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Artisten, Ouzo und zwei Tonangeber

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11:19 14.12.2020
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Von daniel kultau Die 30

Das Coronavirus ließ die Saison der Schaumburger Hallenfußballer ausfallen. Wir blicken deswegen auf die Zeit von den Anfängen bis zur Gegenwart des Hallenmasters zurück. In Teil I geht es um die Dominanz zweier Vereine, die das erste Drittel dominierten. LANDKREIS.

Der Name Hubert Heinke ist ganz eng mit dem Sparkassen-Hallenmasters verbunden. Er gilt als Vater der Veranstaltung. Der langjährige Sparkassen-Mitarbeiter und das Ur-Mitglied des VfL Bückeburg dürfte sich Anfang der neunziger Jahre vermutlich jedoch nicht gedacht haben, dass seine Idee rund 30 Jahre später zum festen, traditionellen Programmpunkt im Schaumburger Fußballkalender gehören sollte.

Doch bis es so weit war wie heutzutage, musste es sich entwickeln. „Früher waren die Sparkassen noch eigenständig“, erklärt Jörg Nietsche. Der Bankmitarbeiter war bis auf die zweite Masters-Ausgabe im Jahr 1993 immer mit dabei („Warum ich damals gefehlt habe, weiß ich gar nicht mehr“). „Also wollten wir die Endrunde nacheinander in jedem Geschäftsgebiet stattfinden lassen.“ Alles begann in Obernkirchen 1992 mit dem ersten Sieger, dem VfL Bückeburg. Damals noch über zwei Tage von Freitag auf Samstag, später wurde das Turnier auf Samstag und Sonntag gelegt. „Das hat den Zuschauern besser gepasst“, erinnert sich Nietsche.

Bisher bei jeder Ausgabe dabei war Timo Nottebrock. Bei der Premiere noch für den SV Victoria Sachsenhagen, später für den VfL Bückeburg als Spieler, dann als Trainer – und inzwischen als Coach des TSV Algesdorf. „Schon damals war es für einen im Vergleich kleineren Verein wie dem SV Sachsenhagen etwas ganz Besonderes, dabei zu sein“, so Nottebrock. „Als ich dann für Bückeburg gespielt habe, habe ich schnell gemerkt, dass es eine andere Hausnummer ist.“ Mit dem VfL gewann er die Ausgaben 1993 und 1994. Vor allem der 94er-Sieg blieb ihm im Gedächtnis. Denn auf dem Weg dahin wurde der FC Stadthagen mit 7:1 geschlagen. „Das war eine Machtdemonstration“, so Nottebrock. Damals noch im Jeder-gegen-jeden-Modus und mit Mitspielern wie Olaf Seifert, Klaus Kramer oder Roland Blaume. „Es war nicht nur sportlich schön, sondern ich habe mich auch immer darauf gefreut, viele Gesichter mal wiederzusehen.“ Dass zu viel Geselligkeit nicht immer die sportlich beste Leistung des Tages zur Folge hatte, dazu kommen wir später noch.

Denn nachdem das Masters außer in Obernkirchen auch in Bückeburg, Rinteln und Stadthagen stattfand, entschied man sich fest für die Halle in Obernkirchen – bis heute. „‚Wie geil war das eigentlich?’, haben sich die Zuschauer damals gedacht“, blickt Nietsche zurück. Durch die ausziehbaren Tribünen saßen die Besucher direkt am Spielfeld. So hatte der SVO samt dem langjährigen Vorsitzenden Andreas Jürgens am letzten Januar-Wochenende immer alle Hände voll zu tun, um die Halle rauszuputzen. Doch bis heute klappt das außerordentlich gut.

Was die Zuschauer von den Tribünen aus in den nächsten Jahren sahen, war aber nicht die weitere Dominanz der Bückeburger. Nach drei Siegen des VfL war es der FC Stadthagen, der die Hallenserie von 1995 bis 1999 fest in seiner Hand hatte. „Wir konnten uns damals nur aus Überheblichkeit selbst ein Bein stellen“, erinnert sich der damalige Trainer und Teammanager Reinhard Stemme. „Aber das habe ich verhindert“, fügt er hinzu. Seine Mannschaft war gespickt mit hochtalentierten Hallenkickern. Von 20 Treffern erzielte allein Oliver Jelinek beim ersten Stadthäger Sieg 1995 zehn Treffer. „Jelinek war ein Artist“, so Stemme. „Für mich der beste technische Fußballer, den es je in Schaumburg gab.“ Neben der „Zaubermaus“, wie ihn unsere Zeitung mal nannte, zählt Stemme unter anderem Heiner Klein, Enrico Borghese, Marc Cholewa, Frank Haberland, Jörg Könecke oder auch Dirk Strauchmann zu den prägenden Säulen der dominanten FC-Jahre. Auch Edeltechniker André Blotni, der bis 1998 in Stadthagen war, stach als perfekter Hallenspieler heraus. „Individualisten wie Jelinek oder Blotni sind ausgestorben“, wird heute häufig kritisiert. Auf dem Platz sorgte 1995 übrigens der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati von der Spielvereinigung Niedersachsen Döhren für Ordnung.

Neben den beiden Siegern waren auch der SV Nienstädt 09 und der SV Obernkirchen ernst zu nehmende Titelanwärter. Zumindest am ersten Tag. Denn am Abend zwischen den beiden Turniertagen gab es eine inoffizielle „Player‘s Night“. Viele Spieler des SVN, des SVO und des VfL Bückeburg waren Dauergäste. „Erst im Brauhaus, dann auch mal im Lindenhof“, erinnert sich SVO-Spieler Christoph Kranz, der im nächsten Teil eine größere Rolle einnehmen wird. „Die Geselligkeit danach war immer sehr schön. Es kam auch mal vor, dass der Ouzo über den Tisch ging. Da fehlte uns vielleicht deswegen am nächsten Tag mal die Robustheit“, so Kranz. „Der FC war in der Hinsicht besser auf den zweiten Turniertag vorbereitet“, fügt Nottebrock hinzu.

So gewann der frischere FC Stadthagen fünf Ausgaben des Hallenmasters in Folge. „Doch irgendwann waren die Unterschied-Spieler weg“, erinnert sich Nietsche. Und so gingen die Pokale des Jahres 2000 und 2001 wieder nach Bückeburg. Kurios: Gegen den damaligen türkischen Verein F.V. Yeni Kusak Stadthagen erzielte VfL-Torwart Björn Schütte 2000 fünf Treffer.

Die ersten zehn Auflagen des Hallenmasters gingen somit entweder an den VfL Bückeburg oder den FC Stadthagen – beide siegten fünfmal. „Das waren in den ersten Jahren einfach die beiden besten Teams“, blickt Nietsche auf das erste Masters-Drittel zurück. Seine Hoffnung auf Abwechslung sollte in den nächsten zehn Masters-Jahren erhört werden. Sieben unterschiedliche Sieger sorgten für mehr Abwechslung und ein veränderter Modus für mehr Spannung.