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Sport „Mutti“ will nicht zahlen
Sportbuzzer Sport „Mutti“ will nicht zahlen
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09:55 05.04.2014
Von Heiko Rehberg
Foto: Wer war eigentlich auf die Idee gekommen, dass die Bundesregierung Fußballtrikots mitfinanzieren soll?
Wer war eigentlich auf die Idee gekommen, dass die Bundesregierung Fußballtrikots mitfinanzieren soll? Quelle: Alexander Hassenstein
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Hannover

Die Große Koalition ist gerade dabei, Geschenke unters Volk zu bringen: Mütterrente, Mindestlohn, von 2016 an ein höheres Kindergeld. So macht man sich beliebt.

Und doch droht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) demnächst ein Pfeifkonzert, denn ausgerechnet Fußballfan Merkel, nach siegreichen Spielen gerne zu Gast in der Kabine der deutschen Nationalelf, will den deutschen Fans vor der  Weltmeisterschaft in Brasilien finanziell nicht unter die Arme greifen. Skandal!

„Kein staatlicher Rabatt für WM-Trikots“, titelte am Freitag um 13.29 Uhr die Deutsche Presse-Agentur, und man musste kurz auf das Datum schauen. Nein, es war nicht der 1. April, sondern der 4. April, also war diese Meldung kein Scherz. In nüchterner Agentursprache hieß es weiter: „Einer staatlich verordneten Preissenkung für die Weltmeisterschaftstrikots der DFB-Elf erteilte Regierungssprecher Steffen Seibert eine Absage. Die Festsetzung der Trikotpreise sei eine privatwirtschaftliche Entscheidung, betonte Seibert am Freitag in Berlin.“

Wer aber war eigentlich auf die Idee gekommen, dass die Bundesregierung Fußballtrikots mitfinanzieren soll? Warum musste sich ein Regierungssprecher offiziell zu etwas äußern, das komplett irrwitzig klingt: Rabatt für WM-Trikots. Müsste es dann nicht auch Rabatt auf Schlittschuhe geben, wenn die Eiskunstlauf-WM auf dem Programm steht? Oder im Winter Skier zum Sonderpreis bei der alpinen WM, alles finanziert aus dem Topf von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)?

Der Anstoß zu der Debatte kommt von der Insel. Der britische Premierminister David Cameron hatte geäußert, dass er das englische Nationaltrikot mit einem Preis von umgerechnet 110 Euro für zu teuer hält, und ein „Überdenken“ der Preise für britische Nationalmannschaftstrikots  gefordert. Als Vater eines fußballverrückten Achtjährigen wisse er um den enormen Druck, der auf Eltern laste, dem Nachwuchs immer das neueste Trikot zu kaufen, sagte Cameron. Dem Hersteller Nike legten der Premier und seine Sportministerin Helen Grant eine Preissenkung ans Herz.

Dabei haben es englische Fans vergleichsweise gut. Im Fanshop des Deutschen Fußball-Bundes kosten die Adidas-Trikots 59,95 Euro in Kindergröße und 119,95 Euro für ausgewachsene Fußballfans. Doch auf Hilfe der Kanzlerin können Fans nicht zählen. Die Frage, ob man ein Trikot zu diesem Preis kauft, sei „eine typische Eltern-Entscheidung, in die die Bundesregierung nicht eingreifen sollte“, sagte Sprecher Seibert. Schade, denn „Mutti“, wie Merkel manchmal flapsig genannt wird, hätte viele Mütter glücklich machen können.

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