Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sportbuzzer-Zulieferung Der mit den Füßen spricht
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung

Der mit den Füßen spricht

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:49 01.10.2020
Der Fußball verbindet die Kulturen: Der nordmazedonische Offensivspieler Ilir Mena und der britische Präsident Gordon Seymour. Quelle: mv
Anzeige
von malick volkmann RINTELN

Warum?

In Nordmazedonien herrscht kein Krieg, Mena wurde nie verfolgt. „Ich wollte ein besseres Leben, deswegen bin ich nach Deutschland gekommen“, sagt er in einem mittlerweile sehr guten Deutsch. Nach Rinteln verschlug es ihn eher zufällig. Mena fand eine Anstellung als Lkw-Fahrer in Hattendorf. Wirklich romantisch klingt diese Geschichte auf den ersten Blick nicht. Diese Romantik brachte der SC Rinteln dann wortwörtlich ins Spiel: „Ich bin jeden Tag mit dem Lkw an diesen wunderschönen grünen Plätzen vorbeigefahren und habe die Jungs kicken gesehen. Da stand fest: ‚Da willst du auch mal spielen.‘“

Anzeige

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: „Ilirs Trainer in Hattendorf erkannte sein Talent und verwies ihn an uns“, erinnert sich SCR-Vereinspräsident Gordon Seymour.

Zur Erklärung: Die Rintelner kicken doch recht leistungsorientiert in der Bezirksliga – der SV Hattendorf spielt in der 2. Kreisklasse. Seymour erinnert sich noch genau an das erste Treffen mit Mena: „Er ist zum Training gekommen und lehnte an der Bande. Dann ging ich auf ihn zu und fragte, ob ich ihm helfen kann. Der Junge wollte nur mitspielen.“ Mena durfte mitspielen, fix schlüpfte er in Sporthose und Trikot. Und der Nordmazedonier überzeugte. Heute spielt er in der ersten Herrenmannschaft, wirbelt als offensiver Mittelfeldspieler.

Der Neuzugang sei sportlich eingeschlagen, nehme den Fußball so ernst wie einen zweiten Beruf. Noch wichtiger, das betont Seymour, sei aber die gelungene Eingliederung: „Man sieht ja, wie schnell er die Sprache gelernt hat, er hat einen Job und ist bei allen sehr beliebt.“

Mena ist ein weiteres Kapitel im multikulturellen SCR. Der Präsident ein Brite, der Platzwart Kroate und die Spieler aus dem Kosovo, der Türkei, dem Irak oder eben Nordmazedonien. Seymour dazu: „Sport beschleunigt Integration, auch wenn nicht alle Spieler dieselbe Sprache sprechen.“ Doch eine gemeinsame Sprache sprechen alle am Steinanger: die Sprache des Fußballs. Ganz wichtig seien dabei auch die verschiedenen kulturellen Einflüsse, die jede Nationalität beiträgt.

Seymour begreift den Sportverein als eine Art Integrationsmotor. Ein wichtiges Zahnrad sind dabei die Kinder, die schon im jungen Alter zum SC kommen. Seine Idealvorstellung: die Integration der Eltern durch ihre Kinder. „Manche Eltern kommen bei uns das erste Mal regelmäßig mit Deutschen in Kontakt. Wir begrüßen jeden herzlich und hoffen, durch den Austausch zur Integration beizutragen.“ Doch Seymour gibt ehrlich zu, dass das nicht immer gelinge. Nicht jeder nehme das Angebot des Vereins an, nicht jeder möchte sich in die Gesellschaft integrieren. Eine positive Ausnahme bildet Ilir Mena.

Dabei war vor knapp zwei Jahren nicht alles rosig in seinem Leben. Ohne auch nur einen Brocken Deutsch zu sprechen, kämpfte er sich Schritt für Schritt voran. Beim SV Hattendorf fand er nicht nur Mitspieler, sondern Freunde: „Die Jungs haben mir viel geholfen. Nicht nur auf dem Platz. Ich bedanke mich bei allen, die mich damals unterstützt haben“, sagt Mena rückblickend.

Mittlerweile fühlt sich Mena in der Region heimisch. Rinteln erinnere ihn sogar an seine Heimatstadt Struga, eine Kleinstadt am Ohridsee im Südwesten des Landes: „Die Weser weckt Erinnerungen an Struga – nur ist es da sogar noch etwas schöner“, sagt er und lacht. Hin und wieder vermisst er sein Heimatland, die dortigen Traditionen.

Präsident Seymour macht sich auch weiterhin für die Eingliederung von Ausländern stark: „Ilir ist ein Vorbild, ein Paradebeispiel für Integration.“ Sport versetze eben mehr als nur Menschen in Bewegung – zum Beispiel auch die Integration.