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Sport Wahnsinn! Deutschland gewinnt mit 4:0 gegen Argentinien
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02:34 04.07.2010
So jubeln Sieger: Die deutschen Spieler feiern ausgelassen den 4:0-Sieg.
So jubeln Sieger: Die deutschen Spieler feiern ausgelassen den 4:0-Sieg. Quelle: afp
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Deutschland bleibt im Fußball-Rausch - nur noch zwei Siege fehlen zum ganz großen Triumph. Angeführt vom überragenden neuen WM-Helden Thomas Müller entzauberte Joachim Löws „Boy Group“ auch Maradona, Messi & Co. und marschierte mit dem 4:0 (1:0) gegen am Ende chancenlose Argentinier souverän ins WM-Halbfinale. „Jetzt sind wir unter den besten Vier der Welt, aber da gehört diese Mannschaft auch hin. Wir haben noch zwei Spiele vor uns. Jetzt haben wir es selbst in der Hand, hier noch etwas ganz Großes zu erreichen“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. „Wir sind stark genug, noch einen Schritt weiter zu machen“, verkündete Bastian Schweinsteiger, der zu zwei Treffern die Vorarbeit geleistet hatte, voller Selbstbewusstsein.

Nach dem Blitztor von Müller (3.) - zugleich das 200. der deutschen WM-Geschichte - machte die brillante Offensive mit einem Dreierpack durch Miroslav Klose (68./89.) und Abwehrspieler Arne Friedrich (74.) den hochverdienten Erfolg perfekt. Die Freude vor 64 100 Zuschauern im Green Point Stadion von Kapstadt wurde nur durch die zweite Gelbe Karte für den Torschützen Müller getrübt, der in der Vorschlussrunde am Mittwoch in Durban gegen den Gewinner des Duells Paraguay - Spanien gesperrt fehlen wird.

„Das ist Wahnsinn, was hier abgelaufen ist. Wenn man Argentinien mit 4:0 vom Platz fegt, dann muss man erstmal nach Worten suchen. Der Star war heute wieder die Mannschaft“, gab Matchwinner Müller das Lob weiter. „Ich hoffe, dass meine Kollegen im Halbfinale alles richtig machen, dann kann ich ja im Finale wieder ein Tor machen“, kündigte der Bayern-Spieler nach seinem vierten Turniertor vollmundig an.

Die DFB-Auswahl lieferte gegen Diego Maradonas hochgelobte Elf eine Demonstration der Stärke ab und fuhr ihren höchsten WM- Viertelfinalsieg seit 1966 (4:0 gegen Uruguay) ein. Im Kollektiv gelang es dabei auch, die Kreise von Lionel Messi einzuengen. Überragender Akteur des deutschen Spiels war Müller. Im Stile eines „alten Hasen“ drückte der 20-jährige Youngster dem Spiel seinen Stempel auf, glänzte mit klugen Pässen und erzielte eiskalt seinen vierten Turniertreffer. Da hielt es selbst Kanzlerin Angela Merkel auf der Ehrentribüne nicht auf ihrem Sitz. Schneller als der junge Bayern-Akteur traf in einem deutschen WM-Spiel nur Ernst Lehner 1934 beim 3:2 gegen Österreich.

Um Argentiniens Superstar Messi kümmerten sich abwechselnd Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira. Es gelang ihnen zwar nicht, den Weltfußballer völlig aus dem Spiel zu nehmen, doch wurde ihm durch konsequentes Pressing viel an Wirkung genommen. Das Duo Schweinsteiger/Khedira erwies sich unter den Augen des zum Viertelfinale angereisten „Capitano“ Michael Ballack aber nicht nur als defensivstark, sondern auch entscheidend für den Aufbau.

Auch Klose hatte in seinem 100. DFB-Einsatz Grund zur Freude. Nachdem der Angreifer Mitte der ersten Halbzeit eine große Chance vergeben hatte, stand er zweimal goldrichtig und schloss mit seinem insgesamt 14. WM-Treffer zu dem in der ewigen Rangliste an zweiter Stelle hinter Ronaldo (15) liegenden Gerd Müller auf.

Nach den verbalen Scharmützeln im Vorfeld der Partie ging es auf dem Rasen gleich körperbetont zur Sache, als wollten einige die Reizschwelle des usbekischen Schiedsrichters Rawschan Irmatow testen. Gerade einmal 55 Sekunden waren gespielt, als Klose von hinten Javier Mascherano in die Beine grätschte, nach exakt zwei Minuten wurde Podolski am linken Flügel von Nicolas Otamendi zu Fall gebracht. Den fälligen Freistoß von Schweinsteiger verwertete Müller per Kopf und machte den Traumstart perfekt.

Der bisher schnellste Treffer des Turniers verlieh dem selbstbewusst gestarteten Team weitere Sicherheit, während die „Gauchos“ sichtlich beeindruckt waren. Schweinsteiger und Khedira leiteten die Vorstöße des dominierenden DFB-Teams ein. In der 24. Minute schien das 2:0 perfekt. Müller setzte sich auf der rechten Seite energisch gegen zwei Abwehrspieler durch und passte nach innen auf Klose, doch der Münchner jagte den Ball aus elf Metern über die Latte.

Erst Mitte der ersten Spielhälfte schienen die Südamerikaner den Schock des frühen Rückstandes überwunden zu haben, während im deutschen Spiel ein wenig die Struktur verloren ging. Als Gonzalo Higuain Abwehrchef Friedrich im Strafraum versetzte, drohte dem deutschen Tor erstmals Gefahr, doch Manuel Neuer tauchte reaktionsschnell in die bedrohte kurze Ecke und holte den Ball heraus (35.). Auf der Gegenseite wurden die Konter nicht mehr so entschlossen zu Ende gespielt. Podolski versuchte sein Glück aus gut 25 Metern, zielte aber knapp daneben (39.).

Zu Beginn des zweiten Durchgangs geriet die deutsche Mannschaft unter zunehmendem Druck der „Albiceleste“ wiederholt in Bedrängnis. Ein Warnschuss von Angel di Maria (48.) pfiff knapp an Neuers Kasten vorbei, fünf Minuten später blockte Per Mertesacker mit dem Kopf einen Schuss von Carlos Tevez ab. Dann wurde auch Löws Elf endlich wieder aktiver. Ein energischer Einsatz von Müller, der den Ball wie einst sein Namensvetter Gerd im Liegen weiterspitzelte, leitete das 2:0 ein, Klose vollendete das Zuspiel von Podolski.

dpa

Sport Vor dem Spiel gegen Argentinien - WM-Viertelfinale: Alle gegen Messi
Heiko Rehberg 03.07.2010