Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sport Internationale Sportverbände reagieren auf Tragödien in Japan
Sportbuzzer Sport Internationale Sportverbände reagieren auf Tragödien in Japan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:06 14.03.2011
Die Eiskunstlauf-WM in Tokio wurde verschoben. Quelle: dpa (Archivbild)
Anzeige

Die verheerenden Naturkatastrophen in Japan haben zu ersten großen Änderungen im internationalen Sportkalender geführt. Nach tagelanger Ungewissheit wurde am Montag die Eiskunstlauf-WM in Tokio (21. bis 27. März) verschoben. Die japanische Fußball-Liga „J-League“ sagte sogar alle Spiele im März ab. Angesichts der Tragödie sei der Sport absolut nebenrangig.

Deutsche Judokas brachen ihr Trainingslager in Japan ab, deutsche Tanzsportler sprachen nach ihrer kurzfristig anberaumten Rückkehr von einem „Horrortrip“. Auch Formel 1-Rekordweltmeister Michael Schumacher war „total geschockt und voller Horror“.

Anzeige

Die Internationale Eislauf-Union (ISU) hat nach eigenen Angaben aus juristischen Gründen lange gezögert. „Wir müssen das ganz vorsichtig behandeln. Die Japaner haben die WM selbst abgesagt, das ist wichtig für die Rechtslage, denn wir haben auch Verträge einzuhalten“, sagte ISU-Eventmanager Peter Krick der Nachrichtenagentur dpa. Zu einer definitiven Absage oder einer Verlegung in ein anderes Land konnte sich die ISU nicht durchringen.

Angesichts der Trauer der Betroffenen in Japan könne man so eine Veranstaltung nicht einfach in ein anderes Land geben. „Man kann nicht so zur Tagesordnung übergehen. Natürlich gibt es Verbände, die ad hoc einsteigen würden“, sagte Krick. Die Organisatoren in Japan müssten zunächst überprüfen, ob die Stromversorgung für eine mögliche Verschiebung der WM ausreiche und die Sicherheitslage es zulasse. „Bisher ist unsere ganze Technik noch in Tokio“, erklärte Krick.

Diskutiert werde eine WM in Yokohama, wo die Team-Trophy im April stattfinden soll. In der nahe Tokio gelegenen Stadt könnten beide Wettbewerbe zusammengelegt werden. Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) war von den Gedankenspielen überrascht. „Ich kann mir das im Moment nicht vorstellen“, sagte DEU-Vizepräsidentin Elke Treitz der dpa.

In der populären J-League ist an einen Spielbetrieb derzeit überhaupt nicht zu denken. Die Fußballer werden in diesem Monat keine Partien mehr bestreiten, teilte der Liga-Vorsitzende Kazumi Ohigashi mit. Nach einem Gespräch mit dem Club-Chef von Vegalta Sendai berichtete der Liga-Funktionär, das Stadion und die dazugehörige Anlage seien völlig zerstört worden. Das Team habe sich praktisch aufgelöst. Derzeit gehe es in der besonders schwer betroffenen Region nicht um Training oder Spiele, sondern nur um das Überleben. Die Hafenstadt Sendai liegt rund 130 Kilometer westlich des Erdbeben-Epizentrums.

Nach den neuesten Schreckensmeldungen vom Kernkraftwerk Fukushima entschied der Deutsche Judo-Bund (DJB), seine Sportler nach Hause zu holen. Die Frauen landeten am Montagmittag in Düsseldorf, die Männer warteten in Südkorea auf ihren Weiterflug. „Die Sache mit dem Reaktor ist der Punkt, an dem man sagen muss: Jetzt sollte man schnellstmöglich weg von hier“, hatte Bundestrainer Michael Bazynski der dpa telefonisch kurz vor der Rückreise gesagt.

Auch deutsche Tanzsportler sind unter schwierigsten Umständen aus Fernost zurückgekehrt. Wie der Deutsche Tanzsportverbands mitteilte, lautete der einhellige Tenor der jungen Athleten nach ihrer Ankunft in Deutschland: „Vollkommen erschöpft, aber überglücklich, endlich wieder zu Hause zu sein.“ Der Verband schrieb, die Tänzerinnen und Tänzer stünden noch immer unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse. Sie würden die Reise als „Horrortrip“ in Erinnerung behalten.

dpa

Mehr zum Thema

Zehn deutsche Atomtechniker, die sich während des Erdbebens im Katastrophenreaktor Fukushima aufgehalten hatten, sind wieder wohlbehalten zurück in Deutschland. Sie erzählen von ihrer Angst - und von der Gelassenheit, die sich trotz allem eingestellt habe.

25.03.2011

Vielen Japanern fehlt es auch außerhalb des eigentlichen Katastrophengebiets an dem Wichtigsten: Strom, Brot und Benzin. Am Tag 4 nach Erdbeben und Tsunami sind Tausende Tote gezählt, viel mehr Menschen werden vermisst. Trotz aller Disziplin wächst das Chaos.

25.03.2011

In Japan stehen drei Reaktorblöcke auf der Kippe. Erneut kam es zu einer Explosion, zeitweise waren die heißen Uranbrennstäbe ohne Kühlung. Unter dem Eindruck der Krise setzte die Bundesregierung ihren Beschluss für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken aus. Alle Infos zur Krisen-Situation in Japan im Live-Ticker.

25.03.2011