Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sport Maradona: „Wir haben keine Zeit an Schweinsteiger zu denken"
Sportbuzzer Sport Maradona: „Wir haben keine Zeit an Schweinsteiger zu denken"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:10 01.07.2010
Lässt sich nicht provozieren: Diego Armando Maradona.
Lässt sich nicht provozieren: Diego Armando Maradona. Quelle: dpa
Anzeige

Die verbalen Angriffe von Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm & Co. konterte Diego Maradona auf die feine Art - richtig beantworten wollen er und sein Team die Provokationen dann in der Neuauflage des WM-Viertelfinales von 2006. „Wir haben keine Zeit an Schweinsteiger zu denken. Meine Jungs denken nur an das Spiel und die Möglichkeit, eine Revanche zu haben“, sagte Argentiniens Trainer mit Blick auf den Elfmeter-Krimi von Berlin. Damals schmorte Lionel Messi auf der Bank - vor dem Deutschland-Spiel wurde er beim Training am Donnerstag zurück ins Zimmer geschickt. Zwar wollte der Super- Kicker mitmachen, aber wegen eines grippalen Infekts ging sein Coach kein Risiko ein.

Maradona ist voll auf das Spiel am Samstag in Kapstadt fokussiert, deshalb wischte er die DFB-Grätschen auch schnell vom Tisch. „Es interessiert mich nicht, was sie über Elfmeter oder Tritte sagen“, oder dass man ein schlechter Verlierer sei, entgegnete der Star- Coach. „Wir werden Deutschland attackieren, gewinnen und das ist es, was Schweinsteiger nervös macht.“

Bei den „Gauchos“ war der Medienandrang riesengroß. Mehrere hundert Journalisten kamen zu den wenigen öffentlichen Trainingsminuten in Pretoria. Messi war nicht zu sehen und schnell fragten sich die Reporter, ob der Offensiv-Künstler ernsthaft krank ist oder ob das nur eine Reaktion Maradonas darauf war, dass auch im deutschen Lager Mesut Özil und Lukas Podolski nicht mittrainierten. Vielleicht war es auch nur ein kleines Poker-Spielchen um die Deutschen in Sicherheit zu wiegen.

Maradona, der Kritik an Innenverteidiger Martin Demichelis zurückwies, betonte, keine „große Sorge“ vor der Partie am Samstag in Kapstadt zu haben. Das werde ein ganz anderes Spiel als das damals sein, denn jedes Match sei anders, sagte der Coach, der hofft, dass Lionel Messi sein erstes WM-Tor bei diesem Turnier erzielt.

Nach außen hin gibt sich das Team um Zauberer Messi vor dem WM- Klassiker im Viertelfinale cool. Aber die Schweinsteiger’schen Provokationen in bester Uli-Hoeneß-Manier haben die „Gauchos“ hinter den Kulissen schon geärgert. Dass Lahm sie dann am Donnerstag als schlechte Verlierer darstellte und Oliver Bierhoff ihnen gute Manieren auf dem Platz absprach, kratzte zusätzlich am Stolz.

Immerhin verleiteten die Aussagen des deutschen Mittelfeldchefs Schweinsteiger („Es geht schon vor dem Spiel los, wie sie gestikulieren und versuchen, den Schiedsrichter zu beeinflussen. Das ist respektlos, aber die Argentinier sind so“) Maradona dazu, wie ein argentinischer Staatsmann zu sprechen. „Was ist mit dir los, Schweinsteiger. Bist du nervös?“, fragte Maradona in die TV-Kamera. So war der frühere Präsident Néstor Kirchner oftmals seinen Gegnern gegenübergetreten.

Locker trat Maradona mit seinen „Monstern“, wie er die Spieler gerne nennt, am Mittwochabend im Training auf. Nach dem Halbfeld- Spielchen wurde wieder „bestraft“. Die Verlierer mussten ihren Hintern für die Schüsse der Teamkollegen auf der Torlinie stehend zur Verfügung stellen; dann wurde vom 16er stramm geschossen. Gelächter hier, ein paar Klagerufe dort - und Tausende Bilder für die unzähligen Fotografen am Trainingsplatz.

Zu den Gewinnern im Trainings-Kick zählte auch Demichelis. Gemessen an den WM-Leistungen ist er dagegen mehr der Verlierer- Fraktion der „Albiceleste“ zuzuordnen. Gegen Südkorea verschuldete er das Gegentor, im Achtelfinale gegen Mexiko sah er auch nicht gut aus. Der zweifelsohne starke Zweikämpfer leistet sich auch im hellblau- weiß gestreiften Trikot ähnliche Aussetzer wie bei den Bayern.

Doch für Maradona gibt es am „Señor Central“ in der Abwehrmitte keine Zweifel. „Wer hat gesagt, dass er schlecht gespielt hat?“, fragte der Trainer des Nationalteams im TV-Sender Fox Sports. Demichelis sei ein starker Abwehrspieler. Gegen Deutschland, Schweinsteiger und die anderen Teamkollegen vom FC Bayern dürfte der 29-Jährige also erneut auflaufen.

dpa