Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sportbuzzer-Zulieferung Im „Minchen“ infiziert
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung Im „Minchen“ infiziert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:34 23.05.2019
Anvisieren: Thomas Munkelt hat die Dartscheibe voll im Blick.
Anvisieren: Thomas Munkelt hat die Dartscheibe voll im Blick. Quelle: dak
Anzeige

Inzwischen ist „Munky“, wie er genannt wird, als Paradarter auf Turnieren in ganz Europa unterwegs. Seit seiner Geburt ist der Rollstuhl sein ständiger Begleiter, davon lässt er sich die Laune jedoch nicht verderben. „Mit Humor ist alles ein bisschen lockerer“, findet Munkelt.

Dass er die Pfeile inzwischen so gerne auf die 1,73 Meter hoch hängende Scheibe wirft, hätte der 50-Jährige vor zehn Jahren noch nicht gedacht. Doch ein Feierabend im „Minchen“ veränderte dies. „Ich hatte mich mit einem Arbeitskollegen auf ein Feierabendbier verabredet“, erinnert sich Munkelt. „Dann musste er auf die Toilette und kam einfach nicht wieder.“ Statt zu warten, fuhr er in die „Gute Stube“, einen Raum in der Kneipe, und traf dort nicht nur auf den scheinbar verschollenen Kumpel, sondern auch auf den Dartclub Bückeburg 03, der dort trainierte. „Zwei Wochen später bin ich eingetreten“,so Munkelt, der sich vom Dart-Virus hat infizieren lassen. Eine Dartscheibe prangt inzwischen nicht nur als Kette um seinen Hals, sondern sogar auch auf den Rädern seines Rollstuhls.

Weil in der Stube aber zwischenzeitlich überhaupt kein Training möglich und die Kneipe damals auch noch nicht barrierefrei war, wechselte er zum TSV Bad Eilsen, wo er 2012 seine sportliche Heimat fand. „Hier bin ich kein Rollstuhlfahrer, sondern ein Darter“, sagt er zufrieden. Dass er inzwischen so gut mit seiner Behinderung umgeht und sich auch für einen witzigen Spruch darüber nicht zu schade ist, war nicht immer so. Nach seiner Grundschulzeit in Bückeburg ging es für ihn in die damalige Orientierungsstufe nach Helpsen, weil es dort einen Aufzug gab. „Meine Mitschüler fuhren in dem vollen Bus und standen da drin wie die Ölsardinen. Ich kam bequem wie die Queen im Auto. Da haben die mich gehänselt“, blickt der Paradarter zurück. „Ich war fix und foxi, dann hat mir mein bester Freund aber den Tipp gegeben, mich zu wehren.“ Diesen beherzigte der Bückeburger, wurde stellverstretender Schülersprecher und ging so in die Offensive. „Ich wollte denen zeigen, dass ich kein Mimöschen bin, aber wenn ihr mich hart anpackt, bekommt ihr auch eine Retourkutsche.“ Eine Entscheidung, die ihm Respekt und Selbstvertrauen einbrachte.

Respekt bekommt er heute auch wenn er bei Paradart-Turnieren antritt. Denn eigentlich werfen Paradarter, die sitzen, auf eine Scheibe, die in 1,37 Metern Höhe hängt. „Seit 2010 werfe ich nun aber schon auf die normale Höhe von 1,73 Metern. Mich da umzugewöhnen, das fällt mir viel zu schwer.“ Seine Leidenschaft führte ihn unter anderem schon nach Dänemark, Belgien, in die Niederlande oder auch zur Weltmeisterschaft nach England.

Außer der Teilnahme an der Paradart-Weltmeisterschaft gab es noch einen besonders erinnerungswürdigen Moment im heimischen Eilser Trainingsraum. Am 12. März 2016 warf er mit drei Darts 180 Punkte, die mit einer Aufnahme höchste zu erreichende Punktzahl. „Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe das natürlich sofort fotografiert, und seitdem ist mir dieses Kunststück auch nicht mehr gelungen.“

Genügend Möglichkeiten für eine Wiederholung hat er, denn mit seinem Team, dem TSV Bad Eilsen, ist er fast jedes Wochenende in der Saison unterwegs. Die Gegner kommen aus den Regionen zwischen Nienburg, Hildesheim, Göttingen und Osnabrück. Teilweise ist er mit seinen Teamkameraden 90 Minuten pro Strecke unterwegs. Die Spiele dauern dann in der Regel dreieinhalb bis vier Stunden. In diesem Jahr hat der Rollstuhl-Darter noch zwei „normale“ Turniere in Schneeren bei Neustadt am Rübenberge und in Rinteln anvisiert. 2020 sollen es mindestens fünf auf internationaler Ebene sein. Wäre sein Kumpel vor neun Jahren im Minchen zeitiger von der Toilette gekommen, müsste Munkelt möglicherweise auf diese Erlebnisse verzichten.

Interessierte, die selbst Paradart spielen möchten, können sich per E-Mail an munky.the.paradarter@hamburg.de direkt an Munkelt wenden.