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Sport WM-Viertelfinale: Alle gegen Messi
Sportbuzzer Sport WM-Viertelfinale: Alle gegen Messi
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09:43 03.07.2010
Von Heiko Rehberg
Alle gegen Messi: Auch Kapitän Philipp Lahm wird es am Sonnabend mit Argentiniens Superstar zu tun bekommen.
Alle gegen Messi: Auch Kapitän Philipp Lahm wird es am Sonnabend mit Argentiniens Superstar zu tun bekommen. Quelle: dpa
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Man muss bei Vorhersagen für große Fußballspiele immer vorsichtig sein, zu oft haben sich in der Vergangenheit mit großen Erwartungen und Hoffnungen aufgepumpte Spiele als Langweiler erwiesen. Doch das WM-Viertelfinale am Sonnabend (Anstoß 16 Uhr, live im ZDF) zwischen Deutschland und Argentinien in Kapstadt wird garantiert eine heiße Kiste, so oder so. Gewiss für die zig Millionen Fußballfans in der Heimat, in der vor den öffentlichen Leinwänden und den häuslichen Bildschirmen angesichts von zu erwartenden mehr als 30 Grad auch das Zuschauen zu einer „heißen“ Angelegenheit werden dürfte. Sicherlich aber auch im „Green Point Stadium“ in Kapstadt, wo Bundestrainer Joachim Löw einen „Fight auf Biegen und Brechen“ erwartet, am Freitag aber deutlich machte, dass er seine Mannschaft noch nicht am Ende ihres Weges in Südafrika sieht. „Wir wollen unter die besten vier“, sagte Löw.

Ob die junge deutsche Mannschaft, die beim 4:1-Achtelfinalsieg gegen England Reife und Klasse gezeigt hatte, einen ähnlichen Auftritt gegen einen stärkeren Gegner wiederholen kann, ist die meist diskutierte Frage vor dem Anpfiff. Philipp Lahm, der deutsche Kapitän, zählt die Argentinier gemeinsam mit Brasilien und Spanien zu den „wirklich großen Gegnern“, nachdem sich Nationen wie Frankreich, England oder die Elfenbeinküste bei der WM als Scheinriesen erwiesen hatten. Argentinien mit seiner individuellen Klasse, mit Ausnahmekönner Lionel Messi, aber auch mit der Robustheit, Cleverness und Zweikampfführung „am Rande der Legalität“ (Löw), wird ein neuer Maßstab für die Deutschen. „Es ist uns lange nicht gelungen, einen großen Gegner zu schlagen“, sagt Lahm, „zur Entwicklung unserer Mannschaft gehört das aber dazu.“

Um gegen Argentinien das Halbfinale zu erreichen, kommt es heute vor allem darauf an, die wichtigen Duelle zu gewinnen. Und das sind sie:

Das Torwart-Duell: Manuel Neuer – Sergio Romero

Es ist ein Fernduell, es sei denn, Manuel Neuer gelingt heute noch ein weiterer Abstoß als gegen England – dann könnte sein argentinischer Torwartkollege durchaus mal einen Ball von Neuer parieren müssen. Beide sind fast gleich alt (Neuer ist 24, Romero 23) und gleich groß (Neuer 1,93 Meter, Romero 1,91), und beide haben wenig Länderspielerfahrung. Wenig zu tun hatten sie bislang bei der WM, zwei Gegentore kassierten sie jeweils. Neuer zeigte ein sicheres Spiel mit dem Fuß und schnelle Reaktionen auf der Linie, lediglich nach Ecken oder Freistößen in den Strafraum fehlte ihm ab und zu die Orientierung – gegen England führte diese Schwäche zu einem Gegentor. Romero spielt in den Niederlanden bei AZ Alkmaar, ist „U 20“-Weltmeister und Olympiasieger, wirkte aber nicht immer sicher, weil er auffällig oft faustet. Als sicher gilt für beide Mannschaften: Nur mit einem nervenstarken Torwart, notfalls im Elfmeterschießen, ist dieses Viertelfinale zu gewinnen.

Das Verteidiger-Stürmer-Duell: Per Mertesacker – Gonzalo Higuain

Sein 67. Länderspiel macht Per Mertesacker am Sonnabend, für seinen Gegenspieler Gonzalo Higuain wird es Einsatz Nummer neun. Die Erfahrung könnte für den Pattenser von Werder Bremen wertvoll sein, denn mit Higuain erwartet ihn ein Stürmer mit Torgarantie. Viermal hat er bei der WM bisher getroffen, für Real Madrid gelangen dem 22-Jährigen in 112 Einsätzen 59 Tore. Mertesacker hat zwei durchwachsenen Spielen gegen Australien (4:0) und Serbien (0:1) eine schlechte Partie gegen Ghana (1:0) angefügt und eine sehr ordentliche gegen England (4:1). Doch gegen Argentinien wird es für ihn schwerer als gegen die Briten, die viel mit hohen Bällen agierten. Higuain und Co. spielen meistens flach und schnell, und sie machen etwas, das Mertesacker gar nicht behagt: Sie stören früh. Mertesacker hat den Größenvorteil (er ist 13 Zentimeter länger), Higuain den Schnelligkeitsvorteil.

Das Verteidiger-Stürmer-Duell: Arne Friedrich – Carlos Tevez

Man kennt sich vom WM-Viertelfinale 2006, wer Sönke Wortmanns „Sommermärchen“-Film gesehen hat, der hat bestimmt auch Jürgen Klinsmanns wundervollen Kabinensatz („Arne, der Tevez muss deinen Atem spüren“) noch in den Ohren. Friedrich war damals nicht gerade der Publikumsliebling in Deutschland, doch gegen Tevez spielte er tadellos. Am Sonnabend in Kapstadt begegnen sie sich auf einem höheren Niveau: Friedrich gehört mit den Brasilianern Lucio und Juan sowie dem Spanier Gerard Pique zu den überragenden Innenverteidigern, Tevez zu den Offensivattraktionen. Weil beide argentinischen Stürmer Positionswechsel lieben, ist es ratsam, dass sich auch Mertesacker mit Tevez beschäftigt – und Friedrich mit Señor Higuain.

Das Stürmer-Verteidiger-Duell: Miroslav Klose – Martin Demichelis

Beide spielen bei Bayern München, beide sind befreundet und haben sich bei der WM bislang regelmäßig Gratulations-SMS aufs Handy geschickt. Im Kopfballspiel sind beide erstklassig, mit dem Ball am Fuß ist Klose im Vorteil in einem Spiel, das für ihn ein besonderes sein wird: Es ist sein Länderspiel Nummer 100.

Alle gegen Lionel Messi

Mit Argentiniens Dribbelkönig wird es nicht ein Duell geben, sondern viele: Sami Khedira gegen Messi, Bastian Schweinsteiger gegen Messi, Philipp Lahm gegen Messi, Jerome Boateng gegen Messi. Messi ist auf dem Platz überall und nirgends; obwohl er bislang kein Tor erzielt hat, war er an fast allen argentinischen Treffern beteiligt. Das Allerwichtigste ist, Messi früh zu stellen. Läuft er erst einmal mit Tempo auf die Viererkette zu, ist es zu spät. Und dass er fünf Spiele in Folge ohne Tor macht, darauf sollte man nicht wetten.