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Sportbuzzer-Zulieferung Eintracht wehrt sich
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung Eintracht wehrt sich
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15:59 20.03.2020
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von daniel kultau WENDTHAGEN

Die Nachwirkungen sind jedoch immer noch zu spüren. Vor allem beim TSV, der nun den Weg in die Öffentlichkeit sucht und sich erneut ganz klar gegen Rassismus positioniert. „Das hängt uns bis heute an und da möchten wir uns ganz klar von distanzieren“, stellt TSV-Vorstandssprecher Rainer Neumann-Buchmeier klar. „Die Täter-Opfer-Rolle wurde völlig verdreht und das ist nicht fair“, so Neumann-Buchmeier weiter.

Nach dem 4:0-Sieg der SG, der völlig in den Hintergrund rückte, gab es harte Vorwürfe seitens einiger Zuschauer der Nenndorfer. Einige Zuschauer aus dem TSV-Lager, die das Spiel auf der Tribüne verfolgten, sollen Nenndorfer Spieler rassistisch beleidigt haben. Das gipfelte darin, dass die sowieso schon aufgeheizte Partie einen negativen Höhepunkt fand. Ein bereits ausgewechselter Nenndorfer Spieler, der sich bereits während des Spiels provoziert fühlte, rannte kurz vor dem Schlusspfiff auf das Feld, wollte laut eigener Aussage seinen des Platzes verwiesenen Teamkameraden beruhigen und schlug TSV-Trainer André Jürgensen in diesem Zug mit der Faust ins Gesicht. Rudelbildung und eine blutige Nase inklusive.

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Noch heute würde der TSV dafür, vor allem in den sozialen Netzwerken „mit dummen Bemerkungen“ damit konfrontiert werden, berichtet der Vorstandssprecher. Die Situation war unübersichtlich, es gab viele Meinungen und Schuldzuweisungen.

Der Fall landete vor dem Kreissportgericht Schaumburg. Das Urteil, das dem Sportbuzzer Schaumburg vorliegt, beinhaltet fünf klare Strafen. Zwei Spieler beider Mannschaften wurden wegen Tätlichkeiten, die sich vor des Vorfalls ereigneten, für fünf Wochen gesperrt. Der Nenndorfer Spieler, der Jürgensen mit einem Schlag ins Gesicht traf, musste ein halbes Jahr bis zum 7. Februar 2020 zuschauen. Den Vorfall leugnete er bis zum Schluss. Eine weitere Privatanzeige wurde gestellt, das Verfahren läuft jedoch noch. Der TSV Eintracht Bückeberge musste zudem 50 Euro wegen fehlender Platzordner zahlen. „Wir hatten nicht genug Ordner, weil es bis zu dem Zeitpunkt keinen vergleichbaren Fall gegeben hatte. So etwas war bis dahin außerhalb unserer Vorstellungskraft. Dafür haben wir eine Strafe zahlen müssen und das ist auch in Ordnung.“ Beide Vereine tragen zudem mit jeweils 72,90 Euro die Kosten des Verfahrens.

Was noch im Raum stand, waren die Rassismus-Vorwürfe. „Aufgrund von widersprüchlichen Aussagen beider Parteien, insbesondere ohne Bestätigung des Schiedsrichter-Gespannes, können die Vorwürfe nicht nachgewiesen werden“, heißt es vom Sportgericht. „Zum einen widersprechen sich die Aussagen erheblich, andererseits wurden ‚nur‘ sportplatztypische Äußerungen beschrieben [...] Aufgrund dessen können die Vorwürfe von rassistischen Äußerungen und Diskriminierungen nicht weiter verfolgt werden“, heißt es weiter. Und tatsächlich, die Aussagen gehen auseinander. Neumann-Buchmeier wittert sogar eine gezielte Kampagne gegen seinen Verein, auch wenn er das nicht belegen könne. „Es ist alles falsch und nachweislich gelogen. Zum Beispiel standen zwei Zuschauer während des Vorfalls im Nenndorfer Block nebeneinander und haben vor Gericht ganz unterschiedliche Antworten gegeben“, hat er beobachtet.

Neben den Ordnern, die beim nächsten Spiel mit Westen im Mühlenbachstadion unterwegs waren, ermahnte die Eintracht ihre Zuschauer durch eine Stadiondurchsage anständig zu verhalten. „Seitdem mussten wir eine Besuchergruppe des Platzes verweisen, aber die kam nicht aus unseren Reihen.“ Ob der Vorwurf ganz verschwindet, weiß Neumann-Buchmeier selbst auch nicht. „Mit so einem Vorwurf sind wir bestraft und das ist hart, denn wir sind keine Rassisten und stehen für ganz andere Leitbilder wie Respekt und Toleranz.“ Zuletzt postete der TSV in den sozialen Medien nach dem rechten Terror-Anschlag in Hanau ein Statement und positionierte sich klar gegen Rassismus und für Vielfalt. Sollte es das Coronavirus zulassen, steht am 23. und 24. Mai die Mini-Europameisterschaft jür jugendliche Kicker unter dem Motto „Say no to Racism“ an.