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Sportbuzzer-Zulieferung „Es sprach nichts dagegen“
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung „Es sprach nichts dagegen“
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09:43 28.04.2020
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Schon die Probeabstimmung, einige Wochen zuvor, war mit nur einer Enthaltung bei rund 130 Stimmberechtigten eindeutig ausgefallen. Und so ist es keine Überraschung, dass sie dieses Mal ohne Gegenstimme und Enthaltung beschließen, dass die drei Schaumburger Traditionsvereine ab sofort gemeinsam als SG Liekwegen/Sülbeck/Südhorsten auftreten werden. Das war genau heute vor einem Jahr. Die Sportgemeinschaft feiert ihren ersten Geburtstag.

Rückwirkend zum 1. April wurde die Vereinsgründung damals fix gemacht. Eine Verschmelzung mit Schönheitsfleck, denn die Wahl musste einige Monate später wegen eines Formfehlers wiederholt werden. „Das war dann noch mal ein riesiger Aufwand – und innerhalb von fünf Minuten war die Sache erledigt“, erinnert sich der stellvertretende Vorsitzende Joachim Warnecke. Heute hat die SG etwa 1400 Mitglieder.

Doch wieso kam es überhaupt dazu, dass insgesamt 333 Jahre an individueller Vereinsarbeit in die Gründung eines neuen Vereins münden sollten? „Die Fußballer haben das forciert“, erklärt der SG-Vorsitzende Andreas Baar. Die SG Liekwegen/Sülbeck/Südhorsten stand sportlich vor dem Aufstieg in die Kreisliga, doch die Statuten erlauben es nicht, dass eine Spielgemeinschaft in die höchste Kreisebene vorpreschen kann. „Das war der ausschlaggebende Punkt. Ideen und lockere Gespräche über eine Fusion gab es aber immer mal wieder vorher“, betont Timo Baar, der SG-Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit. Dass die Kicker dann ausgerechnet am 28. April 2019 den Aufstieg perfekt machten, ist fast schon zu kitschig.

Seinen Ursprung hatte der Zusammenschluss vor mehr als zwei Jahren. Die damals schon bestehende Spielgemeinschaft SG Liekwegen/Sülbeck ging auf den SV Nienstädt 09 zu. „Die wollten aber in der 4. Kreisklasse mit den A-Junioren neu anfangen“, so Warnecke. Wie es der Zufall so wollte, war auch der TuS Südhorsten, der zu diesem Zeitpunkt höchstspielende Verein der Samtgemeinde, auf der Suche nach einem Kooperationspartner für die Fußballsparte. Also lud der TuS die SG zum ersten Abtasten ins Nienstädter „Berghotel“ ein. „Das war von Anfang an durchweg positiv, und von da an ging es dann immer so weiter. Es sprach nichts dagegen“, so Warnecke. Rat wurde sich immer wieder bei Hagen Rank, dem Vorsitzenden des Kreissportbundes (KSB) Schaumburg, geholt. „Er hat zu uns gesagt: ‚Das werdet ihr hinbekommen, aber das große Problem wird es, eure Mitglieder mitzunehmen“, erinnert sich Warnecke. „Dieses Problem hatten wir allerdings nie“, führt er fort.

Die Harmonie hielt nämlich an, was Andreas Baar bis heute noch erstaunt. „Es gab kein Gefeilsche, keine Streitigkeiten oder Widersprüche zwischen den Mitgliedern. Es war wie eine Verschmelzung.“ Ein Vorteil war mit Sicherheit die schon bestehende Spielgemeinschaft der Fußballer. Man kannte sich, wodurch auch die alteingesessenen Traditionalisten mit ins Boot geholt werden konnten. Ein zweiter Pluspunkt war, dass die einzelnen Vereine früh Arbeitsgruppen bildeten und in den vielen Sparten informierten. Regelmäßige Zwischenveranstaltungen gehörten dazu. Zu guter Letzt spielt auch der Name eine Rolle, der mit 31 Zeichen zwar sperrig daherkommt, aber alle mit ins Boot holt. Ideen über einen Kunstnamen à la „FC B65“ sowie den Bezug auf die Vereinsfarben oder Bäche, die alle Orte miteinander verbindet, habe es zwar auch gegeben, „aber wie soll sich jemand mit dem FC B65 identifizieren?“, fragt sich Andreas Baar. „Alle Mitglieder sollten sich in dem Namen wiederfinden.“ Daran, dass dieser noch länger wird, glauben die Verantwortlichen aktuell nicht. „Die Frage stellt sich im Moment nicht“, so Baar weiter. „Nach der vielen Organisation können wir uns so langsam endlich auf Projekte und das Sportliche konzentrieren“, ergänzt Warnecke.

Thorsten Brüggemann, der stellvertretende Vorsitzende und SG-Jugendleiter, merkt zudem an, dass sich die Mitglieder seit einigen Monaten immer mehr vermischen würden. „Es geht weg von ‚Wir bei uns in Liekwegen, Sülbeck oder Südhorsten‘ hin zu ‚Wir bei uns im Verein‘“, freut er sich. Als gutes Beispiel dafür nennt Brüggemann den jüngsten Herrenabend in der Liekweger „Waldklause“. „Da waren Mitglieder aus allen drei Vereinen. Das war ein richtig cooler Abend.“

Die erste gemeinsame Anschaffung des neuen Vereins waren zehn Trampoline für den neuen Jumping-Fitness-Kurs, der sich aufgrund des Coronavirus nun erst mal etwas verschiebt. Auch das gewachsene Kursangebot im Turnen und im Gymnastikbereich des Vereins ruht aktuell weiter. „Natürlich sind unsere Fußballer erfolgreich, aber uns ging es vor allem auch darum, dass wir uns breiter aufstellen und den Mitgliedern ein breites Angebot präsentieren können“, so Timo Baar. Mit der TWG Nienstädt/Sülbeck, die ihren Name behält, kam so eine Leichtathletik-Abteilung für die SG dazu.

Dass es nach der Pandemie wieder gut anläuft, daran hat keiner der vier Vorstandsmitglieder große Zweifel. „Die Leute wollen dann ja wieder etwas machen“, ist sich Brüggemann sicher. Hätte die Fusion jedoch ein Jahr später stattgefunden, wäre der Verein in Schwierigkeiten gekommen, ist sich Warnecke sicher. „So eine Phase wie jetzt, dann wäre alles hin.“ Ergo ist es nun doppeltes Glück für die SG, dass die Fußballer mit aller Macht in die Kreisliga drängten, denn KSB-Chef Rank gab im Sommer 2018 als realistisches Ziel für die Durchführung zwei Jahre, also den Sommer 2020, an. „Dann wäre der Aufstieg weg gewesen – und dafür hat es ja ganz gut geklappt“, blickt Warnecke zurück.