen während der Bundesligasaison am Wochenende drei bis vier Spiele aus Deutschland schauen; zumindest diejenigen, die es sich leisten können. Während der WM liefen bereits die Werbetrailer für die kommende Spielzeit. Die Bundesliga war praktisch bei jeder WM-Partie in Südafrika dabei. Und sie steht hoch im Kurs wie selten. Mit 61 Akteuren stellte sie nach Englands Premier League (96) die meisten. Mit Arjen Robben, Joris Mathijsen, Mark van Bommel, Eljero Elia und Khalid Boulahrouz standen fünf Spieler von Bundesligaklubs im Finale. Und die jungen deutschen Spieler? Sie sind ausnahmslos bei Bundesligaklubs unter Vertrag. Und längst nicht mehr bereit, beim ersten Millionenangebot aus dem Ausland zu wechseln.

Paul, der Tintenfisch: Von Tintenfischen war bis zur WM nicht viel bekannt, außer dass sie Fischliebhabern schmecken. Paul, der Octopus vom „Sealife“ in Oberhausen, hat einen ganz neuen Blick auf seine Gattung ermöglicht: Tintenfische gelten jetzt als Fußballexperten von Rang. Vor allen sieben deutschen Spielen hat Paul Sieg und Niederlage richtig „getippt“, das Spiel um Platz 3 war Kraken-Pauls jüngster Coup. Wahrscheinlich wird das ZDF nach der WM den Vertrag von Oliver Kahn kündigen (wofür es ohnehin reichlich Argumente gibt wie zum Beispiel das Langweilen des Publikums mit nichtssagenden Analysen) und Paul einstellen. Dann kann sich Kathrin Müller-Hohenstein vielleicht wieder besser konzentrieren. Auch als Chef der „Forschungsgruppe Wahlen“ ist Paul im Gespräch.

Die Elektronik-Branche: Tor ist, wenn der Schiedsrichter pfeift. Das galt bislang als ehernes Fußballgesetz, weil sich der Weltverband FIFA seit Jahren standhaft weigert, mit elektronischen Hilfsmitteln für mehr Gerechtigkeit beim Fußball zu sorgen. Nicht nur wegen des Wembley-Tors von Bloemfontein, sondern wegen zahlreicher kurios-fataler Schiedsrichterentscheidungen hat die FIFA angekündigt, ihren Standpunkt noch einmal zu überdenken. Den Ball mit Chip, der beim Überschreiten der Torlinie ein Signal auf die Uhr des Schiedsrichters sendet, gibt es längst, und er wurde bereits getestet. Kommt er zum Einsatz, steht die Branche vor einem Boom. Und den Stammtischen wird der Diskussionsstoff ausgehen.

adidas: Der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach war im Finale (Spanien) und im Spiel um Platz 3 (Deutschland) vertreten. Als Renner erwies sich dabei das optisch gelungene Deutschland-Trikot: Seit dem Verkaufsstart im November vergangenen Jahres hatte „adidas“ eine Million Trikots an die Händler geliefert – und die mussten während der WM kräftig nachordern. Bis zum Halbfinale waren 1,5 Millionen Trikots verkauft, so viele wie bei der vergangenen WM im eigenen Land insgesamt. Und das, obwohl das in China produzierte Trikot mit 70 Euro kein Schnäppchen ist.

Der V-Pullover: Während der EM vor zwei Jahren verhalf Bundestrainer Joachim Löw dem Hemd zu einer Renaissance. In Südafrika setzte er mit dem V-Pullover einen neuen Trend, dem modebewusste Trainer wie Mirko Slomka von Hannover 96 in der Bundesliga gewiss folgen werden. Dass die Farbe für den Sieg nicht unbedingt eine Rolle spielt, war im Halbfinale gegen Spanien (0:1) zu sehen, bei dem es mit der Magie von Blau zu Ende war.

Die Verlierer

Zakumi oder das unsichtbare WM-Maskottchen: Bei vergangenen Großereignissen waren die Maskottchen Hauptdarsteller, man denke nur an Berlino, Berlins Leichtathletik-WM-Botschafter, der auf der Tartanbahn manchmal umwerfend war, aber niemals zu übersehen. Zakumi dagegen, ein Leopard mit grünen Haaren und braunen Punkten (aber immerhin mit Hose!), tauchte beim Torjubel auf der Anzeigentafel auf, wurde sonst aber offensichtlich in einem Kerker festgehalten, in dem die hässlichsten und rammdösigsten Maskottchen der Welt (Nik, Ato und Kaz von der WM 2002, die kleine Orange Naranjito von der WM 1982, Tip und Tap von der WM 1974) ihr einsames Dasein fristen. Bereits jetzt darf man gespannt sein, was sich die FIFA für das Turnier 2014 in Brasilien ausdenkt. Als Favorit gilt ein kickender Zuckerhut ohne Hose und Punkte, der Pelinho heißt.

