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Sportbuzzer-Zulieferung „Kann dann für nix garantieren“
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung „Kann dann für nix garantieren“
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14:23 28.02.2020
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Im Vorfeld des Heimspiels gegen den RSV Seelze III am vergangenen Wochenende hat die Kontaktaufnahme eines gesperrten MTV-Spielers (Name ist der Redaktion bekannt) zum Schiedsrichter für Aufregung gesorgt.

Zur Vorgeschichte: Beim Heimspiel des MTV gegen die HSG Nienburg IV (24:14) am 9. Februar wurde besagter Spieler vom Schiedsrichter Christian Winter (HSG Exten-Rinteln) wegen Beleidigung mit einer Roten und Blauen Karte bedacht, was im Handball einen Bericht und eine Sperre zur Folge hat. Winter war auch für das Heimspiel gegen Seelze angesetzt, der Spieler noch gesperrt. Im Vorfeld der Partie nahm der Handballer über ein soziales Netzwerk Kontakt zum Unparteiischen auf. Der Chat-Verlauf nahm seitens des Spielers an Schärfe zu, unter anderem schrieb er: „Nix da, will eine Person nicht sehen, auch nicht als Zuschauer. Kann dann für nix garantieren.“ Zum Abschluss gab es noch Emojis mit muskelbepacktem Oberarm hinterher.

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Der Unparteiische fasste das im Vorfeld der Partie als Bedrohung auf und beschloss für sich, die Partie nicht zu leiten und informierte die Beteiligten. „Ich konnte das nicht einordnen und bin einer Begegnung vorsichtshalber aus dem Weg gegangen“, sagt Winter und fragt sich: „Warum werde ich auf Facebook angeschrieben? Was soll das, wenn man nichts vorhat?

Christian Günnewich, stellvertretender Vorsitzender Spieltechnik bei der zuständigen Handballregion WSL, zeigt Verständnis: „Es war keine direkte Bedrohung, aber man weiß ja nicht, was passiert wäre. Von daher verstehe ich, dass der Unparteiische aus Sicherheitsgründen nicht angetreten ist. Wir müssen unsere Schiedsrichter schützen.“ Der Verein habe aber super reagiert, wolle den Spieler freistellen, will Günnewich erfahren haben.

Einen Rausschmiss bestätigt MTV-Spartenleiter Jörg-Wilhelm Mevert auf Nachfrage dieser Zeitung nicht, deutet aber Sanktionen an: „Das wird mit einer vereinsinternen Sperre geregelt.“ Eine Bedrohung des Schiedsrichters sehe er nicht. „Das kann jeder für sich auslegen. Es ist aber grundsätzlich eine Dummheit, kurz vor dem Spiel mit einem Schiedsrichter in Kontakt zu treten,“ so der Spartenleiter.

Der MTV Obernkirchen hat sich für das Verhalten seines Spielers beim Unparteiischen entschuldigt. Vonseiten der WSL hat der Spieler keine Strafe zu erwarten. Günnewich erklärt: „Da es ‚nur‘ eine Bedrohung zwischen den Zeilen war, sind uns leider die sportrechtlichen Hände gebunden. Juristisch liegt hier keine unmittelbare Beleidigung vor, wir haben den Sachverhalt dennoch sehr ernst genommen.“ Der Handball-Funktionär ist aber froh, dass es sich um einen Einzelfall handelt: „Das gibt es im Handball, Gott sei Dank, nicht so oft.“ Das Spiel ging übrigens ohne Vorkommnisse über die Bühne, als Schiedsrichter agierte jeweils ein Akteur beider Mannschaften. Die Obernkirchner siegten 20:14. Das Happy End kam einige Tage später, als sich der Spieler bei Winter entschuldigte und sich beide auf eine Cola verabredeten.

27.02.2020
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