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Sport Wer bekommt vom Bundestrainer kein WM-Ticket?
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21:18 25.05.2010
Von Björn Franz
Auf dem Weg zur WM: Zwei Nationalspieler werden bis zum Turnierstart in Südafrika noch aus dem Reisetross aussortiert. Lukas Podolski – hier bei der gestrigen Mountainbiketour – darf sich seiner Rolle aber relativ sicher sein.
Auf dem Weg zur WM: Zwei Nationalspieler werden bis zum Turnierstart in Südafrika noch aus dem Reisetross aussortiert. Lukas Podolski – hier bei der gestrigen Mountainbiketour – darf sich seiner Rolle aber relativ sicher sein. Quelle: dpa
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Es ist ein Kommen und Gehen derzeit im Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Südtirol. Am Dienstag kam die Bayern-Vorhut mit Miroslav Klose, Mario Gomez, Holger Badstuber und Thomas Müller im Mannschaftshotel „Weinegg“ an. Mittwoch folgen die Nachzügler Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Jörg Butt – Christian Träsch ist dann bereits wieder in Stuttgart nach seinem WM-Aus.

Wenn die drei Münchener kommen, dann geht erst einmal die Sonne. So sagt es zumindest der Wetterbericht für die Region Bozen voraus. Es soll kälter werden in den nächsten Tagen und Gewitter geben. Wer etwas von Symbolik hält, der wird feststellen dürfen: Das passt irgendwie, nicht nur zum bitteren Träsch-Ausfall. Denn noch zwei Spieler, die in Südtirol dabei sind, werden spätestens am 1. Juni im Regen stehen, wenn aus dem vorläufigen das endgültige WM-Aufgebot wird.

Nachdem die K- und die T-Frage, die Kapitäns- und die Torwartfrage, geklärt sind und Joachim Löw demnächst auch offiziell verkünden wird, was kein Geheimnis mehr ist – Philipp Lahm wird Klassensprecher, Manuel Neuer die Nummer 1 –, gibt es nur noch ein großes Rätsel zu lösen: Wer sind die Spieler, die vom Bundestrainer kein WM-Ticket bekommen?

Löw hat glaubwürdig zu verstehen gegeben, dass ihm die Entscheidung Magenschmerzen bereitet. „Alle Spieler arbeiten hart, alle sind lernwillig, jeder Einzelne investiert 100 Prozent“, sagt er. Es klingt komisch, aber es wäre für Löw leichter, wenn sich einer der Nationalspieler hängen lassen, wenn er es locker angehen lassen würde. Dann müsste Löw nicht umständlich nach Begründungen suchen, nicht überlegen, ob er lieber seinem grummelnden Bauch oder doch dem Kopf vertrauen soll bei der Auswahl, die ursprünglich ein „3 aus 27“ war. Dann kam Michael Ballacks Aus, am Dienstag Träschs Abreise, und plötzlich ist es ein „2 aus 25“ geworden. Angenehmer macht das die Situation für Löw kaum.

Festgelegt hat sich der 50-Jährige bislang nur darauf, dass er die Eindrücke vom Testspiel am kommenden Sonnabend in Ungarn noch abwarten möchte und dass alle Kandidaten von Budapest auch wieder zurück nach Südtirol reisen. Löw will die Zeit, die er hat – bis zum 1. Juni um 12 Uhr muss beim Weltverband FIFA eine Liste mit 23 Namen vorliegen –, ausreizen.

Der Kreis der Streichkandidaten lässt sich aufgrund von Andeutungen und festen Zusagen bereits jetzt stark eingrenzen, doch das erneute Verletzungspech hat die Auswahlkriterien noch einmal verändert. Sicher ist, dass es keinen der drei Torhüter (Neuer, Tim Wiese, Butt) treffen wird, sondern einen Feldspieler. Positioniert hat sich Löw im Sturm, allen sechs Angreifern (Gomez, Klose, Müller, Cacau, Lukas Podolski, Stefan Kießling) hat er bereits die Südafrika-Garantie gegeben. Doch Assistenztrainer Hansi Flick deutete am Dienstag an, dass das möglicherweise neu beleuchtet wird. Weil das Team plötzlich zwei Mittelfeldspieler weniger hat, könnte es doch einen Angreifer treffen: Erster Kandidat ist der Leverkusener Kießling, der im Training oder zuletzt beim Testspiel gegen den FC Südtirol (4:0) größere Probleme mit einfachen technischen Aufgaben (Ballannahme, Ballweiterleitung) verriet. Auch Gomez darf sich nicht mehr sicher sein.

Wer bei den Trainingsbeobachtern in Südtirol nach dem Profi mit den schlechtesten WM-Aussichten fragt, der bekommt eine klare Antwort: Andreas Beck. Der Hoffenheimer Rechtsverteidiger hat den großen Nachteil, dass er anders als seine Konkurrenten Lahm, Jerome Boateng und Arne Friedrich keine andere Rolle bekleiden kann. Die Chance, dass Beck nach Südafrika fährt, ist ungefähr so groß wie die von Nordkorea, dort ins Halbfinale zu kommen.

Mit schlechten Nachrichten von Löw muss zudem einer aus dem „linken Trio“ mit Marcell Jansen, Dennis Aogo und Badstuber rechnen. Wird Jansen rechtzeitig fit – und danach sieht es aus –, wäre er gesetzt, Badstuber kommen zu lassen und ihn schnell wieder wegzuschicken, würde keinen Sinn ergeben. Bliebe Aogo, der allerdings intern im Team als einer der Gewinner der Vorbereitungsphase gilt. Heiko Westermann, ein anderer Wackelkandidat, muss sich durch das Aus für Träsch keine Sorgen mehr machen, weil er auf dessen Position spielen kann. Bleibt die offensive Gruppe mit Toni Kroos, Marko Marin und Piotr Trochowski, aus der es einen treffen könnte, wenn der Bundestrainer bei sechs Stürmern bleibt. Marin wie bereits vor der EM 2008 nach Hause zu schicken, wäre ein unbegründeter Härtefall. Kroos macht in Südtirol einen herausragenden Eindruck. Also Trochowski? Der gilt als einer von Löws Lieblingen.

Es gibt Situationen, da ist Bundestrainer wirklich kein Traumberuf, egal, ob „3 aus 27“ oder „2 aus 25“.