„Jabulani“: Der WM-Ball verdarb es sich nicht nur standesgemäß mit den Torhütern, sondern auch mit dem weltbesten Kicker Lionel Messi, der die Kugel öffentlich kritisierte. Das Besondere daran: Messi ist der Werbestar von der Firma adidas, aus dessen Hause die Kugel kommt. Der wie immer als bester Ball aller Zeiten angepriesene „Jabulani“ (Kaufpreis 119 Euro) geriet bei der WM wegen merkwürdiger Flugbahnen derart in die Kritik, dass sich die FIFA genötigt sah, das Ballthema nach der WM auf die Tagesordnung zu setzen. Wissenschaftler haben für die eigenwilligen Flüge des „Jabulani“ eine interessante Erklärung gefunden: Der Ball ist zu rund. Im Endspiel in Johannesburg wurde der „Jabulani“ gestern ausgemustert und durch „Jo’bulani“ ersetzt, allerdings war nur das Aussehen anders. In der Bundesliga fliegt von der kommenden Saison an die „Torfabrik“, ein Bruder von „Jabulani“.

Schiedsrichter: Die einen zückten Gelbe Karten, als wollten sie in den ersten zehn Minuten am liebsten alle Spieler verwarnt haben, andere schauten weg, wenn sich der Stollenschuh in den Knöchel drehte. Was immer die Linie der Unparteiischen sein sollte bei dieser WM, zu erkennen war sie nicht. Dass die FIFA Referees vor großen Turnieren mit dem Hinweis auf ein Dutzend Kleinigkeiten verwirrt, ist nicht neu. Dass sich so viele Referees verwirren lassen, dagegen sehr wohl. Bei einer WM sind die besten Spieler der Welt. Das sollte auch für die Schiedsrichter gelten.

Vuvuzelas: Die Krachmacher-Tröten waren nichts für europäische Ohren. Fernsehanstalten reagierten auf die nervige Dauerbeschallung – wahlweise als Elefantenherde oder Hornissenschwarm empfunden – während der TV-Übertragung mit Vuvuzela-Filtern. Auch auf deutschen Fanmeilen wurden die Plastiktröten weniger gern gesehen. Die Ausrichter der Olympischen Spiele in London in zwei Jahren haben bereits ein Vuvuzela-Verbot angekündigt. In Pretoria musste der deutsche Mannschaftsbus auf dem Weg zum Stadion stets an einem riesigen Plakat vorbei, dass einen Südafrikaner mit Vuvuzela zeigte und den Spruch „Make Noise“ (Mach Krach). Als „Bafana Bafana“, Südafrikas Nationalteam, in der Vorrunde gescheitert war, wurde es ruhiger.

Nike: In dem aufwendigen und originellen WM-Spot „Write the future“ von Oscar-Preisträger Alejandro Gonzalez Iñarritu hatte der amerikanische Sportartikelhersteller in den Hauptrollen auf den Italiener Fabio Cannavaro, den Portugiesen Cristiano Ronaldo, die Brasilianer Kaka und Robinho, den Engländer Wayne Rooney sowie den Franzosen Franck Ribery gesetzt – und damit in allen Fällen eine Niete gezogen. Als die WM spannend wurde, war kein Nike-Star mehr dabei.

DFL: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) kennen nicht viele. Das gefällt ihren Funktionären nicht. Ausgerechnet auf dem Höhepunkt der WM-Euphorie in Deutschland verschaffte sich die Drei-Buchstaben-Organisation mehr Aufmerksamkeit dank ihres Chefs Reinhard Rauball, der sich mit der Mahnung zu Wort meldete, dass die „Nationalelf kein eigener Verband werden darf“. Bundestrainer Joachim Löw und Manager Oliver Bierhoff reagierten mit Unverständnis. Dass das F in DFL für Fettnäpfchen steht, ist allerdings nur ein Gerücht.

Die FIFA-Statistiker: Rund 3,1 Millionen Stadionbesucher (Schnitt knapp 50 000 pro Partie) soll es bei den 64 Spielen in Südafrika gegeben haben. „Wir sind begeistert über den Fan-Ansturm“, sagte ein FIFA-Sprecher. Mit den Beobachtungen in den Stadien deckte sich das nicht, selbst bei Topspielen wie Deutschland gegen England waren auf den Tribünen freie Plätze nicht zu übersehen, vor den VIP-Logen saß manchmal kaum jemand. FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke hatte vor dem Turnier versprochen, dass „es nicht einen einzigen freien Platz in den Stadien geben wird“. Doch voll ist, wenn es die FIFA sagt, die übrigens die Laufleistung jedes Spielers auf den Meter genau ausrechnen kann.

Aus Pretoria berichtet Heiko Rehberg

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