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Sportbuzzer-Zulieferung Jens Lattwesen erklärt das „Wunder von Rehren“
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Jens Lattwesen erklärt das „Wunder von Rehren“

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16:48 15.11.2020
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Aktuell ist er Co-Trainer der erfolgreichen Bezirksliga-Truppe, in der Sohn Julian viel zum Erfolg beiträgt. Der Vater stand im Tor des MTV Rehren A/R. Auch die Liebe zum Hamburger SV pflanzte sich durch die drei Generationen fort. Wir unterhielten uns mir dem 51-jährigen Jens Lattwesen, der übergeordnet zudem schon lange als Auswahltrainer tätig ist, der sich beruflich beim Landkreis im Jobcenter um die EDV kümmert und der gerne mit seinem Hund in der Natur unterwegs ist. Sie stecken fachlich so gut drin wie kaum ein anderer. Erklären Sie uns bitte das „Wunder von Rehren“, den Sturm an die Spitze der Bezirksliga.

Da kommt vieles zusammen. Ich selbst bin seit Januar wieder sehr eng an der Mannschaft, unterstütze Raphael Idel, und kann berichten, was seitdem passiert ist. Die Vorbereitung im letzten Winter lief richtig gut und wir haben genau herausgearbeitet, in welchen Punkten wir uns verbessern müssen, um mehr Erfolg zu haben. Das zeigte sofort Wirkung. Doch dann kam die Corona-Pause. Die Vorbereitung im Sommer lief ebenfalls unter hoher Beteiligung, aber die fußballerische Umsetzung in Testspielen war plötzlich nicht mehr so gut. Als die Saison startete, merkten wir aber, dass es sich alle Mühen gelohnt haben. Die Mannschaft ist viel cleverer als noch vor einem Jahr und wir haben uns bewusst die Aufstiegsrunde als Ziel vorgenommen. Ich bin übrigens mit Raphael nicht immer einer Meinung, auch das ist gut. Nach den Seriensiegen flachte die Erfolgskurve zuletzt aber ab. Kommt der Neustart für den MTV Rehren A/R zur rechten Zeit?

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Es begann mit der Niederlage in Rinteln, bei der wir einen richtig schlechten Tag hatten und bei der wir noch Stunden hätten spielen können, ohne ein Tor zu schießen. Dass es zuletzt zäher lief, hatte auch handfeste Verletzungsgründe. Wenn ein Mann wie Nick Bergmann vorne ausfällt, merken wir das sofort. Ein Nachwuchsspieler wie Noah Perri kann ihn noch nicht ersetzen. Außerdem spürten wir, dass sich die Gegner besser auf unser Umschaltspiel einstellten. Wir sind noch nicht soweit, es allein spielerisch zu lösen. Trotzdem Aufstiegsrunde zur Landesliga?

Natürlich, wir werden beim Neustart wieder alle an Bord haben und allein die Tatsache, jedes Wochenende auf hohem Niveau gegen die stärksten Mannschaften der Bezirksligen spielen zu dürfen, ist eine schöne Aussicht und bringt uns weiter voran. Finden sie es eigentlich gerecht, dass die Profis zurzeit spielen dürfen, die Amateure aber nicht?

Das ist ein heikles Thema, ich möchte nicht als Verschwörungstheoretiker dastehen. Wenn aber ein DFB-Mediziner sagt, dass es wenig wahrscheinlich ist, dass sich die Spieler im Wettkampf untereinander anstecken, dann muss man sich schon fragen, ob die Sperrung sämtlicher Sportplätze vielleicht übertrieben ist. Es wäre zudem im Umfeld mit Sicherheit auch möglich, 100 Zuschauer auf dem weitläufigen Sportplatz an frischer Luft auf Distanz zu halten. Sie arbeiten seit 10 Jahren als Auswahltrainer für den NFV-Fußballkreis und haben auch dort viel Erfahrung. Das Spiel der Nationalmannschaft bestätigt gerade erneut, dass es dem deutschen Fußball an Individualisten, an Unterschiedsspielern, an ausgekochten Vollstreckern fehlt. Zeigt sich das auch an der Basis?

Zunächst muss ich sagen, dass die Nachwuchsarbeit mit der Kreisauswahl des Jahrgangs 2008, um die ich mich kümmere, nicht mehr stattfindet, wie es Ernst Führing in der Zeitung richtig darstellte. Das scheint den Verantwortlichen aber nicht viel auszumachen. Fußballerisch ist es so, dass ich auch in der Kreisauswahl seit längerer Zeit wahrgenommen habe, dass die Spieler es zunehmend versuchen, im Verbund zu lösen. Sie spielen sich die Bälle zu, sie kombinieren, sie gehen dem direkten Zweikampf aus dem Weg. Dass einer versucht, zwei Mann zu umspielen, kommt immer weniger vor. Aber wir arbeiten daran und der DFB auch, indem neue Spielformen eingeführt werden.