Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Sportbuzzer-Zulieferung Mädchenfußball auf dem Abstellgleis
Sportbuzzer Sportbuzzer-Zulieferung Mädchenfußball auf dem Abstellgleis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:24 24.07.2019
Wo sind denn alle? Mädchen kommen in Schaumburg nur in gemischten Mannschaften zum Zug.
Wo sind denn alle? Mädchen kommen in Schaumburg nur in gemischten Mannschaften zum Zug. Quelle: uk
Anzeige
von isabel remmers LANDKREIS

Doch in kaum einer Sportart wiegt das Problem in Schaumburg so hoch wie im Mädchenfußball. Keine einzige Staffel gibt es in den Landkreisen Schaumburg und Hameln/Pyrmont. Dabei ist das Interesse von Spielerinnen da und die Mannschaften sind es auch.

Bei den ganz Kleinsten angefangen, tummeln sich in vielen der Teams auch immer ein bis zwei Mädchen. In den gemischten Mannschaften kicken die Kinder für lange Zeit zusammen.

Laut Dirk Bredemeier, der seit vielen Jahren den Mädchen- und Frauenfußball beim SC Deckbergen-Schaumburg unterstützt, müsse auch direkt in der E-Jugend angesetzt werden: „Aus dieser Keimzelle heraus, kann sich dann etwas entwickeln. Es muss nur erst einmal angeboten werden.“

Hierbei sei aus Bredemeiers Sicht aber auch besonders wichtig, dass die Trainer die richtige Ansprache finden. „Mit Mädels muss man anders umgehen, als mit Jungs“, so der Coach des SC. Dieser Ansicht ist auch der Niedersächsische Fußballverband (NFV). Wie Tobias Orth erklärt, werde wert auf die gezielte Ausbildung von Trainern und Betreuern einer Mädchenmannschaft in den Aus- und Fortbildungsprogrammen des NFV gelegt.

Allgemein sei es von hoher Bedeutung, Freiwillige zu haben, die den Verein in dem Bereich unterstützen. „Es steht und fällt mit den Leuten, die sich engagieren“, weiß Bredemeier. Auch hier stimmt der NFV zu und bietet daher ein NFV-Leadership-Programm an. Laut Orth können sich alle Frauen in den Vereinen für das Programm bewerben. Dieses dreiteilige Programm, wendet sich an drei Wochenenden vom Frühjahr bis in den Herbst an alle Frauen, die den Frauen- und Mädchenfußball in Niedersachsen nachhaltig mitgestalten wollen. Um eine Nachhaltigkeit zu erzielen, sollen Frauen gefördert werden, die in den unterschiedlichsten Gremien und Funktionen mitarbeiten.

Auch Karsten Selsemeier vom TSV Eintracht Bückeberge unterstreicht diese Ansicht. Er weiß, dass vor allem gute und motivierte Trainer viel ausmachen. Dennoch spricht er von gallischen Dörfern. „Man bildet die Mädchen in der Jugend aus, dann kommt die Schule und die Kinder kommen nicht mehr“, so Selsemeier.

Das Ganze ist aber kein reines Schaumburger Problem. Auch in Hameln gibt es keine einzige Staffel für Mädchenfußball. Selbst erfolgreiche Mannschaften wie Hastenbeck haben keine Jugendmannschaften. „Da sieht es wirklich sehr mau aus. Wenn die nicht aufpassen, ist da am Ende keiner mehr“, warnt Bredemeier.

In Schaumburg gibt es zumindest noch eine Vielzahl an Mädchenmannschaften – auch wenn alle in anderen Kreisen oder Bezirken, wie Lemgo, Nienburg oder Hannover spielen. „Es ist wichtig, dass etwas passiert“, ist sich Bredemeier sicher. Hier appelliert er nicht nur an die Vereine, die sich mehr für das Thema engagieren sollte, sondern vor allem auch an die Verbandsebene. „Ich habe den Eindruck der Mädchen- und Frauenfußball läuft nebenbei.“

Auch Selsemeier teilt diese Auffassung: „Der DFB ist an der Situation auch mit schuld. Nach der Frauen WM 2011 im eigenen Land war das Thema auch schon wieder erledigt.“

Der NFV weist diese Vorwürfe zurück und verweist auf ein erfolgreiches Projekt, das der Verband zusammen mit dem Deutschen Fußball Bund durchführt: der Tag des Mädchenfußballs. „Der Tag des Mädchenfußballs ist ein Aktionstag, der zum Ziel hat, neue Spielerinnen für die Vereine zu gewinnen“, erklärt Orth. So sollen Mädchen, die bisher noch nicht in einem Verein Fußball spielen, Lust auf das Kicken bekommen. Laut Orth haben in den letzten Jahren auch viele Schaumburger Vereine an dem Projekt teilgenommen.

Dennoch betonen die Verantwortlichen der Vereine, dass sich die Verbände verstärkt etwas überlegen müssten, um den Mädchenfußball zu unterstützen. „Da es seit Jahren Bedarf gibt, darf man das von der Verbandsseite nicht vernachlässigen“, betont Bredemeier. Lösungsvorschläge wären für ihn zum Beispiel das sogenannte Norweger Modell oder sogar gemischte Mannschaften bis in die älteren Jugenden. Auch der NFV sieht in diesen Modellen eine gute Möglichkeit. „Der „flexible Spielbetrieb“ ist in unseren Gremien und Ausschüssen seit Jahren ein Schwerpunktthema“, so Orth, der auf die Spielordnung verweist. Vielleicht gelingt es durch die unterschiedlichen Projekte und dem Engagement der freiwilligen Helfer, das Schrumpfen des Mädchenfußballs in Schaumburg aufzuhalten.