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Sport „Unsere Wahl bleibt zeitgemäß“
Sportbuzzer Sport „Unsere Wahl bleibt zeitgemäß“
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13:40 23.03.2014
Von Carsten Schmidt
Stark im Sattel: Petra Niemann (links) hat sich mit viel Mut und Ehrgeiz auf dem Tandem in die deutsche Spitzenklasse vorgekämpft.
Stark im Sattel: Petra Niemann (links) hat sich mit viel Mut und Ehrgeiz auf dem Tandem in die deutsche Spitzenklasse vorgekämpft. Quelle: Das Fahrgastfernsehen
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Hannover

Für Wichtiges braucht man rote Farbe. In analogen Zeiten war es der entsprechende Stift, um die Marke im Terminkalender setzen. Am Donnerstag ist es der rote Haken im digitalen Planer, und dieser gilt im niedersächsischen Sport zu Jahresanfang der Wahl des Behindertensportlers. Am Donnerstagabend wurde auf einer Gala im hannoverschen GOP bereits zum 14. Mal ein Athlet mit Handicap ausgezeichnet. Petra Niemann aus Lohne erhielt dieses Mal den Ehrenpreis, den der Künstler Siegfried Neuenhausen geschaffen hat. Die 44-Jährige ist eine Meisterin auf dem Tandem, obwohl sie vor 13 Jahren das Augenlicht verloren hat. Und Niemann war überglücklich, als sie aus den Händen von Karl Finke, dem Präsidenten des Behinderten-Sportverbandes Niedersachsen (BSN), und Laudator Dieter Hecking, Trainer des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg und auch in Hannover wegen seiner Arbeit bei 96 von 2006 bis 2009 geschätzt, die Trophäe erhielt.

Niemann ist als zweimalige deutsche Meisterin und Paralympics-Kandidatin für 2016 eine würdige Nachfolgerin des Sitzvolleyballers Torben Schiewe. Der Celler hatte 2013 die Wahl gewonnen, nachdem er 2012 mit der deutschen Auswahl die Bronzemedaille bei den Paralympics in London erkämpft hatte. Hecking vergaß aber auch nicht, die fünf Mitbewerber Niemanns lobend zu erwähnen  Anthony Dittmar (Rollstuhltennis), Markus Häusling (Para-Triathlon), Monika Meinhold (Rollstuhl-Badminton und Schwimmen), Marina Ritter (Bowling) und Jan Sadler (Rollstuhl-Basketball). „Es ist unglaublich, welche Höchstleistungen ihr immer wieder in eurem Sport vollbringt“, sagte der 49-Jährige. Und Hecking leistete sich eine Reminiszenz an einen eigenen Auftritt bei der BSN-Gala 2007, als er mit bei einer Torball-Darbietung mit Augenbinde mitwirkte. „Da habe ich gemerkt, was es tatsächlich bedeutet, nichts zu sehen“, sagte er.

Der Respekt für die Leistungen der Behindertensportler wächst aber nicht nur in Expertenkreisen. Auch der Normalverbraucher hat längst entdeckt, welche herausragenden sportlichen Leistungen Sehbehinderte, Gehörlose, Gelähmte und geistig Behinderte erzielen können. Davon zeugen die Sendezeiten von den Winter-Paralympics im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Und das Interesse belegt auch die Beteiligung an dieser Wahl, die die HAZ von Beginn an als Medienpartner unterstützt. 29 262 Stimmen wurden auf Stimmzetteln, telefonisch oder digital im Internet abgegeben. Dieses Resultat ermutigt auch BSN-Präsident Finke. „Ich meine, dass unsere Wahl unter dem Vorzeichen der Inklusion zeitgemäß bleibt“, sagte er. „Zumindest für die nähere Zukunft scheint eine spezielle Plattform richtig und wichtig, um die ganz besonderen Herausforderungen, die Menschen mit Behinderung im Leistungssport anzunehmen.“ Finke betonte auch, dass  eine solche Publikumsabstimmung eine großartige Möglichkeit sei, den Behindertensport in seiner Vielfalt und durch beeindruckende Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Mit Inklusion verbindet der BSN viel eher Chancengleichheit und die Möglichkeit zur Beteiligung als Gleichmacherei. Deshalb würdigte Finke zum Abschluss seiner Rede den gemeinsamen Aktionsplan zu dieser Thematik mit dem Landessportbund Niedersachsen.

Petra Niemann

Petra Niemann fährt leidenschaftlich  Rad. Doch weil die 44-Jährige vor 13 Jahren aufgrund einer erblich bedingten Krankheit erblindete, braucht sie einen Partner oder eine Partnerin. Niemann fährt deshalb Tandem, und in dieser Disziplin war sie 2013 zweimal deutsche Meisterin. „Ich habe nie damit gerechnet, das zu erreichen“, sagt die Lohnerin, die eines besonders zu schätzen weiß – die Hilfe von Freundinnen und ihres Lebensgefährten. Niemann trainiert für die Paralympics 2016, und dabei schreckt sie die viel jüngere Konkurrenz keineswegs. „Ich bin eine kleine Kampfsau“, sagt sie lachend. Das beeindruckt auch die Lohner Mitbürger – sie sammelten Geld für die Anschaffung eines Spezialrades.

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