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Sport Lahm bringt anderen Führungsstil
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19:48 31.05.2010
Nach außen Diplomat, nach innen redet er Klartext: Philipp Lahm hat sich in seiner neuen Rolle als Kapitän schnell zurechtgefunden.
Nach außen Diplomat, nach innen redet er Klartext: Philipp Lahm hat sich in seiner neuen Rolle als Kapitän schnell zurechtgefunden. Quelle: dpa
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Der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft trägt nicht eine Mütze wie der Kapitän eines Schiffes oder Flugzeuges. Auf dem Platz kennzeichnet ihn eine kleine schwarz-rot-goldene Binde, die er am linken Arm befestigt. Auf dem Podium im Pressezelt in Eppan hat Philipp Lahm nichts um, was ihn als neuen Kapitän der Mannschaft kennzeichnet. Und trotzdem ist weder zu übersehen noch zu überhören, dass Lahm eine neue Rolle im Nationalteam spielt. Bei den Fotografen, die sich vor dem Podium auf dem Boden drängeln für ein Bild, ist ein neuer Rekord erreicht, 20, 25 sind es locker. Und Lahm hat bereits verinnerlicht, wie ein Kapitän sprechen muss. Er vermeidet das Wörtchen „ich“ und spricht, wann immer es geht, von „wir“. Der erste Eindruck: Lahm wird in dieser Hinsicht ein vorbildlicher Kapitän.

Der 26-Jährige hat schnell begriffen, wie der erste Vertreter einer Mannschaft auftreten muss. Er hat nicht den dominanten Führungsstil von Michael Ballack, der nie davon geredet hätte, wie wichtig der Mannschaftsrat sei und dass er „engen Kontakt“ zu Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose, Per Mertesacker und Arne Friedrich halten will. „Wir diskutieren die Anliegen der Mannschaft, und ich bin am Ende der, der es dem Trainerstab übermittelt.“

Lahm hat bei der EM 2008 zu den Spielern gehört, die Ballacks Ansprache manchmal zu negativ fanden. „Ich bin überzeugt, dass eine Gruppe in erster Linie über eine positive Ansprache funktioniert“, sagt Lahm. Er will auch Fehler „deutlich ansprechen, das ist sogar sehr, sehr wichtig. Aber man darf ruhig auch mal sagen, was gut läuft.“ Ohne den Namen seines Vorgängers zu nennen, positioniert sich Lahm als der Anti-Ballack.

Dass ein Kapitän immer optimistisch sein muss, weiß Lahm auch, das fällt ihm von seinem Naturell her nicht besonders schwer. Wenn es dunkel aussieht, müssen Trainer und Kapitän auf das Licht am Ende des Tunnels hinweisen, selbst wenn es sonst niemand bemerkt hat. Diese Lektion hat Lahm ebenfalls bereits mit Bravour hinter sich. Als er auf das Verletzungspech angesprochen wird, auf den WM-Ausfall von Rene Adler, von Ballack, Christian Träsch und zuletzt Heiko Westermann, sagt Lahm, dass „es natürlich hart ist für die Spieler. Aber für uns geht es normal weiter. Wir dürfen uns davon nicht beeinflussen lassen.“

Nach vorn schauen, Optimismus verbreiten, Zweifel zerstreuen: Lahm geht die Sache an, zum Beispiel, als er gefragt wird, ob es nicht an der Zeit sei, angesichts der vielen Ausfälle und der jungen Spieler das Ziel für die WM in Südafrika zu korrigieren. „Wir haben immer noch eine Mannschaft, die qualitativ hochwertig ist“, sagt er in bester Diplomatensprache, „die Mannschaft ist immer noch auf einem absoluten Topniveau. Sie kann sehr, sehr weit kommen.“ Auf die Nachfrage, wie weit denn „sehr, sehr weit“ sei, sagt Lahm: „Unser Ziel bleibt das Halbfinale, aber wir wollen natürlich mehr.“

Ganz neu ist die Kapitänsrolle für den Münchener übrigens nicht, auch wenn er damit kokettiert, dass er die Binde zuletzt bei FT Gern getragen habe, „da war ich zehn oder elf Jahre alt“. Tatsächlich war Lahm bereits Kapitänsersatz in Länderspielen gegen China und die Elfenbeinküste. Das Tauschen der Wimpel vor dem Spiel muss Lahm jedenfalls nicht üben. „Keine Sorge, das kriege ich hin“, sagt er. In der Champions League mit dem FC Bayern, bei dem er Vizekapitän ist, hat er das bereits einige Male gemacht. Da tausche man auch Wimpel, erzählt Lahm und sagt: „Da ging auch alles glatt.“

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