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Sport „Es geht um begeisternden Fußball“
Sportbuzzer Sport „Es geht um begeisternden Fußball“
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21:38 23.09.2013
Von Norbert Fettback
Einsatzkräfte beim Dienst im Fußballstadion. Quelle: dpa
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Hannover

Am Rande des Nordderbys zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen musste die Polizei am Sonnabend rivalisierende Fangruppen beider Bundesligisten trennen. Hooligans von Borussia Dortmund haben am gleichen Tag einen Bus mit Anhängern von Preußen Münster, darunter Frauen und Kinder, überfallen und einen Fan verletzt. In Darmstadt fielen derweil Unterstützer des FC Hansa Rostock beim Drittligaspiel übel aus der Rolle, als sie erst Toiletten in Brand setzten und danach Polizisten mit Flaschen und Steinen bewarfen. Die Folge hier: mehrere Verletzte, 15 vorläufige Festnahmen.

Es sind Meldungen wie diese, die den Fußball immer wieder in ein schlechtes Licht rücken und zugleich Befürchtungen nähren, die Sicherheit von Zuschauern sei nicht ausreichend gewährleistet. Das Problem ist vielschichtig, und hier setzt die sogenannte KompetenzgruppeFankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“ (KoFaS) an, die 2012 an der Leibniz Universität Hannover auf Initiative von Gunter A. Pilz gebildet wurde und gestern eine erste Bilanz zog. Das Spektrum ist vielschichtig, eins aber steht besonders im Blickpunkt: die Entwicklung übergreifender Präventionsstrategien. Auch deshalb, damit „Sportveranstaltungen Erlebnisse für die ganze Familie bleiben“, wie Boris Pistorius, Minister für Inneres und Sport in Niedersachsen, auf der Veranstaltung sagte.

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Gemeint ist damit nicht nur die 1. Liga, wo es in Niedersachsen mit dem Aufstieg von Eintracht Braunschweig „das dichteste Fußball-Dreieck in der höchsten deutschen Spielklasse“ gibt, wie Erich Barke, Präsident der Leibniz-Universität, anmerkte. Derbys, wie das am 8. November zwischen Hannover 96 und Braunschweig, beschäftigen somit auch die hannoverschen Forscher. Dabei setzen sie nicht zuletzt auf Dialogbereitschaft zwischen allen, für die ein solches Spiel aus unterschiedlichstem Blickwinkel etwas Besonderes ist: Fußballanhänger der jeweiligen Klubs, Vereine und Polizei. Die sieben Wissenschaftler der KoFaS können sich dabei der Unterstützung aus der Politik sicher sein. „Nur mit repressiven Maßnahmen der Polizei werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen“, sagte Pistorius. „Wir werden reden müssen, um deutlich zu machen, worum es letztlich geht: um Fußball, der begeistert.“ Gewisse Regeln dabei seien aber „nicht disponibel“.

Dies umzusetzen, dürfte eine ziemliche Herausforderung bedeuten. Pistorius spricht davon, dass sich die Fanszene deutlich verändert habe und noch mehr unterschiedliche Strömungen auszumachen seien. Die Ultra-Szene sei „bisweilen diffus und unorganisiert“. Andererseits sei in den Stadien zu beobachten, dass sich friedfertige Anhänger in stärkerem Maße von gewaltbereiten distanzierten. Diese Entwicklung gelte es zu unterstützen.

Beim 1. FC Köln hat die KoFaS in dieser Hinsicht schon Vorarbeit geleistet. Pilz verwies auf das in Hannover entwickelte Konzept, wie die Konflikte zwischen dem Verein und bestimmten Fan- gruppen gelöst werden könnten.

Derartige Projekte dienen nicht nur der Sicherheit. Pistorius merkte gestern an, dass bundesweit etwa ein Drittel der Einsatzzeiten, die auf die Bereitschaftspolizei entfallen, mit Fußballspielen zu tun haben. Auch das gibt zu denken.

Stichwort: KoFaS

Hinter dem Kürzel KoFaS verbirgt sich die KompetenzgruppeFankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“, die 2012 an der Leibniz Universität Hannover gegründet wurde – ein einmaliges Projekt in Deutschland. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, zur Gewaltprävention im Fußball Ansätze zu erarbeiten und zu erproben. Dabei soll das soziale Potenzial, das der Sport bietet, genutzt werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei, den Austausch zwischen Fans, Vereinen, Verbänden und der Polizei zu verbessern. Für Forschung und Beratung stehen der KoFaS derzeit 500.000 Euro zur Verfügung. Das Geld kommt vor allem vom Land Niedersachsen und von der Sparda-Bank Stiftung Hannover. In einer eigenen KoFaS-Schriftenreihe ist unter dem Titel „Sport, Fairplay und Gewalt“ gerade der 1. Band erschienen.

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