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Sportbuzzer-Zulieferung „Fußball hat ein Mentalitätsproblem“
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung „Fußball hat ein Mentalitätsproblem“
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18:13 15.11.2019
Beim Handball sind Diskussionen selten, weil die Trainer wissen, dass die Schiedsrichter angewiesen sind, rigoros durchzugreifen. Quelle: uk

Der Spieler wurde inzwischen für sieben Wochen gesperrt. Der Vorfall ist nur die Spitze des Eisbergs, der Fußball wird bundesweit von zahlreichen Gewaltexzessen erschüttert. Auch in Schaumburg häufen sich die Vorfälle (wir berichteten). Im Handball ist Gewalt dagegen nicht bekannt. Aber woran liegt das?

Ein Handballer wisse, dass er bei einer Schiedsrichterentscheidung nicken und weggehen müsse, so Kromer. Grummeln könne er ja trotzdem. Hintergrund: Im Handball werden Diskussionen mit dem Schiedsrichter nicht geduldet, sondern rigoros mit Zeitstrafen geahndet. Das gilt auch für Trainer und Spieler auf der Bank.

Kann der Handball dem Fußball als Vorbild dienen? Wäre das Modell im Fußball überhaupt denkbar? Dabei ist man im Prinzip gar nicht weit von einander entfernt, denn im Jugendfußball gibt es bereits seit vielen Jahren Zeitstrafen über fünf Minuten, im Amateurbereich wurde die disziplinarische Maßnahme Mitte der neunziger Jahre durch die Gelb-Rote Karte ersetzt. Im Jahr 2017 dachte der ehemalige Weltklasse-Stürmer Marco van Basten als Technischer Direktor der Fifa über eine Wiedereinführung nach. Allerdings ist die Zeitstrafe bei den Fußballern in erster Linie dazu gedacht, Foulspiele einzudämmen. Muss da umgedacht werden?

Der Schiedsrichter wird im Fußball oft nur als notwendiges Übel gesehen, im Handball werden die Unparteiischen anders behandelt. „Sie sind Teil der großen Familie“, sagt Henning Sohl, ehemaliger Bundesligaspieler beim VfL Hameln und aktueller Trainer beim TV Bissendorf-Holte (Oberliga Nordsee).

„Natürlich werden im Handball auch Grenzen ausgereizt“, sagt Sebastian Reichardt, als Trainer des Handball-Oberligisten Schaumburg Nord. Aber es gehe dabei fair zu, so der Coach. „Es wird nicht lamentiert oder sich am Boden gewälzt“, so Reichardt in Anspielung auf Fußballer, sondern viel mehr miteinander kommuniziert. „Es wird nicht aggressiv. Handball-Schiedsrichter sind, dabei vor allem in den unteren Spielklassen, schlechter als im Fußball“, merkt der HSG-Trainer an. Dass es in seinem Sport keine Gewalt gebe, habe vor allem mit Respekt zu tun.

Henning Sohl sieht sich auf der Trainerbank durch die strengen Regeln nicht gegängelt. „Wir haben ja einen gewissen Spielraum. Ich fühle mich eher selbst diszipliniert. Früher war es lascher, aber man gewöhnt sich daran.“ Auch er lobt die gute Kommunikation mit den Unparteiischen. „Da sind viele mit Fingerspitzengefühl unterwegs.“

Weitreichende Erfahrungen in beiden Sportarten hat Julian Frädermann gesammelt. Der Handballer und Teammanager des Oberligisten HV Barsinghausen hat viele Spiele für den MTV Rehren A/R absolviert. „Wenn es die Knochen zulassen, ziehe ich die Fußballschuhe noch an“, sagt der 31-Jährige. Aber der Vollblutsportler weiß auch: Die Sportarten könne man nicht miteinander vergleichen, „der Fußball hat ein Mentalitätsproblem.“ Wenn er in einem Fußballspiel den Körper einsetze, werde er sofort beleidigt. „Stattdessen wird sich am Boden gewälzt und Strafen für den Gegenspieler gefordert.“ Frädermann hat weitere Unarten festgestellt: „Nach den Spielen spürt man den gegenseitigen Hass der Teams untereinander. Er könne das nicht nachvollziehen. So etwas gebe es im Handball nicht. „Natürlich wollen wir die Spiele gewinnen, aber nach dem Spiel wird gemeinsam gefeiert. Auch nach einem Derby.“

Frädermann hat Gründe ausgemacht, warum sich die beliebten Sportarten so unterschiedlich gelebt werden. „Das ist eine klare Erziehungsgeschichte. Auch die Übungsleiter in den Vereinen müssen früh darauf achten, dass es in Sachen Disziplin nicht aus dem Ruder läuft.“ Vereine müssten gegen Übeltäter auch Sanktionen aussprechen. „Ein Anspucken des Gegners oder Schiedsrichters würde in einem Verein wie dem HV Barsinghausen niemals geduldet“, sagt der Familienvater. Natürlich rege man sich auch mal über Schiedsrichter auf. „Aber Gewalt? Das wird im Handball nie, nie passieren.“ Der Schiedsrichter habe das Sagen, „vielen Fußballern fehlt da die Eigenreflexion.“

DHB-Mann Kromer würde die harte Linie einführen: „Hätte ich im Fußball die Position inne, die ich im Handball innehabe, würde ich eine Null-Toleranz-Politik bezüglich aller emotionalen Gesten und Aktionen von Spielern und Trainern gegenüber Schiedsrichter fahren.“

Was sagen die Fußballer zu solchen Ideen? Der Schaumburger Schiedsrichter-Obmann Wilhelm Kläfker begrüßt Kromers Vorstoß: „Die Verhaltensweisen sind inzwischen weit eingerissen. Es muss etwas passieren. Aber es müsste von oben kommen – und da sehe ich ein Problem. Es wird lieber zum 27.-mal die Handregel geändert, als dort anzusetzen, worauf es ankommt.“ Man wolle Trainer nicht in den Eisschrank stellen, „aber es müssen Grenzen gezogen werden.“

Timo Nottebrock, vom Bezirksligist TSV Algesdorf, selbst ein eher emotionaler Trainer, sagt: „Man muss gegensteuern, denn es muss sich etwas verändern. Der Schiedsrichter ist nur noch der Prellbock, man sollte sich lieber mehr auf das eigene Team konzentrieren.“ Der Bückeburger kann sich vorstellen, blaue Karten gegen Disziplinlosigkeiten einzuführen. „Nach der zweiten Karte bist du draußen.“ Zeitstrafen würden den Unparteiischen bei der Umsetzung zu viel aufbürden.

Aber der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf: „So lange Szenen mit anschließender Rudelbildung wie beim Abraham-Ausraster nicht sanktioniert werden, wird sich bei den Amateuren nichts ändern. Das sind die Vorbilder“, sagt Kläfker.

VON UWE KLÄFKER MINDEN.

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