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Jedes Rennen ist ein Abenteuer

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11:49 25.03.2021
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Von daniel kultau HOHNHORST

Das Trio möchte den noch unbekannten und jungen Sport als „Adventure Racing Germany“ in Deutschland bekannt machen.

Doch was versteckt sich überhaupt hinter diesem Begriff? „Genau mein Sport“, beschreibt es Vincent Meyer kurz und knapp. Es geht unter anderem um Ausdauer Orientierung und Organisation. Denn klassischerweise wird gelaufen, Fahrrad gefahren und gepaddelt. Sich in Höhlen abseilen, klettern oder Stand-Up-Paddling können aber auch immer mal wieder Teile eines Rennens sein. In Zwölf-, 24-, 48-, oder auch 60-Stunden-Rennen geht es dann darum, in einem Team von zwei bis vier Personen innerhalb der vorgegebenen Zeit so viele Checkpoints wie möglich zu finden und innerhalb dieser Zeitspanne gemeinsam ins Ziel zu kommen. Wer die meisten Checkpoints gesammelt hat, gewinnt. Der Clou: alles nur mit Kompass und Karte. „Es geht querfeldein, sei es zu Fuß oder mit dem Rad“, erklärt Carina Meyer, die selbst gerne die einzelnen Disziplinen betreibt, aber eher das Team logistisch unterstützt, als selbst an dem Sport teilzunehmen. „Jedes Rennen ist ein Abenteuer“, fügt ihr Mann Vincent hinzu. Als erstes deutsches Team überhaupt sind die Hohnhorster im Oktober bei der Weltmeisterschaft in Spanien am Start. Die Vorgaben: Erst in drei Etappen 205 Kilometer zu Fuß zurücklegen, dann folgen zwei Abschnitte, auf denen 290 Kilometer Fahrrad gefahren werden muss, ehe es für 105 Kilometer noch mal ins Kajak geht. Höhenkilometer durch bergige Landschaften gibt es noch zusätzlich oben drauf. Ein Handy ist für den Notfall dabei, wird jedoch zu Rennstart in einer Verpackung versiegelt, um nachweisen zu können, dass man sich dadurch keinen Vorteil verschafft hat.

Carina Meyer war es, die ihren Mann auf den Geschmack gebracht hat. „Vor fünf Jahren waren wir im Urlaub in Schweden – und ich hatte das Buch ‚Arthur: Der Hund, der den Dschungel durchquerte, um ein Zuhause zu finden‘ für ihn dabei.“ In dem geht es um ein „Adventure Race“ in Ecuador, wo ein Team im Urwald einen Hund findet und dieser die Gruppe quer durch den Dschungel begleitet – selbst im Boot. „Den Sport fand ich direkt geil“, erinnert sich Vincent, der anatomisch auch eher ein Freund der Langstrecken ist. „Ich finde es einfach spannend, zu sehen, was möglich ist. Wie weit man seine eigenen Grenzen verschieben kann.“ Nach „Arthur“ machte das Paar zwar mal „bei Kleinigkeiten“ wie einer 24-stündigen Wanderung durch Österreich mit, doch Adventure Racing in Deutschland? Da gab es einfach überhaupt nichts. Weder Rennen, noch eine richtige Szene. „Ich schätze mal, dass es selbst heute keine 100 Leute in ganz Deutschland sind“, so der 29-Jährige, der 2019 sein erstes 60-Stunden-Rennen absolvierte.

2020 sollte dann sein Jahr werden. Wettbewerbe in Kroatien, Südafrika und Paraguay waren für ihn geplant – bis Corona kam. „Dann haben wir uns gesagt, dass wir den Sport halt in Deutschland bekannter machen wollen.“ Eine Homepage und eine Instagram-Seite waren schnell aufgebaut. „Die Selbstständigkeit und Reisen miteinander zu verbinden, war für uns schon immer so was wie ein Traum“, verrät die 31-Jährige, die als Erzieherin in einer Kita arbeitet. Im ersten Schritt dahin soll es ein Online-Shop für typisches Equipment wie beispielsweise ein Kartenhalter für das Fahrrad sein. In der Zukunft möchte Adventure Racing Germany dann auch Trainings und eigene Rennen anbieten. „Corona bremst uns momentan ein wenig aus, aber genug Ideen sind vorhanden“, versichert Carina Meyer. Gute Spots in und um Schaumburg, um Trainings abzuhalten, seien neben dem Ith auch Hohenstein – und auch auf dem Bückeberg waren die Hohnhorster schon unterwegs. Gepaddelt wird immer mal wieder auf der Aue.

An ein Rennen erinnert sich der Hohnhorster besonders gerne zurück. Da ging es an der dänischen Küste in der Nacht durch den Regen. „Wir hatten dazu noch Gegenwind, und erst in den frühen Morgenstunden wurde es etwas besser.“ Der Checkpoint lag auf einer hohen Düne, und auf dem Weg dahin musste die Gruppe durch hohes Schilf laufen. „Ich bin vorgegangen, war dann schon ziemlich weit oben auf der Düne.“ Als sich Vincent Meyer umdrehte, sah er seine Mitstreiter hinter sich im Schilf und dahinter das aufgepeitschte Meer und den Sonnenaufgang. „Das war ein surrealer Moment und einfach nur cool.“

Für solche Strecken und Erlebnisse müssen sich die einzelnen Teams selbst versorgen. Nüsse, Riegel oder Energy Bars sind besonders beliebt. Sie können in den Rucksäcken mitgenommen oder auch an den Transition-Stationen, wo man zum Beispiel vom Laufen auf das Rad wechselt, deponiert werden. Allerdings gibt es im Vorfeld eines Rennens auch ein Maximalgewicht für die gesamte Ausrüstung. Dadurch bekommt der Punkt der Planung im Vorfeld einen noch höheren Stellenwert. „Es gewinnt nicht das Team mit den schnellsten Läufern“, stellt Vincent Meyer klar. „Sondern das, das sich am effizientesten organisiert.“ Dazu gehören Abläufe in den Transition-Zonen, die Essenszubereitung oder zumindest auch mal kurze Momente, in denen man versucht zu schlafen. Denn zumindest bei 24-Stunden-Rennen wird die Nacht in der Regel durchgemacht. Mit Stirnlampe geht es dann durch den Wald. „Manchmal gucken einen Augen aus dem Gebüsch an – und verschwinden dann ganz schnell. Das ist schon spannend“, so der 29-Jährige.

Dieses Jahr steht für das „Team AR Germany“ die Europameisterschaft im September in Dänemark an. Einen Monat später dann die WM in Spanien. „Das werden richtig harte Rennen“, ist sich der Ingenieur sicher. Die Adventure-Racing-Hochburg ist übrigens Neuseeland, aber auch in Skandinavien ist der Sport schon deutlich verbreiteter als in Deutschland. Zeit, um den Sport hier noch bekannter zu machen, hat das Trio noch genug. „Das goldene Adventure-Race-Alter liegt bei ungefähr 55 Jahren“, erklärt Vincent Meyer. Vielleicht wird man die Meyers bis dahin ganz fest mit dem Ausdauerwettkampf in Verbindung bringen. So wie man es heutzutage mit Steffi Graf, Boris Becker oder auch Franz Beckenbauer macht.

Weitere Infos rund um Adventure Racing Germany gibt es im Internet unter adventureracing-germany.de und auf Instagram (@ar_germany).