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Sport Manfred Amerell
 und der DFB einigen sich
 außergerichtlich
Sportbuzzer Sport Manfred Amerell
 und der DFB einigen sich
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22:05 04.03.2010
Manfred Amerell im Verhandlungssaal des Landgerichts München (Amerell und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben sich in ihrer Auseinandersetzung um angebliche sexuelle Übergriffe außergerichtlich geeinigt.
Manfred Amerell im Verhandlungssaal des Landgerichts München (Amerell und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) haben sich in ihrer Auseinandersetzung um angebliche sexuelle Übergriffe außergerichtlich geeinigt. Quelle: dpa
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DFB-Präsident Theo Zwanziger möchte die pikante Akte schließen, doch Manfred Amerell will von einem Schlusspfiff im Schiedsrichter-Skandal noch lange nichts wissen. Der ehemalige Referee-Funktionär und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schlossen am Donnerstag nach einem dreieinhalbstündigen Gütegespräch im Münchener Justizpalast zwar einen außergerichtlichen Vergleich. Nach der Beschluss-Verkündung vor dem Landgericht München I erhielt Amerell aber die von ihm angestrebte Einsicht in die eidesstattlichen Erklärungen der vier ihn beschuldigenden und bisher anonymen Schiedsrichter und erfuhr dabei auch deren Namen, die er aber nicht veröffentlichen darf. Eine Zuwiderhandlung wird mit 25.000 Euro Geldbuße bestraft.

Amerells Anwalt Jürgen Langer hatte zuvor den Unterlassungsantrag zurückgezogen. Der DFB darf also weiter öffentlich behaupten, Amerell habe in der Vergangenheit mehrere Schiedsrichter sexuell bedrängt und/oder belästigt.

„Ich bin zufrieden mit dem Tag. Der Sinn der Sache war, dass wir die Namen kriegen“, sagte Amerell, der froh über das Ende des „Versteckspiels“ war: „Ich weiß jetzt, wer das ist – und das ist gut so.“ Amerell kündigte gestern Abend bereits an, Strafanzeige gegen die Belastungszeugen des DFB stellen zu wollen. Dies könnte der Angelegenheit eine völlig neue Wendung geben. Dem von Justiziar Jörg Englisch und dem Berliner Medienanwalt Christian Schertz vertretenen DFB droht nun möglicherweise ein Strafprozess – dem Verbandspräsident Zwanziger gelassen entgegensieht. „Der DFB hat korrekt gehandelt“, sagte er. „Es gibt klare Ergebnisse, die Transparenz ist da. Der DFB ist kein Verband, in dem versteckt und gemauschelt wird.“

Zwanziger, der im Landgericht nicht persönlich vertreten war, hatte am Vortag seine Zukunft als Präsident mit dem Ausgang der Auseinandersetzung mit Amerell verknüpft. „Wenn wir diesen Prozess verlieren, muss ich selbstverständlich sofort von meinem Amt als DFB-Präsident zurücktreten. Dieser Fall träte ein, wenn die Aussagen aller jungen Schiedsrichter, die wir zu schützen haben, und ihre eidesstattlichen Erklärungen falsch wären“, sagte Zwanziger.

Amerell hatte im Vorfeld der Einigung erneut Michael Kempter, der weiter die Rückendeckung des DFB genießt, aber am Wochenende wohl doch nicht wie ursprünglich geplant eine Zweitligapartie leiten soll, scharf attackiert. „Kempter hat mich für seine eigenen Motive, für seine Karriere benutzt“, sagte Amerell dem TV-Sender SAT.1: „Ich unterstelle Kempter, dass er in einer Dreistigkeit lügt, wie ich es in meinem Leben noch nicht gehört habe.“

Trotz der wiederholten Vorwürfe gegen Amerell sieht die Staatsanwaltschaft Augsburg laut „Spiegel online“ bislang keinen Anfangsverdacht. Dieser ist nötig für die Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens. „Die Hinweise sind dafür nicht konkret genug“, sagte Pressesprecher Matthias Nickolai. „Wir prüfen weiterhin die Sachlage“, sagte Nickolai und bestätigte, dass ein sogenanntes Vorermittlungsverfahren gegen Amerell anhängig sei.

Beim DFB wird unterdessen über einen außerordentlichen Verbandstag am
30. April diskutiert. Dort soll auch über Änderungen im Schiedsrichterwesen beratschlagt werden. So oder so gilt bei dem teilweise undurchsichtigen Fall: Fortsetzung folgt.

dpa