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„Historischer Tiefstand“

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00:09 04.03.2021
Schiedsrichter üben eine anspruchsvolle Tätigkeit aus, nur lassen sich immer weniger Menschen davon überzeugen.
Schiedsrichter üben eine anspruchsvolle Tätigkeit aus, nur lassen sich immer weniger Menschen davon überzeugen. Quelle: Sportbuzzer
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„Wir haben nur noch unter 100 aktive Schiedsrichter im Bestand“, sagt Obmann Wilhelm Kläfker, „das ist ein historischer Tiefstand.“ Der geplante Lehrgang allein wird das Problem auch nicht beheben, denn es mangelt an Anmeldungen.

Tim Wieggrebe, Lehrwart des Schiedsrichter-Ausschusses, rührt seit geraumer Zeit die Werbetrommel. Aber bislang gibt es nur sieben Anmeldungen. „Eigentlich zu wenig für einen Lehrgang, der Aufwand lohnt sich nicht, denn es entstehen ja auch Kosten“, sagt der Algesdorfer, der einen Trend ausgemacht hat: „Es wird immer schwerer, vom Amt des Schiedsrichters zu überzeugen.“ Bereits beim letzten Lehrgang im November waren nur wenige Teilnehmer dabei, sechs neue Unparteiische hat der Fußballkreis so immerhin gewonnen. Nur: Wegen der Corona-bedingten Saisonunterbrechung haben die Neuen noch kein Spiel pfeifen können.

Darin sieht Kläfker auch eines der Probleme. Durch Corona hätten die Vereine wohl andere Sorgen, vermutet der Stadthäger. „Alle sind derzeit eher als Einzelkämpfer unterwegs. Das sehe ich ein. Aber nicht ich brauche Schiedsrichter, sondern die Vereine.“ Das ist in der Spielordnung klipp und klar hinterlegt. Meldet ein Verein zu wenige Unparteiische für seine spielenden Mannschaften (siehe Kasten), wird er zur Kasse gebeten. In der vergangenen Serie haben allein die Schaumburger Fußballvereine mehr als 13000 Euro an Strafen berappen müssen. „Die Strafen werden ohne Murren bezahlt“, weiß der Obmann, „nur bringt uns das nicht weiter.“ Die wesentlich wirksameren Punktabzüge wurden nach einer Änderung der übergeordneten Verbandsspielordnung aus Gründen der Gleichbehandlung vom Kreisspielausschuss nicht mehr vollzogen. Die Punkte müssen demnach der höchstspielenden Mannschaft abgezogen werden. Da nicht alle Kreise den Punktabzug anwenden, könnten Schaumburger Vereine in Bezirks- und Landesliga benachteiligt werden. „Aber der Kreistagsbeschluss dazu wurde nie aufgehoben“, sagt Kläfker, „mal sehen, wie der neue Kreisvorstand das handhaben wird.“

Der Spielbetrieb wird irgendwann wieder starten und dann wird es eng. Insgesamt stehen in Schaumburg noch 130 Schiedsrichter auf der Liste, „da sind aber Funktionäre und Beobachter dabei“. Er habe 80 bis 90 Aktive, mit denen er richtig arbeiten könne, so Kläfker. „Man muss aber sehen, dass sich 15 bis 20 davon jedes Wochenende aus verschiedensten Gründen abmelden.“ In der unterbrochenen Saison hat der Betrieb reibungslos funktioniert, alle Spiele konnten besetzt werden. „Das geht aber nur, weil manche Kameraden Doppelschichten fahren. Ein Beispiel: Ein Schiedsrichter pfeift vormittags die Reserve eines Vereins, um dann im Anschluss in der Kreisliga im Gespann an der Linie zu stehen. „Das können natürlich nicht alle meine Leute leisten, aber nur so geht es noch“, sagt Kläfker, der auch aus einem anderen Grund auf neue „Pfeifen“ hofft. „Wir müssen unseren Bestand nicht nur am Leben halten, sondern auch den Altersdurchschnitt im Auge haben.“ Die meisten Schaumburger Unparteiischen seinen in der Altersgruppe zwischen 40 und 80 Jahren zu finden. „Wir brauchen frisches Blut, um das Niveau zu halten.“

Da kommt wieder Lehrwart Wieggrebe ins Spiel, der viele Vorteile des Jobs an der Pfeife anführt: „Es ist unter anderem ein netter Nebenverdienst von 15 bis 25 Euro pro Spielleitung drin.“ Dazu gebe es freien Eintritt bei allen Spielen im DFB-Gebiet. Durch die Tätigkeit als Schiedsrichter werde man selbstbewusster und stressbeständiger, „lernt, sich durchzusetzen, und nimmt viel in Sachen Persönlichkeitsentwicklung mit“, sagt der Student und denkt bereits über neue Wege nach: „Vielleicht müssen wir mehr an die Schulen gehen, die Lehrarbeit mit einer Fußball-AG verbinden.“

Ob der Online-Lehrgang am Montag ab 19 Uhr startet, ist angesichts der dünnen Teilnehmerzahl noch nicht abschließend geklärt. „Aber sechs neue Schiedsrichter wären in unserer Lage besser als gar nichts“, sagt der Obmann.

Anmeldungen sind per E-Mail an tim.wieggrebe@web.de noch möglich. Weitere Infos gibt es online auf nfv-shg.de. uk