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Sport Löw plant Angriff ohne Stürmer in Kasachstan
Sportbuzzer Sport Löw plant Angriff ohne Stürmer in Kasachstan
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00:16 24.03.2013
Von Heiko Rehberg
Jung, selbstbewusst – und kann auch Stürmer: Mario Götze, gelernter Mittelfeldmann.
Jung, selbstbewusst – und kann auch Stürmer: Mario Götze, gelernter Mittelfeldmann. Quelle: dpa
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Hannover/Astana

Mario Gomez hat gestern noch einmal energisch Gerüchten widersprochen, dass er vom Aussterben bedroht sei. Natürlich nicht er selbst, keine Aufregung, sondern seine Rolle als richtiger Stürmer. „Mindestens 95 Prozent der Topteams im Weltfußball spielen immer noch mit einem richtigen Stürmer“, sagte Gomez, „und 99 Prozent der Trainer sind froh, wenn sie einen richtigen Killer im Team haben.“ Die Formulierung mit dem „Killer“ sei Gomez dabei ausnahmsweise verziehen.

Die Werbung für sich und die „richtigen Stürmer“ dürfte für das heutige WM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Kasachstan (19 Uhr, live im ZDF) allerdings zu spät gekommen sein. Statt Gomez wird vermutlich Mario Götze den einzigen Platz im Angriff besetzen – der Dortmunder ist ein Mittelfeldspieler. „Angriff ohne Stürmer“, titelte gestern das Fachmagazin „kicker“ und sprach von einem „Null-Stürmer-Plan“, den Bundestrainer Joachim Löw ausgeheckt habe. Ein Plan, den die Spanier, Löws großes Vorbild, bereits einige Male in die Tat umgesetzt haben. Und den in der Bundesliga immer mehr Klubs nachahmen.

Null Stürmer ist eigentlich nicht ganz korrekt. Löw wird heute gegen das alles andere als furchterregend starke Kasachstan nicht ohne Stürmer spielen, sondern nur ohne gelernten Stürmer. Oder – noch so ein unschöner Begriff aus der Fußballfachsprache – ohne Stoßstürmer. Oder ohne richtigen Stürmer. Oder mit einem falschen Neuner. Begriffe gibt es viele für diese Taktik, wobei man wissen muss, dass die Zahl 9 im Fußball für den klassischen Mittelstürmer wie früher Gerd Müller steht. Oder mit kleinen Unterschieden heute für einen wie Gomez.

Das System mit einem Mittelfeldspieler ganz vorne drin will der Bundestrainer bis zur Weltmeisterschaft zur Betriebsreife bringen und seine Mannschaft damit unberechenbarer für die Gegner machen. Bislang hat Löw relativ starr auf ein sogenanntes 4-2-3-1-System gesetzt, das international derzeit groß in Mode ist und das in der Bundesliga mehrere Klubs spielen, unter anderem Bayern München und Borussia Dortmund.

Bei diesem System sollte „die zentrale Sturmspitze in jedem Fall auch Qualitäten als Strafraum-Stürmer beziehungsweise klassischer Mittelstürmer haben“, sagt der Taktikexperte Erwin Kaussner, der in seinem Buch „Taktik im Fußball“ die Spielsysteme analysiert hat. Und damit ist man mittendrin in Löws Problem und bei der Erklärung, warum er nach Alternativen sucht. Löw hat Miroslav Klose und Gomez und Stefan Kießling – und sonst nichts. Klose wird bei der WM in Brasilien 36 Jahre alt sein, zudem ist er verletzungsanfällig. Gomez ist beim FC Bayern kein Stammspieler. Und Leverkusens Kießling ist zwar derzeit der treffsicherste Bundesligastürmer, aber Löw hält ihn international für zu schlecht und hat ihn erneut nicht nominiert.

Ganz vorne mangelt es an Klasse und Masse, im Mittelfeld dagegen weiß der 53-Jährige gar nicht wohin mit den ganzen hochbegabten Offensivspielern. Götze, Mesut Özil, Marco Reus, Thomas Müller, Lukas Podolski, André Schürrle, Julian Draxler: Das alles sind Spielertypen, wie sie Löw sich wünscht, „beweglich und vielseitig“ – und als Aushilfe für den Angriff geeignet. 

Dass bis auf Spanien keine andere der führenden Fußballnationen wie Frankreich, Italien, England, Niederlande, Brasilien oder Argentinien auf ein System mit falschem Neuner setzt, irritiert Löw keineswegs. Ganz im Gegenteil. Gerade weil die Konkurrenz diese Variante nicht im Angebot hat, will er sie bis 2014 eingeübt haben. Der Bundestrainer ist schließlich immer noch auf der Suche nach dem „Tick“, der seiner Elf in der Vergangenheit zum Titelgewinn gefehlt hat ...

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