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Sport Neuner schießt auf die falschen Scheiben
Sportbuzzer Sport Neuner schießt auf die falschen Scheiben
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18:14 15.01.2012
Foto: Magdalena Neuner vergab den Sieg in der Verfolgung von Nove Mesto, weil sie auf die falschen Scheiben schoss.
Magdalena Neuner vergab den Sieg in der Verfolgung von Nove Mesto, weil sie auf die falschen Scheiben schoss. Quelle: dpa
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Nove Mesto

Nach ihrem Anfängerfehler von Nove Mesto verdrückte Magdalena Neuner in der Abgeschiedenheit der Umkleidekabine Tränen der Enttäuschung. Klar in Führung zielte die Biathlon-Rekordweltmeisterin in der Damen-Verfolgung auf die falschen Scheiben und vergab so ihren 29. Weltcupsieg. Peiffer dagegen traf korrekt, aber die Scheibe fiel nicht. Nach Einspruch und Zeitgutschrift wurde der Sprint-Weltmeister im WM-Ort von 2013 noch Zweiter und war blendender Laune.

Magdalena Neuner dagegen war betrübt. „Ich musste erstmal kurz heulen, ich geb’s zu“, sagte die 24-Jährige. Im ersten Stehendschießen war die Doppel-Olympiasiegerin auf der falschen Fährte. Die Patronen trafen genau ins Schwarze, die Scheiben fielen reihenweise - und Neuner dachte, alles liefe nach Plan. Doch plötzlich die Schrecksekunde - sie realisierte, dass sie auf die falschen Scheiben gezielt hatte.

Vier Fehler im ersten stehenden Anschlag und insgesamt acht Fahrkarten brachten die 24-Jährige damit um den Lohn. Am Ende wurde sie Siebte mit 1:20,4 Minuten Rückstand auf die Siegerin Tora Berger aus Norwegen. „Das ist mir noch nie passiert und sehr ärgerlich. Aber im Großen und Ganzen habe ich ein gutes Rennen gemacht, und das muss ich mir behalten“, sagte Neuner und versuchte, gleich das Positive aus der Situation zu ziehen.

Das aus deutscher Sicht verrückte Wochenende machte Arnd Peiffer perfekt. Seine Schüsse trafen exakt ins Ziel, aber eine Scheibe blieb beim dritten Schießen stehen. Im Glauben einen Fehler zu haben, bog er in die Strafrunde ab. „Ich habe mich schon gewundert, vom Gefühl her war es ein Treffer“, meinte der 24-Jährige. Sein Coach Mark Kirchner hatte jedoch genau hingesehen: „Ich habe durch mein Glas den Treffer gesehen und bei der Jury interveniert.“ Mit Erfolg - Peiffer erhielt für die unnötige Strafrunde 20 Sekunden Zeitgutschrift und wurde hinter dem Russen Anton Schipulin gemeinsam mit dem Franzosen Martin Fourcade Zweiter. Zuvor war er im Ziel Fünfter.

„Ich bin natürlich sehr zufrieden, wäre es aber auch mit Platz fünf gewesen“, sagte der Harzer, der die Laufbestzeit hinlegte. IBU-Renndirektor Franz Berger erklärte das eher ungewöhnliche Prozedere: „Arnd hatte eine Treffer, aber die Scheibe hatte ein technisches Problem. Wir haben das kontrolliert und nach den Regeln entschieden“, sagte der Österreicher. Die Jury setzte Fourcade zudem vom dritten auf den zweiten Platz. „Das ist im Sinne der Fairness. Denn Martin hat als sicherer Zweiter auf den letzten Metern nicht mehr Vollgas gegeben.“

Bei den Frauen war Andrea Henkel als Achte zweitbeste Deutsche. Ein starke Leistung zeigte mit nur einem Fehlschuss Miriam Gössner als Elfte. Bei den Herren landete Andreas Birnbacher auf Rang zwölf, Simon Schempp wurde 28.

Vom „Crossfire“, so heißt in der Biathlon-Sprache das seltene Missgeschick, war Magdalena Neuner bisher verschont geblieben. Doch sie ist in bester Gesellschaft. Darja Domratschewa aus Weißrussland, Magdalena Forsberg aus Schweden oder Uschi Disl - sie alle vergaben durch falsches Zielen mal einen Sieg oder Medaillen.

Vor dem Rennen war Magdalena Neuner noch bester Laune gewesen und legte mit ihrer Zimmerkollegin Gössner und Tina Bachmann bei der durchs Stadion hallenden Stimmungsmusik ein kleines Tänzchen hin. Auch bis zum dritten Schießen war sie flott unterwegs und hielt die Konkurrenz auf Distanz.

Dann kam der unheilvolle Moment. „Ich war total fokussiert und habe nicht auf die Zahl des Schießstandes geschaut“, berichtete Neuner mit feuchten Augen. Während der Interviews musste sie immer mal wieder durchschnaufen. „Ich habe richtig Wut im Bauch gehabt. Aber beim letzten Schießen habe ich nur drauf gepfeffert und gedacht: Diese blöden Scheiben.“

Zuvor hatten sich die Skijäger in den ersten Biathlon-Weltcups in der Kleinstadt im mährisch-böhmischen Mittelgebirge mit widrigen Witterungsbedingungen auseinandersetzen müssen. Ständig starker und wechselnder Wind sowie teilweise heftiger Schneefall - leicht war es in der neuen WM-Arena nicht. „Ich komme trotzdem nächstes Jahr gerne wieder, hoffe dann aber auf besseres Wetter“, sagte Peiffer. Er und Andreas Birnbacher waren am Samstag im Sprint als 14. und Zehnter vom Wind verwehrt worden.

dpa

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