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Sport „Tage des Zorns“ in Bahrain
Sportbuzzer Sport „Tage des Zorns“ in Bahrain
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10:07 20.04.2012
Von Patrick Hoffmann
Foto: Eine Wandzeichnung in der Haupstadt Manama zeigt die explosive Stimmung im Golfstaat Bahrain.
Eine Wandzeichnung in der Haupstadt Manama zeigt die explosive Stimmung im Golfstaat Bahrain. Quelle: dpa
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Manama

Vijay Mallya muss die Lage schon vor Tagen als ein bisschen zu heikel empfunden haben. Der indische Milliardär und Besitzer des Formel-1-Teams Force India ließ nämlich kurzfristig die Zimmer in einem noblen Fünf-Sterne-Hotel im Norden Bahrains stornieren und hat mit seinem Tross am Dienstagabend lieber eine etwas weniger noble Herberge nahe der Rennstrecke in Manama bezogen. Mit nun 30 Kilometern ist der Weg von der Boxengasse ins Bett tatsächlich deutlich kürzer. Sicherer ist er aber offenbar nicht.

Donnerstagnachmittag teilte der indische Rennstall nämlich mit, dass vier seiner Mechaniker am Mittwochabend auf dem Heimweg Zeugen eines Anschlags geworden sind. Wenige Meter vor dem Bus, mit dem die vier unterwegs waren, hatten jugendliche Demonstranten eine Benzinbombe gezündet und damit ein Loch in die Straße gerissen. Die vier Mechaniker blieben unversehrt, über mögliche Verletzte wollten die staatlichen Behörden keine Angaben machen. Ein Mitarbeiter von Force India, der bei dem Vorfall nicht mit im Bus saß, ist inzwischen abgereist. Das hat das Team des deutschen Piloten Nico Hülkenberg bestätigt.

Solch ein Zwischenfall mache einen nachdenklich, sagte Hülkenberg gestern. „Es ist nicht gut, dass wir uns mit so etwas beschäftigen müssen.“ So etwas, das sind die politischen Zustände in dem arabischen Inselstaat. Seit mehr als einem Jahr gehen die Menschen in Bahrain auf die Straßen, verlangen Reformen und ein Ende der königlichen Herrschaft. Die Regierung aber lässt die Demonstrationen niederschießen.

Nun muss sich die Formel 1 also mit so etwas beschäftigen, mehr noch als in den vergangenen Tagen. Dabei geht es gar nicht so sehr um die Frage, wie sicher die Teams in Bahrain derzeit sind. Sollten sie es nicht sein, wie es der Zwischenfall der vier Mechaniker vermuten lässt, ist es schlicht fahrlässig, die Reise überhaupt angetreten zu haben. Nein, es geht mehr denn je um die Frage, warum die Formel 1 überhaupt vor Ort ist.

Bahrains Opposition hat das Rennwochenende jedenfalls schon einmal zu den „Tagen des Zorns“ erklärt, es ist also mit weiteren Protestaktionen zu rechnen. Die treffen zwar die Formel 1, richten sich aber eigentlich gegen das Regime um den verhassten Kronprinzen Salman bin Hamad bin Isa al Khalifa. Mehrere Menschenrechtsorganisationen machen ihn für willkürliche Verhaftungen und brutale Polizeieinsätze verantwortlich. Die Organisation Reporter ohne Grenzen prangert die systematische Verfolgung regimekritischer Journalisten an. Und eben dieser Salman bin Hamad bin Isa al Khalifa ist auch Geschäftspartner von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone.

Er soll jährlich ein kleines Vermögen an Ecclestone überweisen, damit dieser mit seinem Rennzirkus in Bahrain Halt macht. Im vergangenen Jahr hatte der Prinz noch auf das Rennen verzichtet, weil es kurz zuvor bei Protesten in Manama Tote gegeben hatte. In diesem Jahr aber möchte er wieder bespaßt werden, und der Formel 1 fehlt offenbar schlicht der Mut, das Rennen ihrerseits abzusagen und damit auf viel Geld zu verzichten.

Dem abgereisten Mitarbeiter des Force-India-Teams soll übrigens nicht gekündigt werden. Auch das ist nicht ganz selbstverständlich in diesen Tagen: Der Rennstall Williams hat in dieser Woche eine Catering-Managerin entlassen. Sie hatte die Reise nach Bahrain verweigert.

19.04.2012
19.04.2012