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Sport „Die schwersten Tage der Leichtathletik-Geschichte“
Sportbuzzer Sport „Die schwersten Tage der Leichtathletik-Geschichte“
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08:10 11.11.2015
Von Manuel Becker
Muss aufklären: Verbandspräsident Sebastian Coe.
Muss aufklären: Verbandspräsident Sebastian Coe. Quelle: afp
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Hannover

Wem kann man noch glauben? Und was kann man glauben? Diese Fragen stellen sich nicht nur Fußball-Fans dieser Tage. Nach dem Report der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zu „staatlich gestütztem Doping“ in Russland steht die Glaubwürdigkeit der gesamten Leichtathletik auf dem Spiel - ausgerechnet im Jahr vor den Olympischen Spielen in Rio. „Wir erleben die schwersten Tage der Leichtathletik-Geschichte“, sagte gestern Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Laut Wada sollen sich acht russische Athleten gegen hohe Summen von einer möglichen Sperre freigekauft haben. Anschließend starteten sie bei den Spielen in London 2012, ein Sportler wurde laut „Sunday Times“ Olympiasieger, ein weiterer soll Silber gewonnen haben.

Gestern suspendierte die Wada das Moskauer Anti-Doping-Labor. Laborchef Grigori Rodschenko wurde als „Helfer und Mittäter“ bei den illegalen Maßnahmen bezeichnet - mehr als 1400 Dopingproben sollen beseitigt worden sein. Zudem wurden weitere Forderungen nach dem Ausschluss russischer Leichtathleten von den Spielen 2016, die am Montag schon die Wada-Ermittlungskommission gefordert hatte, laut. Der russische Leichtathletik-Verband Araf erklärte derweil, zu einer „ernsthaften strategischen Partnerschaft“ mit dem Weltverband IAAF bereit zu sein. Man wolle in Kürze einen Maßnahmenkatalog vorlegen, der ein Programm von Anti-Doping-Maßnahmen, Schritte für deren Durchführung sowie eine Antwort auf die Ergebnisse und Schlussfolgerungen der unabhängigen Wada-Kommission beinhaltet. „Wir verbannen Dopingsünder, ohne Rücksicht auf Titel oder Ergebnisse“, hieß es vonseiten der Araf.

Aber wieder stellt sich die Frage: Was kann man glauben? Zumal der Kreml gestern Vormittag verlauten ließ, er halte die schweren Vorwürfe der Doping-Ermittler gegen die russische Leichtathletik für unbewiesen und nicht stichhaltig. Russlands Sportminister Witali Mutko, der laut Wada-Report das verbreitete Doping mit gedeckt haben soll, sei daher auch weiter amtierender Minister „solange nicht irgendwelche Beweise genannt werden“.

Dazu passt auch die Nachricht von Wladimir Kasarin, dem Trainer der betroffenen Olympiasiegerin, bei der es sich um 800-Meter-Läuferin Maria Sawinowa handeln soll. Kasarin bekräftigte, dass sich Sawinowa auf die kommende Saison vorbereite und sie nach ihrer Mutterschaftspause gerne an den Olympischen Spielen 2016 in Rio teilnehmen wolle.

Die Moskauer Zeitung „Sport-Express“ sieht dagegen eine „reale Gefahr, dass unsere russischen Leichtathleten auf die Olympiade verzichten müssen“. Die Frage nach den Konsequenzen wird in erster Linie der Präsident des Weltleichtathletikverbandes (IAAF), Sebastian Coe, beantworten müssen, der den Bericht als „alarmierend“ bezeichnet hatte. Er gab Russland bis zum Wochenende Zeit, auf den Report zu antworten. „Coe muss jetzt eine klare Kante zeigen“, sagte DLV-Präsident Prokop gestern. Er stehe vor Herausforderungen, mit denen noch kein IAAF-Präsident konfrontiert war.

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